Diverses Das iPhone, mein Fitness-Coach

Mit dem Handy zum Joggen. Noch vor einem Jahr hätte ich das als verrückt ausgeschlossen. Doch dank GPS und entsprechender Software wird das Smartphone zum Sport-Computer. Ein Erfahrungsbericht.

Ich liebe es, Sport zu machen. Fußball mit den Jungs oder Squash mit einem Freund. Leider haben diverse Bänderrisse und Achillessehnenprobleme meine diesbezüglichen Karrieren auf Eis gelegt. Sportarten in denen Zweikämpfe, Grätschen oder harte Richtungswechsel an der Tagesordnung sind, fallen nun weg. Im Grunde bleibt mir nur das ungeliebte Joggen (oder Schwimmen, aber da wäre das Wort „ungeliebt“ extrem geschönt).

Was aber tun, um sich regelmäßig zu motivieren? Als Freund technischer Spielereien habe ich schnell angefangen mir, mit einer einfachen Laufuhr einen Anreiz zu schaffen. Doch lange hielten mich die Informationen zu Herzfrequenz und rudimentären Trainingsempfehlungen nicht bei der Stange. Eine größere Laufuhr mit GPS und Auswertung auf dem PC ist mir zu teuer.

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Interessanter weise hat mich dann schließlich das einfache Schrittzähler-System Nike+, das der Sportartikelhersteller zusammen mit iPod-Erfinder Apple anbietet, lange Zeit zum Laufen motiviert. Dazu wird ein Sender (und gleichzeitig Schrittzähler) in den Schuh gelegt und ein Empfänger am iPod Nano (oder Touch) angeschlossen. Zwar gibt es hier nur geschätzte Werte (beispielsweise Kalorienverbrauch), doch der dafür notwendige iPod ist ohnehin immer beim Laufen dabei und die Auswertung auf der begleitenden Website ist ganz attraktiv gemacht. Zudem sind knapp 30 Euro für das Set ein überschaubares Investment in die eigene Fitness.

Dann kam das iPhone

Mit meinem ersten iPhone gab es dann schließlich die fast natürlich Steigerung. Schließlich brauchte ich ja nun keine Oberklasse-Laufuhr, um in den Genuss von GPS-Überwachung meiner Läufe zu kommen. Denn, wie so häufig in der Apple-Welt gilt auch hier: dafür gibt es eine App! Mein Interesse war geweckt, sodass ich schnell den App Store nach Lauf- beziehungsweise Fitnessprogrammen durchforstet habe. Und ich wurde fündig.

Und es gibt nicht nur eine App. Eine Vielzahl von Programmen bieten sich dem Laufwilligen iPhone-Besitzer an. Einige kostenlos, fast alle zumindest mit einer kostenlosen Version, die meist die entscheidenden Funktionen bereits enthält.

Ich teste eine Handvoll dieser Apps jetzt seit gut einem halben Jahr. Anfangs war es ehrlich gesagt noch ein wenig komisch mit dem iPhone, also einem Handy, am Arm und nicht mit einer Laufuhr am Handgelenk oder MP3-Player in der Tasche die Joggingschuhe anzuschnallen. Doch der Spaß, den mir die Laufprogramme machen, ließen solche Bedenken in den Hintergrund rücken.

Lauf-Apps im Allgemeinen

Wer im App Store die Suchbegriffe „laufen“, „joggen“ oder „running“ eingibt, findet eine Vielzahl von Programmen, die sich an Profi- oder Hobbyläufer wenden. Ich habe einige davon getestet. Bis auf eine Ausnahme war mein Auswahlkriterium dabei, dass die Apps bereits in der Gratis-Version die für mich wichtigsten Features mitbringen.

Eigentlich bieten nahezu alle Lauf-Apps dieselben Grundfunktionen an: Sie messen mit Hilfe des im iPhone integrierten GPS-Empfängers die gelaufene Strecke und speichern zudem die Route. Letztere zeigen sie dann auf Wunsch auch auf einer Karte (meistens Google Maps) an. Werte wie Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit (auch auf einzelne Kilometer runtergebrochen) sollen ambitionierten Läufern Anhaltspunkte für ein gezieltes Training geben. Anhand persönlicher Daten des Läufers, wie Größe, Gewicht und Alter errechnen die Programme zudem den ungefähren Kalorienverbrauch eines Laufs.

Aber auch Hobby-Läufer entdecken schnell, wie motivierend die Erhebung dieser Daten für ihr Laufverhalten sein kann. Da die Programme (auf Wunsch) alle Läufe mit ihren Ergebnissen speichern, meldet sich bald der Ehrgeiz, beim nächsten Mal schneller, weiter oder einfach mal eine andere Strecke zu laufen.

