Diverses Das Signal von Witten/Herdecke

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Weil Nordrhein-Westfalen der Hochschule Witten/Herdecke die staatlichen Zuschüsse streicht, droht der ältesten deutschen Privatuni das Aus - mit fatalen Folgen für das gesamte Bildungssystem, wie Gerd Kühlhorn, stellvertretender impulse-Chefredakteur, in seinem Kommentar zeigt.

Die älteste und größte deutsche Privatuniversität steht vor dem Aus: Witten/Herdecke droht die Insolvenz, nachdem die NRW-Landesregierung jährlich Fördermittel von 4,5 Millionen Euro streichen will. Eines der bedeutendsten Pionierprojekte der so dringend reformbedürftigen Bildungslandschaft ist offenbar gescheitert. Der Schaden dieses Fehlengagements reicht weit über den Standort hinaus.

Geht Witten/Herdecke jetzt, was nicht mehr zu verhindern scheint, tatsächlich vor die Hunde, wäre dies Wasser auf die Mühlen aller Gegner jeglicher privat finanzierter Bildungsangebote. Statt weiter zu ringen und zu diskutieren, welche neuen Wege man beschreiten kann, um unser Bildungssystem im internationalen Vergleich zu verbessern, werden wir demnächst nur noch ein dahingeschleudertes „Denkt an Witten/Herdecke!“ hören, so als sei mit der Nennung eines individuellen Fehlschlags gleich die ganze Gattung nicht-staatlicher Bildungseinrichtungen per se ad absurdum geführt.

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Ohne die Details der offenbar nicht hinreichend abgesicherten Finanzierung von Witten/Herdecke zu kennen, läßt sich doch soviel feststellen. Witten/Herdecke war (und ist noch) eine Universität vor allem für Unternehmer, genauer: für deren Kinder, trotz aller Spenden aber keine Uni von Unternehmern, und schon gar keine, die unternehmerisch geführt wurde. Das aber wäre die Grundvoraussetzung für eine wahre Privatuni – finanzielle Unabhängigkeit vom Staat. Die gab’s in Witten/Herdecke nicht, im Gegenteil. Gerade weil der Staat den Geldhahn zugemacht hat, muss Witten/Herdecke sterben. Wir sollten dies angemessen betrauern, denn dort wurde und wird hervorragende Bildungsarbeit geleistet. Aber wir sollten auch daraus lernen – ein bisschen privat geht nicht, wer nicht-staatliche Bildungsangebote will, der muss sich unabhängig machen von den verführerischen Angeboten der Politiker. Es liegt kein Segen darauf.

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