Diverses Bühne frei für Vorbildunternehmer

Die Verleihung des Hansgrohe-Preises in Berlin wird zur Feierstunde des Mittelstands Ein Fußballländerspiel, die Verleihung der Goldener Kamera - trotz Fernsehkonkurrenz und einem parallelem Kulturevent war der Abends des Mittelstands in Berlin ein Publikumsmagnet.

Mehr als 200 Gäste aus Wirtschaft, Verbänden und Politik verfolgten die Verleihung des Hansgrohe-Preises 2007 „Mehr Unternehmen wagen“ in der Hauptstadtrepräsentanz von Bertelsmann. Mann des Abends war Preisträger Herbert Holtgreife, Geschäftsführer der Solarlux GmbH aus Bissendorf bei Osnabrück. Er nimmt die Trophäe für mutiges, innovatives und verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln mit ins Niedersächsische. Den Wettbewerb für vorbildliche Firmenlenker haben der Bad- und Sanitärspezialist Hansgrohe AG und impulse das erste Mal ausgelobt.

Unternehmer Holtgreife siegte unter mehr als 50 sehr guten Bewerbern. Neben dem Sieger Solarlux standen neun Kandidaten in der Endauswahl. Davon erhielten Asecos und Lutz Kurth eine besondere Würdigung.

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asecos GmbH

Mit Sicherheit viel Erfolg: Günther Rossdeutscher und Michael Schrems haben ihre asecos GmbH innerhalb von nur zehn Jahren zu Europas führendem Hersteller von sicherheitstechnischen Produkten gemacht. Heute beschäftigen sie 210 Mitarbeiter. Am Anfang stand nächtelange Tüftelei in ihrem firmeneigenen Forschungszentrum – einer Garage. Bereits im Gründungsjahr kam der Durchbruch: Der erste Sicherheitsschrank zur Gefahrstofflagerung der 90 Minuten Feuerhitze standhält – bis dato galten 20 Minuten Widerstand als Spitzenleistung. Seitdem staunt die Fachwelt fast jährlich über Weltneuheiten aus dem Hause asecos. Die Forschungsgarage ist den Erfolgsunternehmern längst zu klein geworden. Ihrem Standort im hessischen Gründau blieben sie aber treu: Alle Produkte sind „Made in Germany“ und die Lieferanten kommen aus der direkten Umgebung.

Lutz Kurth Bohr- und Brunnenausrüstung GmbH

Unternehmertum mit Tiefgang: Als die Bohr- und Brunnenunternehmen von Lutz Kurth wegen der Insolvenz eines Kunden in Schwierigkeiten geriet, verzichtete der Chef 14 Monate auf sein Gehalt, anstatt Mitarbeiter zu entlassen. Denn was Arbeitslosigkeit bedeutet, hat der Thüringer nach dem Mauerfall am eigenen Leib erfahren. Mit viel Frust und noch mehr guten Ideen machte er sich damals selbstständig. Sein Spezialgebiet wurde der Kleinbrunnenbau – eine Marktlücke in Deutschland. Dank seines Studiums in Moskau hatte Lutz Kurth schnell einen guten Draht in den boomenden Osten: Seine besten Kunden außerhalb Deutschlands agieren in Russland und den baltischen Staaten. Und auch die Bundeswehr konnte er 2007 als Kunden gewinnen. Jetzt hilft eine Maschine aus seinem Haus beim Brunnenbau in Afghanistan. Während Lutz Kurth weltweit für sprudelnde Quellen sorgt, wird im heimischen Nordhausen jede Fluktuation vermieden: Für seine inzwischen 23 Mitarbeitern ist „Kündigung“ immer noch ein Fremdwort.