Es versteht sich von selbst, dass alle Programme anbieten, während eines Laufs Musik aus der eigenen Sammlung zu hören. Im Zeitalter sozialer Netzwerke bieten viele Apps an, die eigenen Laufleistungen auf Facebook, Twitter und Co. der Welt kundzutun.

Eine Bemerkung bereits an dieser Stelle: Viele der Laufapps gibt es auch für Android- und Blackberry-Smartphones.

Adidas MiCoach und Nike+ GPS

Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch Sportartikelhersteller wie Adidas und Nike im Geschäft um die Sport-Apps mitmischen wollen. Schließlich versorgen sie die Sportler von Kopf bis Fuß mit ihren Produkten, da bietet sich diese lifestyle-trächtige und werbewirksame Option einer App als Kundenbindungsmaßnahme an.

Ich habe Apps von Adidas und Nike in Apples Gemischtwarenladen gefunden.

MiCoach von Adidas ist komplett kostenlos, es gibt nicht einmal eine Bezahlversion. Dennoch bietet die Lauf-App alles, was zumindest mein Laufherz begehrt. Alle oben geschilderten Funktionen sind integriert und ergeben ein rundes Bild. Einzig die Tatsache, dass ich mich in der App erst einmal zu Recht finden musste, um die Statistiken meiner Läufe (inklusive Karte) einsehen zu können, lässt sich vielleicht als negatives Feedback anführen. Aber Hobby-Läufer werden mit MiCoach als Einstiegsdroge zufrieden sein.

Wie schon erwähnt bin ich lange Zeit mit dem Nike+/iPod-System gelaufen. Da hat es mich natürlich gefreut, dass der Sportartikelhersteller nun auch für das iPhone eine aufgebohrte Version des Training-Helfers bereitstellt. Irritiert hat mich allerdings, dass die App die einzige von mit getestete ist, die es nur in einer Kaufversion (1,59 Euro) gibt. Allerdings bietet das Programm dafür auch etwas mehr als andere.

Nike+ GPS wendet sich ebenfalls primär an Freizeitsportler und legt aber einen stärkeren Fokus auf Motivation. Statistiken „Wie mein weitester Lauf“ oder „Mein schnellster Lauf“ animieren dazu, eigene Marken zu überbieten. Vor allem aber die Möglichkeit, sich selbst Ziele zu setzten, ist ein cleverer Weg, Laufmuffel auf eine Runde zu schicken. Einige Beispiele: „Laufe in zwei Wochen sechs mal“ oder „Ich möchte in vier Wochen 4000 Kilokalorien verbrennen“.

Vor allem im Zusammenspiel mit der gelungenen Website entfaltet Nike+ seine volle Qualität. Stärkstes Feature ist das Angebot, gezielt auf eine Distanz, einen Lauf, hintrainieren zu können. So kann sich der Läufer beispielsweise ein Trainingsprogramm zusammenstellen lassen, an dessen Ende die (hoffentlich erfolgreiche) Bewältigung eines Marathons steht. Es sind auch deutlich kürze Streckenziele und ein reines Laufeinsteiger-Programm im Angebot. Laut Nike wurden diese Trainings von Sportwissenschaftlern entwickelt.

Runtastic und Runkeeper

Aus der Vielzahl von weiteren Laufprogrammen habe ich mir für einige Testläufe Runtastic, Runwatch und Runkeeper ausgesucht. Einen entscheidenden Grund für diese Selektion gibt es nicht. Ich habe mich an Nutzerkommentaren und Ausstattungslisten orientiert.

Runwatch und Runkeeper bieten in der Gratisversion die beschriebene gute Standardkost. Somit sind die Programme in der „Free“-Version mit MiCoach durchaus vergleichbar und sind dazu eine Alternative. Wer bei Runkeeper allerdings seine Laufmusik aus dem Programm heraus steuern möchte und Wert auf gezielte Trainingsprogramme legt, muss in die Vollversion für 7,99 Euro investieren. Das wäre mir zuviel.

Am besten hat mir Runtastic gefallen. Die Benutzeroberfläche ist optisch angenehm und übersichtlich gestaltet und die kostenlose Version bietet ein Maximum an Einstellungsmöglichkeiten. Die „aufgenommen“ Werte lassen sich für einen Lauf auf einen Blick einsehen, ebenso wie die Statistik aller Läufe.

