Diverses Das Ende der Ökonomie

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Die aktuelle Diskussion über die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes geht auf erschreckende Weise am Kern des Problems vorbei. Und die Schuld daran tragen ausnahmsweise nicht die Politiker. Sondern die Ökonomen.


Also ausgerechnet jene Zunft, die für sich in Anspruch nimmt, eigentlich auf alle gesellschaftlichen Pro­­bleme probate Antworten zu haben. Aber vor lauter Antwortgeben haben die Wissenschaftler in den letzten Jahren völlig vergessen, die derzeit wichtigste gesellschaftspolitische Frage überhaupt zu stellen. Nämlich: Was müssen wir tun, damit unsere Gesellschaft nicht zusammenbricht unter dem Gewicht der Massenarbeitslosigkeit? Denn so viel sollte klar sein: Deutlich unter die Vier-Millionen-Grenze wird die Arbeitslosenzahl auch beim blühendsten Wirtschaftswachstum nicht sinken.

Bereits in den 80er Jahren prognostizierte der berühmte deutsche Soziologe Ralf Dahrendorf: „Der Arbeitsgesellschaft geht nicht nur die Arbeit aus, sondern ihr muss die Arbeit ausgehen.“ Denn die Logik einer ständig optimierten Arbeitsteilung führt dazu, dass am Ende keiner mehr in den Werkshallen ist und nur noch wenige in den Büros sind.

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Doch dieser eigentlich banalen Erkenntnis verweigern sich die Ökonomen – mit Ausnahme von Jeremy Rifkin („Das Ende der Arbeit“) – beharrlich. Quer durch alle ökonomischen Denk­richtungen gaukeln sie der Öffentlichkeit stattdessen vor, dass auch heute noch Vollbeschäftigung möglich sei. Für stramme Marktwirtschaftler ist das allein eine Frage des Preises. Für die Marktskeptiker ist über entsprechende Subventionen ohnehin jedermann in Lohn und Brot zu bringen (Stichwort Kombilohn).

Was beide nicht bedenken: Ohne eine entsprechende Nachfrage nach dem Gut Arbeit kann keines dieser Mo­delle funktionieren. Selbst wenn alle Deutschen zu asiatischen Hungerlöhnen schuften würden. Oder der Staat seinen gesamten Haushalt für Lohnsubventionen ausgeben würde.

Während die Grundsatzfrage unbeantwortet bleibt, stürzen sich die Ökonomen mit Akribie darauf, das Verwalten der Arbeitslosigkeit zu erforschen. Und basteln in Serie entsprechende Modelle, heißen sie nun Grundeinkommen oder negative Einkommensteuer.

Erleben wir gerade das Ende der Ökonomie? Entpuppt sich die mit nicht wenigen Nobelpreisen ausgestattete Zunft als das, was ihre Kritiker schon immer vermuteten – als eine bloße Hilfswissenschaft, unfähig, aus eigener Kraft zu wirklichen Lösungen zu finden?

Nein, es ist nicht das Ende. Allerdings nur dann nicht, wenn es den Ökonomen gelingt, Lösungen zu präsentieren, die den Menschen ein Grundrecht auf ein tätiges Leben sichern. Denn genau dies werden die Millionen ohne Arbeit einfordern.

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Klaus Schweinsberg, Chefredakteur

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