Diverses China-Bashing: Gute Geschäfte, schlechtes Gewissen?

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse© Rudolf Wichert

Punkt eins - der mittägliche Kommentar auf impulse.de zu aktuellen Themen rund um den Mittelstand. Heute: Alexander Mayerhöfer, Ressortleiter Management, zu den Folgen der Tibet-Krise für deutsche Unternehmen - und der Frage, ob Firmenchefs besser auf eine Kritik an China verzichten sollten.

Die Frage an sich gilt schon als verwerflich: Macht uns die deutsche Kritik am Vorgehen der Chinesen in Tibet das Geschäft kaputt? Moral und Business vertragen sich nicht, heißt es von vielen Kritikern, die wegen des rigorosen Vorgehens der Kommunisten in Peking am liebsten das ganze Land in Isolationshaft nehmen wollen. Doch die Frage ist angebracht und jeder Firmenchef hat das Recht, sie auch öffentlich zu stellen: Denn es sind die Unternehmen, die vor Ort die Gesellschaft verändern.

Kein bilateraler Dialog, keine Uno-Vollversammlung ändert die Lebens- und Menschenrechtsbedingungen in China schneller und stärker, als der tägliche Einsatz auch der deutschen Firmen. Bis in den letzten Winkel des riesigen Reichs tragen sie Gedanken wie Meinungsfreiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit. Doch welche Konsequenzen ziehen die Unternehmen derzeit aus dieser Situation? Mehr als 3000 deutsche Firmen sind in China vor Ort und machen Geschäfte mit den Asiaten. Darunter Konzerne wie BASF, Siemens oder Volkswagen. Aber vor allem sind es Mittelständler, die das Reich der Mitte nicht mehr nur als verlängerte Werkbank nutzen, sondern als neuen Absatzmarkt erobern.

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Allein, die öffentliche Kritik an der chinesischen Politik selbst zu brandmarken und vor möglichen Geschäftsausfällen zu warnen, wie es gerade BASF-Chef Hambrecht öffentlich und viele mittelständische Unternehmer hinter vorgehaltener Hand tun, ist der falsche Weg. Es ist unsere Pflicht, solche Missstände aufzuzeigen und auch Kritik daran zuzulassen. Dass diese in Peking kurzfristig für Ärger und Verstimmungen sorgt ist kein Schaden, sondern erklärtes Ziel: Wer Dinge verändern will, muss sie ansprechen. Die Sorge, die chinesischen Konsumenten würden die Kritik übel nehmen und Waren „Made in Germany“ boykottieren, ist zu kurz gedacht. Viele Menschen dort, Mitarbeiter und Unternehmer, wünschen sich mutiges Auftreten von außen, das sie sich selbst nicht erlauben können. Und viele deutsche Firmen, in erster Linie die Familienunternehmen, sind gerade deshalb so erfolgreich – nicht trotz, sondern wegen ihrer klaren Haltung zu moralischen Grundwerten.

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