Diverses Das neue Sparmodell

Gründer, Unternehmer und Freiberufler spannen bei größeren Investitionen den Fiskus als Finanzier ein.

Wer investiert, spart jetzt noch mehr Steuern – das verheißt die
Unternehmensteuerreform Inhabern kleiner und mittlerer
Firmen, Freiberuflern und Existenzgründern. Chefs, die
rationalisieren, modernisieren, erweitern oder gerade erst
starten, sollen weiterhin belohnt werden. Allerdings: „Stärker
und zielgenauer als bisher“, verspricht Finanzminister Peer
Steinbrück.

Davon profitieren Unternehmer und Freiberufler, die wegen
günstiger Geschäftsaussichten in den nächsten zwei Jahren
Investitionen im eigenen Betrieb planen und dann auch
tatsächlich umsetzen. Sie können künftig – erstmals in der
Bilanz 2007 – den Gewinn um bis zu 200.000 Euro statt bisher
154 000 Euro drücken. Indem sie einen Teil der
voraussichtlichen Kosten vorziehen. Zum Beispiel für
Maschinen, IT oder Autos.

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„Investitionsabzugsbetrag“ heißt das neue Sparmodell. Damit
löst die Finanzverwaltung die Ansparrücklage ab – ein
Instrument, das seit knapp zehn Jahren in praktisch jeder
Firmenbilanz zu finden ist. Bei den Spielregeln gibt es zwar
etliche Änderungen im Detail, der Effekt bleibt jedoch derselbe:
Firmenchefs verbuchen ein gutes Stück Steuerstundung. „Das
bedeutet Zins- und Liquiditätsgewinn“, sagt Steuerberater Uwe
Lange von der Ecovis Steuerberatungsgesellschaft in Berlin.

Die Vorteile haben Selbständige allerdings nur sicher, wenn sie
bestimmte Aufzeichnungsvorschriften einhalten. Um
Missbrauch zu bekämpfen, haben Finanzbehörden und
Finanzgerichte im Laufe der Jahre diverse Spielregeln
aufgestellt. Besonders wichtig ist, dass Investoren aufschreiben,
welche Anlagegüter sie kaufen oder produzieren wollen. So soll
das Finanzamt kontrollieren können, ob der Betrieb auch das
angeschafft oder hergestellt hat, was er seinerzeit geplant
hatte. So verlangt es das Hessische Finanzgericht
(Aktenzeichen 1 K 939/02). Zudem sind die
Investitionsvorhaben konkret zu benennen. Das entschied das
Finanzgericht des Landes Brandenburg (Aktenzeichen 4 V
2649/01).

Auf der sicheren Seite ist, wer zum Beispiel statt »Fahrzeug«
etwa „Pkw-Kombi der Mittelklasse“ mit Kaufpreis notiert.
Hier hat sich Finanzminister Steinbrück zu zwei Verein­
fachungen durchgerungen. Erstens: Bisher gab es die
Steuervorteile nur für neue Anlagegüter. Künftig lassen sich
auch gebraucht gekaufte Autos oder Maschinen sowie Anlagen
aus ersparten Steuern mitfinanzieren. Zweitens: Investoren
brauchen sich nicht mehr festzulegen, wann sie innerhalb der
Zweijahresfrist ihre Pläne umsetzen.

Selbstverständlich gibt es reichlich gute Gründe, später doch
nicht zu investieren. Dann muss nachversteuert werden.
Allerdings mit einer wesentlichen Änderung: Der Abzugsbetrag
wird nicht mehr dem Gewinn des laufenden Geschäftsjahres
zugeschlagen, sondern dem Gewinn des Jahres, in dem der
Firmenchef ihn geltend gemacht hat. Heißt: Auf diese Weise
lassen sich unterschiedlich hohe Gewinne in den einzelnen
Geschäftsjahren künftig nicht mehr Steuer sparend glätten.
Experte Lange: „Das neue Sparmodell lohnt nur, wenn man
später tatsächlich investiert.“

Zwei Gesetzeskorrekturen treffen Existenzgründer hart. Denn
sie können nur noch bis zu 200.000 Euro Steuer sparend
zurücklegen. Bisher maximal 307.000 Euro. Und sie haben für
Investitionen dann nur noch zwei statt bisher fünf Jahre Zeit.
Ein doppelter Nachteil. Deshalb appellieren die Verbände an den
Gesetzgeber. „Abzugsbetrag auf 250.000 Euro erhöhen und die
Investitionsfrist auf fünf Jahre verlängern. Und zwar einheitlich
für alle Selbständigen“, fordert Berthold Welling, Steuerchef
beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

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