Diverses Clever die Firma an den Nachwuchs übergeben

Das eigene Unternehmen gibt man nicht an irgendwen weiter, sondern am liebsten an die Kinder. Damit dabei möglichst wenig an den Fiskus fließt, sollten sich Firmenchefs rechtzeitig Gedanken über das richtige Übergabemodell machen. impulse erklärt die drei wichtigsten Varianten anhand praktischer Beispiele.

Im Betrieb das Ruder aus der Hand zu geben, ist für viele Chefs ein schmerzhafter Prozess. Auch wenn es oft konfliktreich ist, wünschen sich die meisten Mittelständler den Sohn oder die Tochter als Nachfolger. Wichtig ist, mit kühlem Kopf zu planen. impulse zeigt anhand dreier Beispiele, wie Unternehmer rechnen müssen.

Das Schenkungsmodell:

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Firma weiterreichen – ohne Gegenleistung

So funktioniert es

Ausgangspunkt aller Gestaltungsüberlegungen
sind die steuerlichen Freibeträge.
Denn die gelten sowohl bei der Erbschaft
als auch bei einer Schenkung. Und bei
Letzterer gelten sie sogar alle zehn Jahre
neu. Wer als Unternehmer also frühzeitig
damit anfängt, im Rahmen der sogenannten
vorweggenommenen Erbfolge
sein Vermögen auf die nachfolgende
Generation zu übertragen, lässt das
Finanzamt leer ausgehen. So können
Eltern jedem ihrer Kinder 400 000 Euro
steuerfrei zuwenden – pro Elternteil
und alle zehn Jahre. Schöne Vorteile
gibt es aber auch, wenn die Eltern die
Firma dem Kind auf einen Schlag weiterreichen.

 

So rechnet es sich bei der Steuer

Für die Unternehmerfamilie gibt es bei
der Firmennachfolge Rabatte von bis zu
100 Prozent. Eine solche Steuerfreiheit
ist freilich nicht zum Nulltarif erhältlich
– und auch nicht ganz risikolos. Sie ist
vor allem an das Wohlverhalten des
Nachfolgers gebunden: Er hat die Qual
der Wahl und muss sich von vornherein
zwischen den Alternativen 85 Prozent
und 100 Prozent entscheiden.
Das heißt konkret: Die Erbschaftsteuer
wird um 85 Prozent reduziert, wenn der
Erbe die Firma mit praktisch unverändertem
Personalbestand fünf Jahre fortführt
(genauer: Es müssen 400 Prozent
der durchschnittlichen Lohnsumme
der vergangenen fünf Jahre auch in den
nächsten fünf Jahren erreicht werden).
Außerdem darf das sogenannte Verwaltungsvermögen
(etwa vermietete
Immobilien, Aktien, Wertpapiere)
höchstens 50 Prozent des Unternehmenswerts
ausmachen.

Die strengen Voraussetzungen entfallen
jedoch für Firmenchefs, die nicht mehr
als 20 Beschäftigte haben. Die volle
Steuerfreiheit (100 Prozent) gibt es,
wenn der Nachfolger die Firma mit mindestens
dem gleichen Personalbestand
und mit höchstens zehn Prozent Verwaltungsvermögen
sieben Jahre lang
fortführt. Der Erbe muss sich im Nachfolgefall
verbindlich zwischen dem Fünfjahres-
und dem Siebenjahresmodell
entscheiden. Ein späterer Wechsel
zwischen diesen Optionen ist nicht mehr
möglich. Die 100-Prozent-Variante
ist dadurch mit sehr hohen Risiken
behaftet:
Der Nachfolger sollte sich
sicher
sein, dass er für die Firma einen
langfristigen Wachstumskurs steuern
kann.

Praktischer Fall

In dem Rechenbeispiel hat der Firmenchef
schon seit Jahren mehr Geld aus der Firma
entnommen, als die Firma verbraucht
hat. Der überschießende Betrag diente
einzig und allein der Altersversorgung.
Mit 63 Jahren zieht sich der Senior aus
dem Unternehmen zurück und überträgt
sämtliche Aktiva und Passiva auf seinen
Sohn. Da die Firma in einem schwierigen
Marktumfeld agiert, vereinbart die
Familie, dass für die Schenkungsteuer
die 85-Prozent-Variante greifen soll.
Der Sohn hat als leitender Angestellter
seines
Vaters ein ordentliches Gehalt
bekommen
und einen hohen fünfstelligen
Betrag zur Seite gelegt.