Interessant ist die Option, die App nicht nur zum Laufen einzusetzen. Sie passt auf Wunsch die Auswertung auch auf andere Sportarten an. Neben so vorhersehbaren Sportarten wie Walken, Radfahren oder Wandern finden sich auch exotische Kandidaten wie Smovey Walking, Handbiking oder Freecrossen. Ich habe nicht alles detailliert ausprobiert, aber bei kurzem Antesten erschien es mir, als würden sich die aufgezeichneten Informationen nicht wirklich von denen beim Laufen unterscheiden. Eher ein Gimmick.

Ebenenfalls angenehmen ist bei Runtastic, dass die iPod-Steuerung bereits in der kostenlosen Version integriert ist. Bei den anderen muss die App verlassen werden, um Musik beispielsweise anzuhalten. Dafür bricht die Sprachausgabe nach zwei Kilometern ab und weist auf die Vollversion hin, was sich leider nicht ausschalten lässt. Runtastic ist die einzige App in diesem Test, die sich mit einem Pulsmesser koppeln lässt, der über die Website bestellt werden kann.

Damit sind Runtastic und Nike+ GPS meine Lauf-App-Favoriten.

Wichtiges Accessoire: Kopfhörer

Wer gerne mit Musik am Ohr laufen geht kennt das leidige, aber entscheidende Thema der richtigen Kopfhörer. Die bei MP3-Spielern mitgelieferten Ohrhörer eigenen sich in der Regel nicht wirklich für sportive Aktivitäten – vom Sound mal ganz abgesehen.

Unzählige Hersteller und Arten habe ich ausprobiert. Doch richtig zufrieden war ich nie. Mal rutschten die Bügelkopfhörer beim Laufen von Kopf oder flutschen die Ohrstöpsel beim ersten Schweißtropfen aus der Muschel. Auch In-Ear-Lösungen ließen es meist an Tragekomfort mangeln.

Aus diesem Grunde stelle ich an dieser Stelle keine Modelle gegenüber, sondern gebe eine Empfehlung.

Bequem muss er sein

Denn ich bin vor kurzem fündig geworden – zumindest für meine Ansprüche. Sennheiser hat zusammen mit Adidas die Sportline Kopfhörerserie herausgebracht, die ich schätzen gelernt habe. Erstaunlicher weise gibt es hier sogar zwei unterschiedliche Hörerarten, die sich bei mir beide an die Spitzenposition meiner Kopfhörer-Hitliste gesetzt haben.

Die CX 680 Sports sind In-Ear-Hörer, die sich im Grunde nicht groß von anderen unterscheiden. Doch ein Mini-Zusatz scheint den entscheidenden Vorteil zu bringen: ein kleiner Gummibügel, der die Kopfhörer nach dem Einsetzen vor dem Rausrutschen sichert. Sennheiser nennt dies EarFin-Haltesystem – frei übersetzt Halteflosse. Bei mir hat die Flosse jedenfalls gehalten und gedrückt hat es auch nicht.

Die Nummer zwei aus dem Hause Sennheiser ist die Nackenbügel-Schwester des CX, der PMX 680 Sports. Das ist für mich eher ungewöhnlich, da ich bis dato mit Nackenbügel-Kopfhörern eher schlechte Erfahrungen beim Zusammenspiel von Komfort und Sound gemacht habe. Der PMX jedoch überzeugt mich auf beiden Ebenen. Wobei ich hier generell einen Fokus auf den Tragekomfort lege, da ich Klang beim Laufen eher nebensächlich finde (so er denn nicht unter einem gewissen Maß an Qualität liegt).

Anfangs musste ich beim Anlegen noch die ideale Position finden, dann jedoch war ich fast überrascht, dass der Hörer beim Laufen nicht wirklich verrutscht.

Einige Nutzer haben auf Meinungsportalen bei den Sennheiser/Adidas-Kopfhörern negativ angemerkt, dass das Kabel nicht ideal bemessen sei und beim Laufen störe. Das Kabel besteht aus zwei Teilen: einem recht kurzen, das vom Kopfhörer ausgeht und einer Verlängerung inklusive Lautstärkeregelung, die an der Kleidung mit einem Clip befestigt werden kann. Hierzu kann ich nur sagen, dass mich diese Zweiteilung nicht gestört hat.

Praktisch: die Armtasche

Zum Schluss noch ein weiterer Tipp: besorgen Sie sich eine Armtasche für das iPhone. Gerade bei einem so großen Laufbegleiter ist es sehr angenehm, diesen nicht in der Hand oder einer Jackentasche tragen zu müssen, sonst kann ein Kabel (welches auch immer) in der Tat sehr nervig vor der Brust herum wedeln.

Anbieter solchen Taschen gibt es viele. Ob Belkin, Hama oder einer der Sportartikelhersteller. Auch hier kommt es vor allem auf den eigenen Geschmack an.

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