Argand’Or GmbH

Mut zu Fairness: Der Preis sehr hoch, das Produkt fast unbekannt, die Herstellung aufwendig – und trotzdem glaubten die drei Gesellschafter Rudolf Bresink, Mohamed El Karz und Rudolf Meyer, dass sich handgepresstes Arganöl aus Marokko als Lebensmittel und Kosmetika in Europa erfolgreich verkaufen lässt. Im Jahr 2005 gründeten sie ihr Unternehmen mit einer klaren Ausrichtung: Verantwortung statt Preisdumping. Sie schlossen faire Partnerschaften mit den Berber-Frauen, die das Öl ernten und auf traditionelle Weise weiterverarbeiten. Das Produkt ist teuer (1 Liter Speiseöl kostet 120 Euro), hat aber auch ein exzellentes Image und damit großen Erfolg. 2006 lag der Umsatz bereits bei 750 000 Euro, zehn Mitarbeiter beschäftigt die GmbH in Deutschland. Zu den zahlreichen Gourmet-Auszeichnungen kommt nun ein weiterer Erfolg hinzu: Einzug in die Top-10 für vorbildliches Unternehmertum.

Dacapo Holzbau GmbH

Ein Wunderkind macht Feuer: Er baute schon PKW-Carports, da war er noch zu jung zum Autofahren. Heute ist er 23 Jahre, beschäftigt 60 feste und freie Mitarbeiter und erzielt mit seinem Unternehmen einen Jahresumsatz von vier Millionen Euro: Oliver Enderlein ist ein Senkrechtstarter. Im märkischen Templin zählt sein Betrieb zu den leistungsfähigsten Jobmotoren – erst kürzlich hat er zwanzig neue Stellen geschaffen. Sein Erfolgsgarant: Bewährtes Zimmermannshandwerk kombiniert mit moderner Technik. Diese Mischung macht es möglich, kompliziert gezapfte Holzkonstruktionen den Wünschen seiner Kunden individuell anzupassen. Und weil auch bei Decapo gilt: Wo gehobelt wird fallen Späne, werden die Reste der Holzverarbeitung zu Pellets weiterverarbeitet und als umweltfreundliche Heizmethode angeboten.

Dialego

Marktforschung 2.0: Innerhalb von vier Jahren konnte das 1999 gegründete Unternehmen Dialego seinen Umsatz um über 150 Prozent steigern. 2006 erzielte man einen Umsatz von 2,12 Millionen Euro, heute hat der Betrieb 35 Mitarbeiter – und dass alles, obwohl gerade im Bereich der Marktforschung etablierte Anbieter es Neugründungen schwer machen und die großen Kunden unter sich aufteilen. Andera Gadeib gelang der Durchbruch mit einer radikalen Positionierung: Sie konzentriert sich allein auf die Methoden der Online-Marktforschung – traditionelle Werkzeuge würden das Angebot nur verwässern. Weil sich Dialego zu einer Referenz im Netz entwickelte und die web-basierende Kundenwunschforschung immer mehr Erfolge versprach, konnte Dialego bald auch den etablierten Agenturen große Klienten abjagen. Aber so flexibel das Unternehmen auf neue Trends reagieren kann, so verlässlich ist es gegenüber seinen Mitarbeitern. Kinderbetreuung, Weiterbildung, Altersvorsorge und Gesundheitsförderung bietet die Firma an – keine Selbstverständlichkeit in der Arbeitswelt 2.0.

Malermeister Ahle

Malerei im Trend: Graffiti ist für die einen Kunst, für die anderen nur eine lästige Farbschmiererei. Für Malermeister Dietmar Ahle ist es das zweite Standbein seines Betriebes. In Zusammenarbeit mit ehemals polizeilich gesuchten Graffitikünstlern entwickelte er eine eigene Modellkollektion für Fassadenmotive. Dank der Partnerschaft kann er seinen Kunden eine Fünf-Jahresgarantie für seine Wandarbeiten bieten. Wenn eine Fassade wieder mit Graffitis verschandelt wird, übernimmt sein Betrieb kostenlos die Beseitigung der Schmiererei. Das kommt nicht nur bei den Kunden gut an, sondern verpasst dem Betrieb nebenbei ein modernes, positives Image. Innerhalb von fünf Jahren konnte er seinen Umsatz verdoppeln und 65 Prozent mehr Mitarbeiter einstellen.