1. Was die Firma wert ist (Angaben in Euro)
Gewinn 300.000
Abschlag für Steuern (30%) 90.000
Betriebsergebnis 210.000
Multipliziert mit 12,33
Unternehmenswert 2.589.300

Weil der Sohn die Firma unbelastet bekommt,
ist der Unternehmenswert
ohne Abschläge der Schenkungsteuer
zu unterwerfen.

2. Was die Schenkung kostet (Angaben in Euro)
Unternehmenswert 2.589.300
Freibetrag 400.000
Zu versteuern 2.189.300
Steuer (19%) 415.967
Sofort fällig (15%) 62.395
Gestundet (85)% 353.572

Das Nießbrauchmodell:

Firma übertragen – aber noch nicht ganz

So funktioniert es

Wollen die Eltern alle Steuervergünstigungen
retten und dennoch das Sagen
über ihr verschenktes Eigentum behalten,
knüpfen sie an die Übertragung des
Betriebs an Kind oder Enkel den Vorbehalt
des Nießbrauchs. Das bedeutet,
dass der Nachwuchs zwar formal Eigentümer
wird, es bestimmen aber weiterhin
die Senioren. Sie kassieren nach wie
vor den Gewinn aus dem übertragenen
Unternehmen – komplett oder nur zum
Teil, je nach Gestaltung.

 

So rechnet es sich
bei der Steuer

Welche Steuerbeträge Eltern und Nachfolger
zu zahlen haben, hängt vom Wert
der Firma und dem Alter des Firmenchefs
ab. Ausgangspunkt der Wertermittlung
ist der durchschnittliche Gewinn der
letzten drei Geschäftsjahre. Minus des
Wertes des Nießbrauchs. Der errechnet
sich aus einem festen Faktor von 1/18,6
(laut Bewertungsgesetz) und einem
jährlich aktualisierten Kapitalisierungsfaktor
(Vervielfältiger), der sich aus der
amtlichen
Sterbetafel ergibt. Beispiele:

Alter in Jahren Faktor Männer Faktor Frauen
55 13,78 14,759
58 13,09 14,154
60 12,59 13,706
62 12,063 13,223
65 11,208 12,418
68 10,282 11,513

Quelle: Bundesfinanzministerium

Praktischer Fall

Ein Unternehmer gibt seine Firma unter
dem Vorbehalt des Nießbrauchs an
seinen Sohn weiter. Der Firmenchef ist
zu diesem Zeitpunkt 60 Jahre alt. In den
letzten drei Jahren hat er einen durchschnittlichen
Gewinn von 300 000 Euro
erzielt. Dieser Wert wird für die Errechnung
des amtlichen Unternehmenswerts
mit 12,33 multipliziert (den Faktor gibt
die Finanzverwaltung vor). Von diesem
Firmenwert wird der Nießbrauch abgezogen.
Der Rest ist steuerpflichtig.

1. Was die Firma wert ist (Angaben in Euro)
Gewinn 300.000
Abschlag für Steuern (30%) 90.000
Betriebsergebnis 210.000
Multipliziert mit 12,33
Unternehmenswert 2.589.300
2. Was der Nießbrauch wert ist (Angaben in Euro)
Unternehmenswert 2.589.300
Geteilt durch Faktor 18,6 139.210
Mal Altersmultiplikator 12,59
Nießbrauchwert 1.752.650

Der Wert des Nießbrauchs wird vom Unternehmenswert
abgezogen. Es verbleibt
ein steuerpflichtiger Erwerb durch den
Junior von 836 650 Euro. Abzüglich des
persönlichen Freibetrags für den Sohn
von 400 000 Euro sind 436 650 Euro der
Erbschaftsteuer zu unterwerfen. Deshalb
wählt die Familie die Option 85 Prozent.
Heißt: Nur 15 Prozent der Steuer sind
sofort fällig. Die restlichen 85 Prozent
stundet der Fiskus erst einmal und
erlässt sie schließlich ganz. Dafür muss
der Nachfolger die Firma mit praktisch
unverändertem Personalbestand fünf
Jahre fortführen (genauer: 400 Prozent
der durchschnittlichen Lohnsumme der
letzten fünf Jahre auch in den nächsten
fünf Jahren erreichen).

