Diverses Datenhandel: Strengere Regeln beschlossen

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Mehr Schutz vor illegalem Datenhandel: Darauf hat sich Innenminister Wolfgang Schäuble mit Datenschützern, Kabinettskollegen und Ländervertretern bei einem Gipfeltreffen in Berlin geeinigt. So müssen Verbraucher einer Weitergabe ihrer Personen-Daten künftig ausdrücklich zustimmen. Viele Unternehmen fürchten jetzt um ihre Geschäfte. Das folgende Dossier fasst die aktuellen Entwicklungen zusammen und zeigt, was Unternehmen beim Datenhandel beachten müssen und welche Marketingstrategien sonst noch erfolgreich sind.

Bund und Länder haben sich auf strengere Regeln beim Datenschutz geeinigt: Künftig müssten die Bürger einer Weitergabe ihrer Daten durch große Unternehmen zustimmen. Außerdem sollen es bei Datenmissbrauch höhere Bußgelder verhängt werden, sagte Innenminister Wolfgang Schäuble nach dem Datenschutzgipfel in Berlin. Einzelheiten werden nun von einer Arbeitsgruppe unter Vorsitz des brandenburgischen Innenministers Jörg Schönbohm (CDU) erarbeitet.

Die Verbraucherschützer können mit diesem Ergebnis zufrieden sein: Der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Peter Schaar, hatte bereits im Vorfeld des Gipfeltreffens klare Entscheidungen gefordert. „Daten sollen für Werbezwecke nur noch verwendet werden, wenn der Betroffene zuvor ausdrücklich in diese andere Verwendung eingewilligt hat“, sagte er der FTD. Und: „Der Betroffene muss die Kontrolle darüber haben, was mit seinen Daten geschieht.“

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Bisher konnte ein Kunde die Weitergabe seiner Daten nur verhindern, indem er diese explizit untersagt. Viele Verbraucher versäumen dies jedoch – nicht zuletzt, weil die Widerspruchsklauseln auf Bestellformularen und Internetseiten oft regelrecht versteckt werden.

Die Verbände der Werbewirtschaft fürchten angesichts strengerer Gesetze um ein lukratives Geschäftsmodell. Der legale Handel mit Adressen blüht. Im Vergangenen Jahr investierten Firmen deutschlandweit mehr als 30 Milliarden Euro in Direktmarketing. Zwölf Vereinigungen hatten vor dem Gipfel in Berlin in einem gemeinsamen offenen Brief an die Politik erklärt: „Ein generelles Einwilligungserfordernis oder das Verbot der Nutzung bestimmter Daten sind kein probates Mittel, um Datenmissbrauch zu verhindern.“ Und weiter hieß es in dem vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) koordinierten Schreiben: „Viele Unternehmen aus Wirtschaft und Handel würden in massiver, teilweise sogar existenzbedrohender Art und Weise betroffen.“

Aktuelle Informationen und Meinungen finden Sie im folgenden Dossier – und bei der Financial Times Deutschland

  • Illegaler Datenhandel: Todestoß für eine Branche? Der Skandal um illegal erworbene Daten hat die Branche der Adresshändler in Verruf gebracht: Jahrelang boomte der Markt – und lockte auch zwielichtige Firmen an. Jetzt sollen strengere Gesetze her. Doch sie könnten den Todesstoß für die gesamte Branche bedeuten – auch für die legalen Anbieter.
  • Datenhandel: Was ist erlaubt?
  • Adressen, Kontoverbindungen oder Vorlieben potentieller Kunden – mit welchen Daten dürfen Firmen handeln und wie funktioniert das Geschäft? Seit dem Skandal um eine CD mit sensiblen Kontodaten von 17.000 Verbrauchern sind nicht nur die Datenschützer alarmiert. Auch viele Unternehmer sind verunsichert: impulse zeigt, was das Gesetz erlaubt, was nicht und wo nachgebessert werden soll.
  • Hier geht der Datenschutz zu weit Was hat das Telefonbuch mit der aktuellen Diskussion um gehandelte Daten-CDs zu tun? Viel, sagt Gerd Kühlhorn, stellvertretender impulse-Chefredakteur. Denn: Die Hysterie um dieses Thema lässt den Eindruck entstehen, als sei schon der Besitz eines Telefonbuchs strafbar.
  • Kontodaten zum Schnäppchenpreis
  • Was ist eigentlich ein Satz Kundendaten wert? 100 Euro, vielleicht 1000? Oder mehr? Und wie schwierig ist es eigentlich, an sensible Daten zu kommen? Um Preise, aber auch das Ausmaß des Datenhandels festzustellen, haben Verbracherschützer undercover ermittelt – mit einem erschreckenden Ergebnis.
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  • Wieder hat Deutschland einen Skandal, der die schlimmsten Befürchtungen vieler Datenschützer bestätigt: Eine Firma aus NRW hat sensible Kontodaten von 17.000 Verbrauchern an andere Unternehmen verkauft. Warum dieser Vorfall nur eine Frage der Zeit war – dazu impulse-Redakteurin Heike Foerster in ihrem Kommentar.
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  • Anzeigen, Einträge in Branchenbüchern, Handzettel – derartige Werbemaßnahmen sind meist teuer und ohne nachhaltigen Werbeeffekt, wie eine Umfrage herausfand.
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  • Die Technik verspricht Erfolg: Per Bluetooth können Händler und Dienstleister spannende Werbebotschaften auf das Handy von Passanten senden – und damit zahlreiche neue Kunden gewinnen und damit den Umsatz steigern. Allerdings gibt es für Firmenchefs auch einiges zu beachten.

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