Diverses Davongekommen

Mittelständische IT-Dienstleister erwarten schon bald wieder einen merklich steigenden Umsatz. Derweil versuchen sie ihre Leistungen zu industrialisieren.

Mitten in der Wirtschaftskrise zeigt sich der Stuttgarter IT-Dienstleister GFT Technologies hoffnungsvoll. Zwar sank der Umsatz im Geschäftsjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr deutlich auf 216,81 Mio. Euro. Und auch das Ergebnis vor Steuern fiel mit 7,86 Mio. Euro geringer aus als 2008. Doch habe sich das Geschäft im letzten Quartal 2009 bereits wieder belebt. „Nach einem schwierigen Start haben wir das Jahr 2009 mit einem dynamischen Endspurt beendet“, freut sich Ulrich Dietz, Vorstandsvorsitzender der GFT. Für das laufende Jahr rechnet er mit Wachstum.

GFT steht für viele Unternehmen. Mittelständische IT-Dienstleister spüren die Wirtschaftskrise, doch von einem großen Rückschlag sind sie bisher verschont geblieben. Die zehn größten Mittelständler der Branche verzeichneten im vergangenen Jahr im Durchschnitt einem Umsatzanstieg von drei Prozent. Doch in den nächsten fünf Jahren erwarten sie ein Plus von durchschnittlich acht Prozent pro Jahr, belegt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Lünendonk. „Mittelständische IT-Dienstleister gehen davon aus, dass das Schlimmste schon bald ausgestanden ist“, sagt Hartmut Lüerßen, Partner bei Lünendonk.

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Voller Hoffnung

Auch Zahlen des IT-Branchenverbands Bitkom lassen erkennen, dass die Zunft bereits wieder Hoffnung geschöpft hat. 59 Prozent der IT- und Telekommunikationsunternehmen erwarten bereits für das erste Quartal 2010 wieder ein Umsatzplus. Der Bitkom-Branchenindex zu den Umsatzerwartungen des laufenden Quartals machte gegenüber dem Vorquartal einen deutlichen Sprung. Während das Produzierende Gewerbe noch unter der Wirtschaftskrise leide, investieren Finanzwirtschaft, Energieversorger und öffentliche Hand wieder verstärkt in IT, berichtet die Branche. „Von der Erholung profitieren Anbieter von Software und IT-Systemen am stärksten“, sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer.

Dabei ist die Krise laut Bitkom erst mit Verzögerung bei den mittelständischen IT-Dienstleistern angekommen. „Die Mittelständler wurden – verglichen mit den Großen – mit dreimonatiger Verzögerung von der Krise erfasst“, sagt Scheer. „Wir gehen davon aus, dass sie mit ähnlicher Verzögerung aus der Krise herauskommen.“

Standardisierte Dienstleistungen

Große Sorge bereitet IT-Dienstleistern im Moment die Finanzierung. 35 Prozent der Firmen klagen darüber, dass es schwieriger geworden sei, an Kapital zu kommen. „Die Banken ziehen die Daumenschrauben an“, klagt Scheer. „Die Institute verlangen mehr Sicherheiten, stellen höhere Anforderungen an die Bonität oder erhöhen die Zinsen für ihre Kredite.“ Zudem hat sich die Zahlungsmoral der Kunden verschlechtert – sogar bei öffentlichen Auftraggebern.

Um ohne größere Investitionen das Geschäft ausbauen zu können, versuchen mittelständische IT-Dienstleister, bestehende Kompetenzen besser als bisher zu verwerten. „Sie versuchen zum Beispiel, Unternehmen aus weiteren Branchen als Kunden zu gewinnen oder in zusätzliche Regionen Deutschlands vorzudringen“, berichtet Lünendonk-Partner Lüerßen. Außerdem streben Unternehmen danach, Dienstleistungen soweit wie möglich zu industrialisieren und zu standardisieren. „Sie arbeiten immer weniger als Manufaktur“, erklärt Lüerßen. „Stattdessen verwenden sie bestehende Produkte und Lösungen, um nicht bei jedem Projekt von Null beginnen zu müssen.“

In Bezug auf das Auslandsgeschäft verfolgen Mittelständler verschiedene Strategien. Wer jenseits der deutschen Grenzen bisher nicht oder nur wenig etabliert ist, hält sich mit der Expansion in der Krise eher zurück, sagt der Lünendonk-Experte. „Nur wer sich auf einem Auslandsmarkt schon einen gewissen Stand erarbeitet hat, versucht dort auch momentan weiter zu wachsen.“

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