Diverses Conti weist Schaeffler-Offerte zurück

2004 zeichnete impulse Maria-Elisabeth Schaeffler als "Familienunternehmerin des Jahres" aus.

2004 zeichnete impulse Maria-Elisabeth Schaeffler als "Familienunternehmerin des Jahres" aus.

Der Automobilzulieferer hat das Kaufangebot der Schaeffler-Gruppe abgelehnt. Zur Begründung wählte man in Hannover deutliche Worte. Die Gewerkschaft IG BCE kritisierte unterdessen Conti-Chef Manfred Wennemer scharf.

Die Offerte sei in hohem Maße opportunistisch, spiegele den wahren Wert der Continental nicht annähernd wider und entbehre einer überzeugenden industriellen Logik, teilte der Konzern am Mittwoch in Hannover mit. Schaeffler habe sich auf rechtswidrige Weise angeschlichen, um die Kontrolle über das Unternehmen zu erlangen. Conti-Papiere gaben nach Bekanntwerden der Mitteilung rund 1 Prozent ab. Schaeffler hatte den Aktionären am Dienstag 69,37 Euro pro Aktie in bar oder insgesamt gut 11,2 Mrd. Euro geboten.

Die IG BCE warf der Conti-Führung Versäumnisse vor. „Man muss schon fragen, welche Vorsorge Conti-Chef Wennemer getroffen hat“, sagte der IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Nach der Übernahme der Siemens-Sparte VDO und der Aufnahme „riesiger Kredite“ habe Wennemer damit rechnen müssen, „dass andere auch Monopoly spielen“. Für diesen Fall hätte sich Wennemer in Kooperation mit Banken absichern müssen. „Und zwar so, dass er einen Übernahmeversuch verhindern kann.“

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Die IG BCE befürchtet nach wie vor, dass Continental zerschlagen werden soll. Die Art und Weise, wie Schaeffler bei der Aktienbeschaffung vorgegangen sei, bestätige die schlimmsten Befürchtungen, sagte Schmoldt. Der Gewerkschaftschef geht davon aus, „dass man die Conti filetieren und Teile, also etwa das Reifengeschäft, verkaufen wird“. Die IG BCE werde daher in Zusammenarbeit mit der IG Metall alles daran setzen, die Übernahme zu vereiteln.

Die Pressemitteilung im Wortlaut


– Opportunistische Offerte spiegelt den wahren Wert des Unternehmens nicht annähernd wider;

– Die industrielle Logik dieses Vorstoßes überzeugt nicht;

– Schaeffler hat sich auf rechtswidrige Weise angeschlichen, um die Kontrolle über Continental zu erlangen;

– Continental hat als eigenständiges Unternehmen in derzeitiger Aufstellung eine hervorragende Zukunftsperspektive.

Hannover, 16. Juli 2008. Die Continental AG wurde am Dienstag von der Schaeffler Gruppe über deren Entscheidung unterrichtet, ein Übernahmeangebot zu einem Angebotspreis von 69,37 Euro je Aktie in bar abzugeben. Der Vorstand der Continental AG lehnt das Angebot ab. Es ist in hohem Maße opportunistisch, es spiegelt den wahren Wert der Continental nicht annähernd wider, es schafft kein Vertrauen, und es entbehrt einer überzeugenden industriellen Logik.

Die Schaeffler Gruppe verhehlt selbst nicht, dass es das schwache Börsenumfeld nutzt, um günstig die Kontrolle über einen exzellent positionierten Technologiekonzern zu übernehmen und die Zahlung einer angemessenen Prämie an die Aktionäre zu vermeiden. Nach unserer Auffassung hat sich die Schaeffler Gruppe mit Hilfe von Banken und Derivate-Positionen auf rechtswidrige Weise Zugriff auf 36 Prozent des Continental-Kapitals verschafft. Dies würde bei der Hauptversammlung eine bequeme Kontrollmehrheit, möglicherweise sogar eine qualifizierte Stimmenmehrheit darstellen.

Die öffentlich getätigten Aussagen, dass die Schaeffler Gruppe angeblich nur eine Minderheitsbeteiligung anstrebt und die gesunde Struktur von Continental nicht antasten will, sind nach den geführten Gesprächen unglaubwürdig. Der Vorstand von Continental betrachtet die Vorgehensweise der Schaeffler Gruppe als nicht im Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre.

Continental ist sehr daran interessiert, langfristig orientierte Investoren zu gewinnen und ist deshalb der Schaeffler Gruppe konstruktiv und ergebnisoffen entgegen getreten.

Deshalb hat der Continental-Vorstand auch die Bereitschaft erklärt, eine bis zu 20-prozentige Finanzbeteiligung zu unterstützen. Die Schaeffler Gruppe beharrte jedoch auf einer über 30 Prozent hinausgehenden Kontrollbeteiligung.

Die industrielle Logik dieser Kombination ist auch bei gutem Willen praktisch nicht erkennbar: Continental würde Schaeffler nützen, Schaeffler aber nicht Continental. Continental hat als eigenständiges Unternehmen eine hervorragende Zukunft.

Der Vorstand wird auch in diesem Verfahren alles dafür tun, um die Interessen aller Aktionäre und der anderen Stakeholder zu vertreten.

Vorstand und Aufsichtsrat der Continental Aktiengesellschaft werden nach der notwendigen weiteren Konkretisierung der Bieterabsichten und Veröffentlichung einer Angebotsunterlage sorgfältig die Interessen der Gesellschaft, ihres Unternehmens, ihrer Aktionäre und Arbeitnehmer sowie Geschäftspartner abwägen und im Rahmen der gesetzlich vorgesehenen Stellungnahme nach § 27 WpÜG zu dem Übernahmeangebot Stellung nehmen.

Der Continental-Konzern gehört mit einem anvisierten Umsatz von mehr als 26,4 Mrd Euro im Jahr 2008 weltweit zu den führenden Automobilzulieferern. Als Anbieter von Bremssystemen, Systemen und Kompo¬nenten für Antrieb und Fahrwerk, Instrumentierung, Infotainment-Lösungen, Fahrzeugelektronik, Reifen und technischen Elastomerprodukten trägt das Unternehmen zu mehr Fahrsicherheit und zum Klimaschutz bei. Continental ist darüber hinaus ein kompetenter Partner in der vernetzten, automobilen Kommunikation. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 150.000 Mitarbeiter an nahezu 200 Standorten in 36 Ländern.

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