Jäger Direkt GmbH

Gegen den Geiz: Wir befinden uns im Jahr 2008. Alle Elektronik-Produkte stammen aus Fern-Ost. Wirklich alle? Nein. Ein unbeugsamer Betrieb aus dem hessischen Reichelsheim hört nicht auf, erfolgreich Lichtschalter und Kabeltrommeln herzustellen. Dabei hilft den Unternehmern Franz-Josef Fischer und Thomas Jäger kein Zaubertrank, sondern ein enger Austausch zwischen Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden. Auf diese Weise ist es der Jäger GmbH möglich, früher als die Konkurrenz auf neue Anforderungen zu reagieren. Noch bevor es Umweltthemen auf die Titelseiten schafften, entwickelte die Jäger GmbH die Stromsparanlage Ecovolt. Durch Herabsetzung der Energiespannung steigert der Kunde seine Energieeffizienz um 20 Prozent. Kyoto-Protokoll und EU-Verschmutzungsabgaben verlieren mit dieser Produktentwicklung deutlich an Schrecken. Die Innovation zahlt sich aus: Innerhalb von vier Jahren konnte das Unternehmen seinen Umsatz um über zehn Millionen Euro auf 28,5 Millionen steigern. Heute arbeiten 150 Mitarbeiter, davon 33 Auszubildende in dem Betrieb. Wer behauptet da noch: Geiz sei geil?

InterComponentWare AG

Gute Verbesserung: Die Revolution im Gesundheitswesen begann mit einer Erkältung. Als seine Tochter an einem Wochenende Fieber bekam, musste Peter Reuschel feststellen, dass den behandelnden Ärzten oft die wichtigsten Patienteninformationen fehlten. Die Kommunikation zwischen Hausarzt und Krankenhaus verzögerte sich, ein wichtiges Röntgenbild sollte drei Wochen unterwegs sein. Das war im Jahr 1998. Während andere Branchen längst im Internetzeitalter angekommen waren, steckte das Gesundheitssystem noch im Postversand fest. Nach diesem Erlebnis gründete Peter Reuschel die InterComponentWare AG und entwickelte die Idee einer vernetzten Patientendatenbank. So wurde er zum Vorreiter der heute heiß diskutierten Gesundheitskarte. Gegen die Widerstände von Interessengemeinschaften und Datenschützern etablierte er die elektronischen Gesundheitsakte und realisierte Tests der Gesundheitskarte in vielen deutschen Regionen. Auch im Ausland feiert er Erfolge, so leitet seine Firma das Pilotprojekt der Gesundheitskarte in Bulgarien. Heute beschäftigt sein Betrieb 600 Mitarbeiter in einer zukunftsfähigen Branche.

Metzgerei Ludwig

Wie vermarkte ich eine Wurst? Vor dieser Frage stand Dirk Ludwig, als er im Januar 2006 die familiengeführte Metzgerei Ludwig in vierter Generation übernahm. Die Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre verunsicherten die Konsumenten, aktuell ekelte man sich vor Gammelfleisch. Aus dieser schwierigen Situation entwickelte der heute 33-Jährige eine erfolgreiche Lösung. Er setzte auf Qualität, zeitgemäßes Marketing und modernen Vertrieb. Der Betrieb konnte in der Krise profitieren, weil die Menschen wieder stärker regionalen Anbietern vertrauten. Zeitgleich setzte Ludwig auf das Internet als Wursttheke. Über E-Bay und den eigenen Online-Shop konnten ab sofort „Scharfe Lümmel“ aus Hessen in ganz Deutschland gegessen werden. Zudem wurden neue Marken und Produkte entwickelt, wie man dies sonst nur von großen Lebensmittelkonzernen kennt. Die Vollmond-Salami, der Champagner Schinken oder die Fitness Mortadella (mit Joghurt) sorgen nun jährlich für ein kräftiges Umsatzplus. Im Jahr 2006 verkauften Dirk Ludwig und seine 16 Mitarbeiter erstmals Fleisch im Wert von über einer Millionen Euro.

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