Diverses Chi Chi Chi, Le Le Le!

Von den 33 in Chile verschütteten Bergleuten sind schon fünf gerettet. Die Bergungsaktion verläuft reibungslos. Nicht nur bei den Angehörigen fließen die Tränen. Ein Bericht.

Die ersten Kumpel sind nach mehr als zwei Monaten in dunkler Tiefe wieder an der Oberfläche. Nach dem längsten Grubendrama der Geschichte lief die Rettung in der Nacht zu Mittwoch wie am Schnürchen. Kurz nach 9 Uhr deutscher Zeit waren bereits fünf der 33 Bergleute gerettet. Die Fahrt in der engen Kapsel aus mehr als 600 Metern Tiefe überstanden sie gut. Oben warteten neben einer jubelnden Menge und den engsten Angehörigen auch Chiles Präsident Sebastián Piñera. „Chi Chi Chi, Le Le Le, mineros de Chile“, skandierten die Menschen ähnlich wie bei einem traditionellen Fußballschlachtruf.

Als erster der 33 verschütteten Männer war Florencio Ávalos um kurz nach Mitternacht Ortszeit (05.10 Uhr MESZ) mit der engen Rettungskapsel aus dem unterirdischen Gefängnis befreit worden. Es folgten Mario Sepúlveda und Juan Illanes. Danach kletterte der einzige Nicht-Chilene, Carlos Mamani aus Bolivien, aus der Kapsel. Es folgte der Jüngste der Gruppe, Jimmy Sánchez. Der 19-Jährige wirkte anders als die Geretteten zuvor sichtlich angeschlagen. Die Männer fielen zuerst ihren Angehörigen in die Arme.

Anzeige

Kumpel-Sprecher bedankt sich bei den Helfern

Der zweite gerettete Kumpel Mario Sepúlveda hat sich nach seiner Rettung in Bescheidenheit geübt und bei der chilenischen Regierung und den Helfern bedankt. „Ich bin sehr stolz auf die Regierung, die wir haben“, sagte der 40-Jährige am Mittwoch kurz nach seiner Rettung in einem von der BBC übertragenen Interview. „Ich werde nie müde, mich zu bedanken.“

Es sei „außerordentlich“, was die Retter geleistet hätten, sagte der sichtlich erschöpfte, aber glücklich wirkende Mann. „Ich bin sehr glücklich, hier oben zu sein. Ich war immer sicher, dass ich heraus komme und ich habe immer daran geglaubt.“ Andererseits jedoch räumte Sepúlveda auch ein: „Es ist unglaublich, dass wir mehr als 600 Meter unter der Erde waren und sie in der Lage waren, uns zu retten.“

Sepúlveda: Medienliebling ohne Starallüren

Sepúlveda bat die Medien, ihn nicht wie einen Star, Künstler oder Journalisten zu behandeln: „Ich will, dass Sie mich wie den behandeln, der ich bin – ein Bergarbeiter.“ Er sei stolz auf seine Herkunft und wolle weiterarbeiten. Sepúlveda hatte es unter Tage als Reporter und Spaßvogel zu internationalem Ruhm gebracht.

Rund um den Globus wurde die Rettung live verfolgt, Mitfiebernde verschickten Internetbotschaften, US-Präsident Barack Obama wünschte ebenfalls Glück. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich sehr erfreut und erleichtert über den erfolgreichen Beginn der Rettungsaktion. „Ganz Deutschland freut sich mit den Bergleuten und ihren Angehörigen. Der erfolgreiche Beginn dieser Rettungsaktion ist ein modernes Wunder“, sagte er am Mittwoch nach einer Mitteilung seines Amtes.

Selbst den Journalisten kommen die Tränen

Angehörige und auch die rund 1600 Journalisten aus aller Welt reagierten im Lager Esperanza bei der Mine San José mit Jubelschreien, Hochrufen, Beifall und Freudenausbrüchen auf jede neue Rettung. Auch bei Berichterstattern flossen die Tränen. Luftballons in den chilenischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau stiegen in den klaren Nachthimmel.

