Diverses „Das Käthchen von Heilbronn“

Regisseur Roger Vontobel hat Kleists "Käthchen von Heilbronn" als märchenhaftes Ritterspiel auf die Bühne gebracht. Auf krampfhaft aktuelle Bezüge verzichtet er, auch wenn das Käthchen heutzutage als veritable Stalkerin durchgehen würde.

Theobald Friedeborn, der brave Waffenschmied aus Heilbronn irrt suchend durch das Theaterfoyer, ein Bild seiner Tochter in der Hand – bis Theobald leibhaftig auf die Bühne tritt. Dort geht er mit Graf vom Strahl, dem vermeintlichen Verführer seines Käthchens, ins Gericht.

Das Parkett ist hellerleuchtet, der Chor als richtende Instanz sitzt in den Logen und auf den Rängen, antwortet von dort auf die Fragen des verzweifelten Vaters. Jana Schulz spielt das Käthchen, das unbeirrt seiner Liebe folgt, verstört und doch zielstrebig – mit einem spröden Charme und knabenhafter Anmutung. Vontobel spart nicht an Effekten, lässt auch klamaukhafte Situationen entstehen und die Schauspieler brillieren. Der Komplexität des Kleist’schen Textes wird er allerdings nicht gerecht.

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Das Käthchen von Heilbronn

Ort: Schauspielhaus Hamburg

Regie: Roger Vontobel

Darsteller: Michael Prelle, Jana Schulz

impulse-Bewertung: 3 von 5 Punkten

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