3. Nießbrauch mit Stundung (Angaben in Euro)
Unternehmenswert 2.589.300
– Nießbrauchwert 1.752.650
Bereicherung 836.650
– Freibetrag 400.000
Zu versteuern 436.650
Steuer (15%) 65.498
Sofort fällig (15%) 9.825
Gestundet (85%) 55.673

Das Rentenmodell:

Firma abgeben – gegen monatliche Zahlungen

So funktioniert es

Vater oder Mutter übertragen den Betrieb
an ein Kind. Weil ihr Vermögen
weitgehend in dem Unternehmen steckt,
brauchen sie eine finanzielle Absicherung
für das Alter. Deshalb vereinbaren
sie eine feste monatliche Rente. Meist
ist die abänderbar für unvorhergesehene
Situationen. Das Rentenmodell passt
vor allem dann, wenn sich die Alten
weitgehend
aus dem Betrieb zurückziehen
und die Junioren das Sagen haben.

 

So rechnet es sich
bei der Steuer

Zu berücksichtigen sind die Besonderheiten
sowohl bei der Einkommen- als
auch der Erbschaftsteuer.

a) Einkommensteuer

Die Senioren müssen ihre empfangenen
Renten der Einkommensteuer unterwerfen.
Dabei profitieren sie von einem
Altersentlastungsbetrag, dessen Höhe
abhängig ist vom Alter. Der Nachfolger
zieht die überwiesenen Renten als Sonderausgabe
steuersparend ab. Das ist für
die Unternehmerfamilie insgesamt
vorteilhaft,
wenn der in der Firma aktive
Junior ein höheres Einkommen bezieht
als der Ruheständler. Handelt es sich bei
dem Unternehmen um eine GmbH,
funktioniert der Steuerdreh allerdings
nur dann, wenn die Familie mindestens
50 Prozent der Anteile hält. Und der
Senior außerdem zu seiner aktiven Zeit
als Geschäftsführer tätig war.

b) Erbschaft- und Schenkungsteuer

Für die Weitergabe der kompletten Firma
oder von Firmenanteilen zählt für die
Steuer deren tatsächlicher Wert. Allerdings
jeweils gemindert um den Barwert
der Renten. Bei vielen kleineren und
mittelständischen Unternehmen, die
nicht sehr ertragsstark sind, fällt daher
keine Schenkungsteuer an. Zumal die
Familie von 400 000 Euro Freibetrag
profitiert. Bei der Übergabe ertragsstarker
Unternehmen lässt sich die
Steuer außerdem durch Fortführung
des Betriebs drastisch senken.

Praktischer Fall

Der Firmenchef überträgt den Betrieb an
seinem 60. Geburtstag an seine Tochter.
Er vereinbart mit der Juniorin, dass er
für die Firmenübergabe 10 000 Euro
monatlich als Rente bekommt. Er hat
bislang jährlich 300 000 Euro an Gewinn
verbucht. Dieser Wert wird für die Errechnung
des amtlichen Unternehmenswerts
mit 12,33 multipliziert (diesen
Faktor
legt die Finanzverwaltung jährlich
neu fest). Von diesem Firmenwert
wird der Wert der Rente abgezogen.
Der Rest ist steuerpflichtig.

1. Was die Firma wert ist (Angaben in Euro)
Gewinn 300.000
Abschlag für Steuer (30%) 90.000
Betriebsergebnis 210.000
Mulitpliziert mit 12,33
Unternehmenswert 2.589.300
2. Was die Rente wert ist (Angaben in Euro)
Jahresrente 120.000
Mulltiplikator laut Sterbetafel 12,59
Rentenwert 1.510.800

Nur die Differenz zwischen Unternehmens-
und Rentenwert ist steuerpflichtig.
Davon sind 15 Prozent sofort fällig.
Der Rest wird fünf Jahre gestundet und
später erlassen, wenn die Firma mit
praktisch dem gleichen Personalbestand
fortgeführt wurde.

3. Rente mit Stundung (Angaben in Euro)
Unternehmenswert 2.589.300
– Rentenwert 1.510.800
Bereicherung 1.078.500
– Freibetrag 400.000
Zu versteuern 678.500
Steuer (19%) 128.915
Sofort fällig (15%) 19.337
Gestundet (85%) 109.578

 

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