Diverses Cash für Ihre Firma

Expandierende Start-ups erhalten Kapital und Know-how von Beteiligungsgesellschaften. So finden Sie Ihren Partner.

Schnell wachsende Unternehmen benötigen vor allem eines: viel Geld. Denn nach der zumeist kostspieligen Produktentwicklung steht die ebenso kapitalintensive Markteinführung an. Doch Anfragen an die üblichen Finanzpartner wie Banken oder Leasing-Gesellschaften helfen Chefs häufig nicht weiter. „Vor allem für junge Betriebe, die weder über Anlagevermögen, materielle Sicherheiten noch über einen festen Kundenstamm verfügen, kommen die herkömmlichen Geldgeber nicht in Frage“, sagt Rolf-Dieter Lafrenz von der Schickler Unternehmensberatung.

Der Hamburger Experte weiß, wo diese Gründer dennoch an Kapital kommen: „Bei so genannten Beteiligungs- oder Venture-Capital-Gesellschaften, die Eigenkapital statt Kredite vergeben“, sagt Lafrenz, der bereits zahlreiche Start-ups unterstützt hat. Dem Unternehmer steht das Geld für die geplante Investition zur Verfügung. Im Gegenzug sind die Finanziers an der Firma beteiligt.

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Knapp 60 Millionen Euro haben die Mitglieder des Bundesverbands deutscher Kapitalgesellschaften in den ersten drei Quartalen 2006 in junge Firmen investiert. Diese Finanzierungsform hat einen klaren Vorteil: Die Beteiligungsgesellschaften haben nicht nur Geld zu bieten: „Wir profitieren auch von der Managementunterstützung und den Kontakten unseres Partners“, sagt Andreas Prüfer, Gründer und Vorstandsmitglied der Delticom AG.

Das Unternehmen aus Hannover lernte 1999 bei einer Kurzpräsentation, einem so genannten
Elevator-Pitch, die Deutsche Venture Capital Gesellschaft kennen. Nach fünfmonatigen Verhandlungen einigten sich Prüfer und sein Partner Rainer Binder mit dem Münchner Finanzier auf drei Millionen Euro zur Absicherung ihrer Wachstumsstrategie und übertrugen dafür zehn Prozent ihrer Firma. „Unser Betreuer berät uns zum Beispiel, wenn wir Produkte einführen oder neue Kundenkreise erschließen wollen“, berichtet der 40-Jährige Prüfer. Die Zusammenarbeit mit dem Sparringspartner funktioniert hervorragend: Im siebten Jahr nach Gründung legte Delticom mit einem Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro ein beachtliches Ergebnis hin.

Nur die Rendite zählt

Obwohl es inzwischen viele Beteiligungsgesellschaften in Deutschland gibt, ist es für Firmenchefs nicht leicht, einen Finanzpartner zu finden. Der Grund dafür liegt in den hohen Anforderungen der Geldgeber, die nach den schlechten Erfahrungen der letzten Jahre mit Pleitenrekorden und Konjunktureinbrüchen weiter verschärft wurden.

„Venture-Capital ist nur etwas für Unternehmer, die innerhalb von fünf Jahren einen Firmenwert von mehr als 20 Millionen Euro anstreben und mehr als eine Million Euro Kapital benötigen“, sagt Falk F. Strascheg, Partner von Extorel Private Equity Advisers in München. Die renditeorientierten Gesellschaften erwarten jährliche Wachstumsraten von 30 oder sogar 50 Prozent. Entsprechend groß müssen das Marktpotenzial und die Zukunftschancen der Geschäftsidee sein. „Auch das Team muss beweisen, dass es in der Lage ist, ein solch schnell wachsendes Unternehmen zu führen“, sagt Strascheg.

Etwa 500 Business-Pläne bekommt jeder Finanzier im Jahr zu sehen. Davon werden jedoch gerade einmal drei bis fünf Geschäftsideen unterstützt. Um nicht im Gros der Bewerbungen unterzugehen, rät Strascheg dazu, Kontakte zu knüpfen: „Nehmen Sie an einem Meeting teil oder rufen Sie einfach bei der Gesellschaft an“, sagt er. „Dann können Sie im Anschreiben wenigstens einen Beteiligungsmanager direkt ansprechen.“

So gehen junge Unternehmer auf der Suche nach Eigenkapital am besten vor:

1. Gesellschaft auswählen

Beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (Telefon 030- 3069820) erhält man ein Adressenverzeichnis mit Kurzprofilen. Alternativ können Gründer auch im Internet (www.bvk-ev.de) nach potenziellen Partnern suchen. Beim Besuch eines „Elevator-Pitch“ oder Venture-Capital-Stammtischs haben Unternehmer die Chance, ihre Firma und die Strategie kurz vorzustellen. Weitere Infos bei Kammern oder Banken.

2. Unterlagen einreichen

Dabei kommt es auf den Business-Plan und hierin vor allem auf das „Executive- Summary“ an. In dieser Kurzbeschreibung werden die Strategie, das Team, die Produkte, der Kapitalbedarf, die Abläufe und die Firmenorganisation auf bis zu drei Seiten dargestellt. Maximale Gesamtlänge des Geschäftsplans: 15 Seiten.

3. Gepräch vereinbaren

Hier klärt der Firmenchef, ob die Vorstellungen über Höhe, Dauer und Ende der Beteiligung sowie über die Strategie harmonieren. Auch das „Smart Money“ muss stimmen: Der Geldgeber sollte über Branchenerfahrung und umfassende Netzwerke verfügen. Wichtig ist auch ein guter Kontakt zum persönlichen Betreuer.

4. Vertrag abschließen

Vor der Unterschrift sollten Unternehmer noch einmal die wichtigsten Punkte überprüfen. Zum Beispiel: Welche Meilensteine für Wachstum und Erfolg sind festgelegt? Wie lauten die Konsequenzen bei Nichterfüllen? Welche Verpflichtungen gehen Kapitalgeber und -nehmer ein? Welches Mitspracherecht hat der Firmenchef am Ende der Partnerschaft?

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