Diverses Den Fiskus als Finanzier einspannen

Eine Maschine kaufen und dabei clever sparen: impulse zeigt, wie Firmenchefs das Finanzamt an Investitionen in neue Anlagen beteiligen können.

Ralf und Rafael Bernards spüren
nichts: keine Wirtschaftskrise, keinen
Auftragseinbruch. Im Gegenteil,
die Brüder steuern mit ihrem Logistikunternehmen
Bernards aus Sinzig
am Rhein bislang beherzt durch die
Konjunkturflaute.
In den vergangenen
Jahren haben sie kräftig expandiert –
„und das werden wir auch weiterhin
tun“, verkündet das Chefduo. Die beiden
können dabei auf einen willigen Geldgeber
zählen: den Fiskus.

Wer wie die Bernards in diesem und dem
kommenden Jahr in seine Firma investieren
will, kann jetzt noch stärker
als bisher das Finanzamt einspannen.
Davon profitieren Unternehmer, die ihre
Anlagen technisch auf den neuesten
Stand bringen wollen. Der Dreh: Sie
drücken
ihren Gewinn um bis zu
200.000 Euro, indem sie die Kosten für
einen Teil der geplanten Anschaffungen
vorziehen. Der Firmenchef legt also mithilfe
des Finanzamts Geld zurück; die
Investitionen
in Maschinen, IT oder
Autos
werden aus vorab gesparten
Steuernbezahlt.

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Sparen für später

Die Bernards wollen
so ihre Flotte von 40 Lastwagen um
20 Prozent aufstocken. Und zu den 110
Mitarbeitern sollen noch einige Kollegen
hinzukommen.
„Erst sparen und später investieren“,
gibt der Koblenzer Steuerberater Andreas
Fromm die Devise vor. Investitionsabzugsbetrag
heißt das Sparmodell, das
es zwar seit 2007 gibt, nun aber vom
Bundesfinanzministerium in einem umfangreichen
Schreiben präzisiert wurde.
Durchaus auch zugunsten von Unternehmern
und Freiberuflern, denn die
profitieren ab sofort von weniger bürokratischen
Ausführungsbestimmungen.

Bei den Spielregeln gibt es zwar Änderungen
im Detail, der Effekt bleibt jedoch
derselbe: Firmenchefs verbuchen eine
Steuerstundung, die sie in ihre Firma stecken
können – egal, ob sie sich neue oder
gebrauchte Maschinen, Autos oder Anlagen
anschaffen. Für Berater Fromm ist
das ein „feiner Zins- und Liquiditätsgewinn“.

Dreijahreskredit vom Finanzamt

Der funktioniert so: Will der
Firmenchef in den nächsten drei Jahren
investieren, kann er neben seiner letzten
Bilanz eine Aufstellung über die geplanten
Wirtschaftsgüter und deren voraussichtliche
Anschaffungskosten beim
Finanzamt
einreichen. 40 Prozent der
Anschaffungskosten – maximal aber
200 000 Euro – zieht er dann von seinem
zu versteuernden Einkommen ab. Das
spart in der Spitze bis zu 45 Prozent Steuern
plus Soli. Und der Chef bleibt flexibel:

Er muss sich nämlich nicht von vornherein
festlegen, wann er innerhalb der Dreijahresfrist seine Pläne tatsächlich
umsetzt. Das haben manche Finanzämter
bei der sogenannten Ansparabschreibung
früher anders gesehen. Die
wurde 1984 eingeführt und mit der
Unternehmenssteuerreform
2008 vom
Investitionsabzugsbetrag abgelöst.

Auch Größere kommen zum Zug

Mit dem ersten Konjunkturpaket im
November hat die Bundesregierung das
Steuersparmodell noch mal aufgehübscht.
Jetzt können auch Unternehmen den
Investitionsabzugsbetrag
nutzen, die
eigentlich
zu groß dafür sind. Galt vor
dem Konjunkturpaket, dass die Firma ein
Betriebsvermögen, vulgo Eigenkapital
von maximal 235 000 Euro haben dürfe,
sind es nun 335 000 Euro. Freiberufler
können bis zu einem Gewinn von 200 000
Euro davon profitieren (früher: 100 000
Euro).

