Diverses Chef-Ermittler

Diebstahl oder Betrug - die größte Gefahr geht von den eigenen Leuten aus. Wie Unternehmer vorbeugen.

Gegen illegale Machenschaften in seiner Firma sieht sich Peter
Braun* bestens gewappnet. Aber nicht
weil der Chef einer Maschinenfabrik
im Breisgau seinen Arbeitern und
Angestellten ständig auf die Finger schaut. Der 68-Jährige hat seinen 330
Mitarbeitern eine Beteiligung angeboten.
Das war vor sieben Jahren. Inzwischen
haben fast drei Viertel der
Belegschaft die Chance ergriffen, eine
Einlage geleistet und wurden zu stillen
Gesellschaft ern. Damit sind sie
am Gewinn beteiligt und übernehmen
Haft ung. „Meine Leute haben
die Einstellung, dass es ihr Unternehmen
ist, und gehen noch verantwortungsvoller
damit um“, sagt Braun. Die Selbstkontrolle funktioniert: Versucht
einer, sich auf Kosten des Betriebs
zu bereichern, fällt das den Kollegen
schnell auf.

Seit langer Zeit hat der Firmenchef
keine kriminellen Verstöße mehr
erlebt – und ist damit die große Ausnahme.
Denn Diebstahl, Spionage,
Betrug oder Korruption verursachen
in Deutschlands Firmen jährlich
Schäden in Höhe von sechs Milliarden
Euro. Dabei haben es Unternehmer
selbst in der Hand, mit einfachen
Mitteln im eigenen Haus für Recht
und Ordnung zu sorgen.

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Verbindlicher Kodex

„Die Mitarbeiterbeteiligung ist eines
der besten Mittel zur Bekämpfung
von Wirtschaft skriminalität“, sagt
Christian Schaaf, Prokurist der renommierten
Münchner Sicherheitsberatung
Result Group. Denn: „Die
Täter kommen zu 70 Prozent aus dem
eigenen Haus“, weiß der ehemalige
Kommissar für Wirtschaft sbetrug
beim Bayerischen Landeskriminalamt.
In den meisten Fällen sind es Männer, zwischen 30 und 50
Jahre alt, gut ausgebildet, seit
mehr als sechs Jahren im Unternehmen
und in einer Vertrauensstellung
tätig. Auslöser für die Tat sind oft Alkoholprobleme
oder Schulden, bei
manchen aber auch der Drang, einen
aufwendigen Lebensstil zu führen.

Damit solche schwarzen Schafe
keinen Schaden anrichten, setzt Maschinenbauer
Braun ganz auf die Eigenverantwortung
seiner Mannschaft :
„Bei uns liegt der Kontakt zum Kunden
von der Entwicklung bis zum
Vertrieb allein in der Hand der Produktteams.“ Dabei tauschen sich
Konstrukteure, Ingenieure, Informatiker,
Einkäufer und Vertrieb immer
ganz eng aus.

Eine härtere Gangart wählte Andreas
Klottka, Geschäftsführer der
Rheinberger Aumund-Fördererbau.
Damit es keine Missverständnisse
gibt und eindeutige Regeln im Unternehmen
herrschen, lässt er alle
seine weltweit 400 Mitarbeiter einen
Ethik Code etwa gegen Bestechung
unterzeichnen: Wer dagegen verstößt,
dem droht die Kündigung. Um der
Vereinbarung Nachdruck zu verleihen,
schickte er diesen Code auch an
seine Lieferanten.

Digitaler Angriff

Besonders heikel wird es für Unternehmen,
wenn Mitarbeiter etwa gegen
Geld sensible Daten weitergeben – an die Konkurrenz. Da die meisten
Dokumente elektronisch vorliegen,
ist dafür nur eine CD oder ein Speicherstick
nötig, auf den Kalkulationen,
Ausschreibungsunterlagen oder
Forschungsergebnisse unauffällig kopiert
werden. Sicherheitsberater
Schaaf: „Oft werben Konkurrenten
auch Praktikanten oder Reinigungspersonal
an, um die PCs in anderen
Unternehmen anzuzapfen.“

Dafür müssen sie nur ein kleines
Computerbauteil, einen sogenannten
Key-Ghost, zwischen PC und Tastaturkabel
anbringen und nach einiger
Zeit unbemerkt wieder entfernen.
Das Gerät speichert alle Tastatureingaben:
Briefe wie Passwörter. „Um
solche Spionageangriffe abzuwehren,
reicht Technik allein nicht aus“, sagt
Schaaf. „Dazu brauchen Unternehmen
wachsame Mitarbeiter, die sich
verantwortlich fühlen.“

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