Diverses Commerzbank kauft Dresdner

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Eine neue Großbank mischt die deutsche Finanzbranche auf: Der Aufsichtsrat der Allianz entschied nach monatelangen Verhandlungen, die Konzerntochter Dresdner Bank für 9,8 Milliarden Euro an die Commerzbank zu verkaufen.

Deutschland hat eine neue Großbank: Die Commerzbank übernimmt für insgesamt 9,8 Milliarden Euro die angeschlagene Dresdner Bank – und stemmt damit den größten Deal in der deutschen Finanzbranche seit Jahren. Nach monatelangen Fusionsverhandlungen gaben die Aufsichtsräte der Commerzbank und der Dresdner-Bank-Mutter Allianz am Sonntag in außerordentlichen Sitzungen grünes Licht. Das teilten beide Dax-Konzerne am Abend mit.

Die Commerzbank steigt durch den Zusammenschluss zur größten deutschen Privatkundenbank nach der Postbank auf. Zusammen kommen Commerzbank und Dresdner in Deutschland auf rund zwölf Millionen Kunden. Weit mehr Kunden erreichen noch die 450 Sparkassen und über 1200 Genossenschaftsbanken.

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Dresdner Bank: Marke verschwindet

Allianz-Chef Michael Diekmann bezeichnete die Verbindung der beiden Institute als „Meilenstein in der deutschen Bankenkonsolidierung“. Nach Angaben des Konzerns liegt der Wert der Synergien zwischen den Banken nach Abzug der anfallenden Restrukturierungskosten bei insgesamt 5 Milliarden Euro. Vor allem massive Stellenstreichungen sollen dies möglich machen: Rund 9000 Jobs fallen weg, davon 2500 im Ausland, wie die Commerzbank mitteilte. „Rund 70 Prozent davon entfallen auf Abwicklungs-, Steuerungs- und Produktionseinheiten sowie das Investmentbanking“, so das Institut.

Abgeschlossen sein soll die Transaktion spätestens Ende 2009: In einem ersten Schritt soll die Commerzbank zunächst 60,2 Prozent am Rivalen übernehmen, im kommenden Jahr dann den Rest. Nach der Fusion kommen Dresdner und Commerzbank im Inland zusammen auf 1894 Filialen. Geplant sei aber eine Reduzierung auf 1200, teilten die Unternehmen mit. Die Marke Dresdner Bank soll voraussichtlich verschwinden.

Commerzbank konzentriert sich auf deutschen Markt

Die Allianz wird mit knapp 30 Prozent größter Aktionär der fusionierten Bank. Teil des Geschäfts ist, dass der Finanzkonzern Risiken aus Wertpapiergeschäften der Dresdner von bis zu 975 Millionen Euro übernimmt. Zudem erwirbt er für 700 Millionen Euro die Commerzbank-Fondstochter Cominvest. Der Versicherungskonzern hatte 2001 für 24 Milliarden Euro die restlichen 80 Prozent an der Dresdner Bank erworben, die sie zuvor noch nicht gehalten hatte. Das Kalkül, den Vertrieb von Versicherungsprodukten über die Bankschalter der Dresdner zu forcieren, ging allerdings nie wirklich auf. Zudem hatte sich die Investmentbanktochter Dresdner Kleinwort massiv mit US-Hypothekenkrediten verspekuliert. Seit Beginn der globalen Finanzkrise musste sie 3 Milliarden Euro abschreiben. Die Gesamtbilanz der Ehe zwischen Allianz und Dresdner sieht düster aus: So erlitt die Dresdner nach Berechnungen der Deutschen Bank seit 2001 im Schnitt einen Betriebsverlust von 742 Mio. Euro jährlich.

Anders als die Dresdner ist die Commerzbank bislang relativ glimpflich durch die Krise gekommen: Sie musste in den vergangenen vier Quartalen insgesamt lediglich 1,4 Milliarden Euro abschreiben. Der strategische Vorteil des Instituts: Die Commerzbank ist tief in ihrem Heimatmarkt verwurzelt. Mindestens 70 Prozent ihrer Erträge erwirtschaftet sie in Deutschland. Bei der Deutschen Bank, die im globalen Investmentbanking stark vertreten ist, sind es dagegen nur rund 25 Prozent.

Weniger angreifbar für ausländische Rivalen

Auch die China Development Bank (CDB) hatte sich für die Dresdner Bank interessiert. Die Chinesen boten mehr für das Institut als die Commerzbank und lockten die Allianz mit der Zusage, komplett in bar zu bezahlen. Allerdings gab es politische Widerstände gegen eine Übernahme durch die Staatsbank aus Peking.

Derzeit kommt die Dresdner Bank auf 26.000 Mitarbeiter, die Commerzbank auf 36.800 Mitarbeiter. Beide Institute erreichen gemeinsam eine Bilanzsumme von rund 1100 Milliarden Euro – was in Deutschland Platz zwei hinter der Deutschen Bank ist.

Die Commerzbank macht sich mit der Fusion weniger angreifbar für ausländische Rivalen. Dieser Aspekt war vor allem in Berlin goutiert worden: Die Bundesregierung wünscht sich seit Langem einen zweiten „nationalen Champion“ in der Finanzbranche neben der Deutschen Bank.
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