„Die Erde hat einen Mann geboren“, formulierte das chilenische Staatsfernsehen, als der erste Kumpel aus der engen Rettungskapsel „Fenix 2“ stieg. „Das hat den chilenischen Traum erfüllt“, sagte Präsident Piñera voller Stolz.

Sepúlveda wurde wie ein Rockstar bejubelt, Illanes antwortete auf die Frage, wie die Fahrt denn gewesen sei: „Wie eine Vergnügungstour.“ Die Bilder von der unglaublichen Freude über die Rettung konnten auch die anderen Kumpel in mehr als 600 Metern Tiefe sehen, die einer nach dem anderen nach oben gezogen werden sollen. Dafür sind bis zu zwei Tage veranschlagt.

Die Geretteten wurden in ein bereitstehendes Behelfslazarett getragen, wo sie kurz untersucht werden sollten. Je vier sollen zusammen per Hubschrauber in die Klinik der nahe gelegenen Stadt Copiapó geflogen werden. Zuvor waren Retter zu den Kumpeln herabgelassen worden. Als der erste, Manuel Gonzalez, unten ankam, war auf Live-Bildern zu sehen, wie er von den seit knapp 70 Tagen Verschütteten euphorisch und überglücklich begrüßt wurde.

„Alles Schlimme liegt jetzt hinter uns und alles Schöne vor uns“

„Ich bin so froh, danke Gott, dass er gut zurückgekommen ist“, sagte der Vater von Ávalos. „Alles Schlimme liegt jetzt hinter uns und alles Schöne vor uns“, sagte Alicia Campos, Mutter von Daniel Herrera. Er steht auf der Liste der zu Rettenden auf Nummer 16.

Die Bergleute saßen seit dem 5. August in der Kupfer- und Goldmine in der Atacama-Wüste fest. Erst nach 17 Tagen konnten sie ein Lebenszeichen absetzen. „In den ersten Tagen, als wir nicht wussten, ob sie noch leben, ob sie tot sind oder wo sie sind, haben vielleicht manche die Hoffnung aufgegeben. Aber andere nicht. Deshalb hat Chile sich bewiesen“, sagte Piñera.

Die Bergung der ersten Kumpel im Minutenprotokoll

Die spektakulärste Rettung in der Geschichte des Bergbaus im Minutenprotokoll
(Uhrzeiten in Ortszeit): 
21.30 Uhr: Leere Kapsel wird für Test in den Schacht gelassen.
23.13 Uhr: Erster Retter wird zu den Eingeschlossenen herabgelassen, Präsident Piñera und Helfer singen die chilenische Hymne.
23.35 Uhr: Rettungskapsel mit Helfer Manuel Gonzalez erreicht die Kumpel, Freudenszenen im Schacht.
23.55 Uhr: Kapsel startet mit dem ersten Bergmann.
00.10 Uhr: Rettungskapsel mit Florencio Ávalos erreicht die Erdoberfläche, zu Bravo- und Jubelrufen, Freudentränen bei der Familie.
00.27 Uhr: Nach Behebung kleiner technischer Probleme an der Kapsel wird ein Rettungssanitäter in den Schacht herabgelassen.
00.30 Uhr: Präsident Piñera hält Dankesrede.
00.43 Uhr: Sanitäter trifft in 622 Metern Tiefe ein.
00.55 Uhr: Bergmann Mario Sepúlveda fährt nach oben.
01.09 Uhr: Der zweite Kumpel ist zurück an der Erdoberfläche, begrüßt von Ehefrau Elvira.
01.21 Uhr: Der dritte Helfer macht sich auf den Weg in die Tiefe.
01.40 Uhr: Der dritte Helfer erreicht die Kumpel. Der dritte Kumpel Juan Illanes bereitet sich auf die Fahrt vor.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...