Diverses „Bremswege komplett unterschätzt“

© BMW

Zweite Station - München: Nach dem winterlichen Training in Schweden, ging es für den Gewinner des BMW-Fahrertrainings Andreas Wierse nach Bayern. Langweilig wurde dem Unternehmer auch diesmal nicht, wie sein neuer Erfahrungsbericht und die Videos zeigen.

Nach dem ersten BMW-impulse-Training auf einem zugefrorenen See in Schweden klang das zweite auf dem Fahrsicherheitsgelände am Münchener Flughafen zunächst weniger spannend: Statt BMW M3 „nur“ ein BMW 330i, Maximalgeschwindigkeit 60 Kilometer pro Stunde – nun ja. Aber: Auch dieses Training hat richtig Spaß gemacht. Und gelernt habe ich auch wieder was!

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Nach meiner Anreise bei Schmuddelwetter war ich froh, mich bei der Theorie etwas erholen zu können. Themen wie Sitzeinstellung und Lenkradhaltung, Über- und Untersteuern, Vollbremsung mit ABS oder blockierenden Rädern oder ESP hatte ich zwar schon in Schweden kennen gelernt. Aber zum einen hat Florian, unser Instruktor und normalerweise Entwicklungsingenieur im Fahrwerksbereich der M GmbH, das ganze sehr interessant und verständlich aufbereitet; zum anderen hatte ich den Bremsweg mit blockierenden Rädern – trotz Vorkenntnis – völlig falsch eingeschätzt. Es schadet also durchaus nicht, sein Wissen hin und wieder aufzufrischen beziehungsweise zu vertiefen.

Fahrtraining im Video

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Richtig bremsen

Nach der Theorie ging es dann in die Autos. Das Einstellen des Sitzes ging flott (nach meinem Schwedentraining) und auch die Lenkradhaltung (Hände auf drei und neun Uhr, wenn man sich das Lenkrad als Zifferblatt einer Uhr vorstellt) war mir schon geläufig. Zum Aufwärmen folgten wir Florian durch einen kurzen Slalom, bei dem wir ein Gefühl für das Auto bekommen und die Blickführung üben konnten.

Bei der nächsten Übung ging es dann ums richtige Bremsen. Nach der Theorie fiel es uns relativ leicht, den Bremsweg aus 30 beziehungsweise 60 Stundenkilometer abzuschätzen. Aber es überraschte uns wieder, wie langsam die 30 im Vergleich zu den 60 Stundenkilometern erscheinen; und sieht man den viermal längeren Bremsweg dann auf dem Asphalt vor sich, erkennt man schnell, dass die höhere Geschwindigkeit tatsächlich einen erschreckend großen Einfluss auf den Bremsweg hat.

Die Vollbremsung mit ABS verlief flüssig. Interessanter wurde es dann bei der Zielbremsung: Florian stellte ein Hütchen auf die Strecke, und wir mussten mit einer Vollbremsung so nahe wie möglich am Hütchen zum Stehen kommen.

Gar nicht einfach bei 60 Stundenkilometern den Bremspunkt so zu wählen, dass es genau passt – hierbei kommt es tatsächlich auf Hundertstel Sekunden an. Doch beim vierten Durchgang habe ich es geschafft: Ich kam nur wenige Zentimeter hinter dem Hütchen zum Stillstand. Was in der Realität übrigens eine kleine Beule im Stoßfänger zur Folge gehabt hätte. Aber immerhin ist das Hütchen nicht umgefallen.

Wie funktioniert eigentlich ABS?

Danach haben wir uns das ABS und seine Funktionsweise genauer angeschaut: Ausweichen während der Vollbremsung. Erst mit 50, dann mit 60 Stundenkilometer. Die Gasse zum Ausweichen sieht in beiden Fällen recht schmal aus. Da kostet es Überwindung, voll zu Bremsen und gleichzeitig am Lenkrad zu drehen. Zuerst flog auch das ein oder andere Hütchen durch die Gegend, aber dann haben wir es tatsächlich alle gut hinbekommen.

