Claus Wissers größter Fehler „Das Jung-Siegfried-Syndrom“

Claus Wisser, 67, Gründer der Gebäudemanagementfirma Wisag, über teure Fehltritte in die Industrie und frühere Selbstüberschätzung.

Während eines Italienurlaubs Ende der 80er-Jahre kam mir die verhängnisvolle Idee, ich müsste mich breiter aufstellen und neben dem Dienstleistungsgeschäft auf Industrieproduktion setzen. Einige Textilfirmen erschienen mir damals als vielversprechend, weil ihre Börsenkapitalisierung niedriger war als der reale Unternehmenswert mit all den dazugehörenden Immobilien. Ich kaufte eine ganze Reihe von Produktionsstätten und war auf einmal auch Fabrikant, als mich Anfang der 90er-Jahre die Textilkrise kalt erwischte.

Die Reserven reichten nicht, um die Verluste aufzufangen. Plötzlich stand ich vor einem
riesigen Schuldenberg, musste zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Das schmerzte sehr. Der
Ausstieg aus diesem Abenteuer sollte 15 Jahre dauern. Im Rückblick ging alles gut, weil ich im
Gebäudemanagement sehr erfolgreich gewesen bin. Für mich hat der Fehltritt sehr
viel zu tun mit dem, was ich das Jung-Siegfried-Syndrom nenne. Ähnlich dem jungen Helden in der Nibelungensage hatte ich nach anfänglichen Erfolgen als Unternehmer das Gefühl: Du kannst es, auch wenn andere es nicht können.

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„Meide Bereiche, die nicht deinem Naturell entsprechen“

Der folgenreiche Fehltritt in die Industrie hat mir vor allem klargemacht: Meide Bereiche, die du nicht kennst und die nicht deinem Naturell entsprechen. Ich bin eben Dienstleister, kein Hersteller. Und: Verlasse dich in existenziellen Krisen nicht nur auf deine Vorstände vor Ort, sei selbst präsent.


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