Unserer Gruppe bestand übrigens aus zehn Personen: die meisten zwischen dreißig und vierzig und alle BMW-Fahrer. Paarweise im Auto kamen wir oft genug zum Fahren und hatten gleichzeitig immer wieder eine Verschnaufpause, während der andere fuhr. Das Wetter war vergleichsweise schlecht – es gab sogar ein paar Minuten Graupelschauer. Doch das hat uns wiederum deutlich gemacht, was mit moderner Technik (ABS, ESP) auch auf nassen Straßen möglich ist.

Auch der Nachmittag begann mit Ausweichen: diesmal allerdings ohne zu bremsen. Denn dafür befand sich das Hindernis zu nah vor dem Fahrzeug. Dazu kommt, dass ein ungebremstes Auto etwas schneller reagiert, da weniger Last auf der Vorderachse liegt. Für diese Übung gab es eine Lichtschranke mit Geschwindigkeitsanzeige. Wir konnten also unsere tatsächliche Geschwindigkeit sehr gut sehen. Und obwohl die Durchfahrt zwischen den Hütchen und dem Hindernis aus der Fußgängerperspektive sehr eng aussah, schafften wir es alle durch diese Lücke zu huschen, ohne die Hütchen umzuwerfen – auch mit 60 Stundenkilometern. Dabei übten wir zunächst nur das Ausweichen nach links (was in der Praxis am häufigsten vorkommen dürfte), dann aber auch nach rechts und am Ende Ausweichen auf Zuruf von Florian.

Sanfter fahren heißt auch schneller fahren

Bevor wir am Ende dann auf die Kreisbahn durften, hatte Florian noch einen Parcours aufgestellt, der alle Übungen des Tages zusammenbrachte: vom Start ging es durch einen Slalom in eine 180-Grad Kehre und wieder zurück in den Slalom. Das Ziel bestand aus einem etwa zwölf Meter langen Rechteck, in dem das Auto zum Stehen kommen musste. Wer ein Hütchen umfuhr bekam fünf Strafsekunden, ebenso wie derjenige, der nicht innerhalb des Zielrechtecks zum Stehen kam.

Der schnellste war ich nicht, aber darum ging es auch nicht. Weil wir auf Zeit fuhren, spürten wir, wie gut wir etwa die Zielbremsung meisterten oder wie flüssig wir durch den Parcours fuhren. Außerdem zeigte sich: ein runder, sanfter Fahrstil ist nicht nur besser, sondern auch schneller, als mit Gewalt das Auto um die Kurven rutschen zu lassen. Dazu kommt eine bessere Kontrolle über das Auto.

Bei der letzten Übung lernten wir dann das Unter- und Übersteuern kennen. Hilfe bot dabei die Elektronische Stabilitätskontrolle, die bei BMW DSC heißt. Bei schnellem Fahren im Kreis bei unverändertem Lenkradeinschlag und ohne DSC rutscht das Auto langsam über die Vorderräder nach außen. Gas wegnehmen, bringt einen sofort wieder auf Kurs; zuviel Gas bei Hecktrieblern – ebenfalls ohne DSC – lässt das Auto hinten ausbrechen. Dann muss man sehr schnell am Lenkrad reagieren, um das Auto einzufangen. Ganz anders stellt sich die Situation mit eingeschaltetem DSC dar: Sobald die Vorderräder zu rutschen beginnen, reagiert das System – das Auto wird langsamer. Überhaupt ist es unmöglich, zu viel Gas zu geben, so dass etwa das Heck ausbricht. Das macht zwar weniger Spaß, aber im öffentlichen Straßenverkehr ist das eine Sicherheit, die schon viele Unfälle vermieden oder ihre Folgen verringert hat.

Nach dem Wintertraining mit viel Spaß auf Eis und Schnee habe ich dieses Mal also sehr viel über die Fahreigenschaften des Autos auf Asphalt und bei Stadttempo gelernt. Dabei hat dieser Tag richtig viel Spaß gemacht, obwohl – oder vielleicht auch gerade weil – das Wetter sehr durchwachsen war. Alle in der Gruppe haben neues erfahren, und in mir keimt die Erkenntnis, dass ich so ein Training wirklich regelmäßig machen sollte; einmal im Jahr ein Tag ist immer drin.

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