Auch ansonsten halten sich die bürokratischen
Hürden in Grenzen. Es reicht
aus, die einzelnen geplanten Wirtschaftsgüter
ihrer Funktion nach zu benennen.
Also kann der Firmenchef in seiner Aufstellung
das Wort „Büromöbel“ verwenden,
auch wenn er noch nicht weiß, ob
er später neue Schreibtische oder Schränke
anschaffen will. Wer bei seinen Investitionsplanungen
zu konkret ist, riskiert
Schwierigkeiten. Bei der Angabe „Bürostuhl“
ist auch nur ein solches Sitzmöbel
begünstigt. „Ganz allgemeine Sammelbezeichnungen
wie ,Maschinen‘ oder
,Fuhrpark‘ erkennt das Finanzamt freilich
nicht an“, warnt Berater Fromm.

Auch ist Vorsicht bei der späteren
Verwendung
geboten: Es sind nur Wirtschaftsgüter
begünstigt, die zu mindestens
90 Prozent betrieblich genutzt
werden. Bei Lieferfahrzeugen oder Maschinen
ist das kein Problem. Wohl aber
bei Firmenwagen. Gebraucht der Chef
den Wagen schon mal für private Ausflüge,
wird es kritisch. Will er für dessen
Anschaffung den Investitionsabzugsbetrag
nutzen, sollte er bei der nächsten
Betriebsprüfung ein lückenloses Fahrtenbuch
vorlegen können. Und beweisen,
dass er weniger als zehn Prozent seiner
Kilometer privat verfährt. Fahrten zum
Betrieb gelten übrigens als dienstlich.
Chefs von Kapitalgesellschaften wie einer
GmbH haben es einfacher: Ihr Firmenwagen
gilt immer zu 100 Prozent als
betrieblich.

Wissenswertes für Investoren

Was Unternehmer beachten müssen,
wenn sie Anlagegüter mit ersparten
Steuern bezahlen wollen.

Wer ist begünstigt?

Unternehmer und Freiberufler dürfen nur
bis zu einer bestimmten Firmengröße
vom Investitionsabzugsbetrag Gebrauch
machen: Bei bilanzierenden Firmen darf
das Eigenkapital für die Jahre 2009
und 2010 nicht mehr als 335 000 Euro
(sonst 235 000 Euro) betragen, bei
denen mit Überschussrechnung muss
der Gewinn bei maximal 200 000 Euro
(sonst 100 000 Euro) liegen.

Wie müssen bilanzierende
Firmen rechnen?

Inhaber von Gewerbebetrieben oder
bilanzierende Freiberufler berechnen ihr
Reinvermögen (maximal 335 000 Euro)
wie folgt:
Anlagevermögen

+ Umlaufvermögen

+ aktive Rechnungsabgrenzungsposten

– Rückstellungen

– Verbindlichkeiten

– Rücklagen in der Bilanz

– alte Ansparabschreibungen

– passive Rechnungsabgrenzungsposten

= Betriebsvermögen

Welche Vorteile winken?
Wer in den kommenden Jahren Investitionen
plant, kann in der Bilanz 2009 schon
vom Firmengewinn bis zu 40 Prozent
der voraussichtlichen Investitionssumme
abziehen, höchstens aber 200 000 Euro.
Wie viel dieser Abzugsbetrag tatsächlich
an Steuern spart, hängt vom persönlichen
Steuersatz ab. Zu investieren ist dann
innerhalb von drei Jahren.

Was ist begünstigt?

Die Steuervorteile gibt es nur für abnutzbare
bewegliche Wirtschaftsgüter des
Anlagevermögens. Dabei ist es egal, ob
der Firmenchef in neue oder gebrauchte
Maschinen, Anlagen, Geräte, Möbel oder
Fahrzeuge investiert.

Will der Firmenchef für geplante Investitionen
nicht den vollen möglichen
Abzugsbetrag nutzen, weil dadurch ein
Verlust entsteht, kann er auch weniger
als 40 Prozent der Anschaffungskosten
abziehen. Eine Aufstockung ist später
aber nicht mehr möglich. Die weiter gehende
Steuersparchance ist dann vertan.

Überhaupt sind Korrekturen des einmal
angesetzten Betrags nur dann noch
möglich, wenn die geplante Investition
teurer als geplant wird. Erhöht etwa der
Hersteller einer Maschine die Preise,
kann der Unternehmer nachbessern und
bis zu 40 Prozent der gestiegenen Kosten
draufsatteln. „Das gilt aber nur, wenn
das Finanzamt die Steuer für den ursprünglichen
Abzugsbetrag noch nicht
endgültig festgesetzt hat“, sagt Peter
Lüdemann,
Steuerberater bei Ecovis in
München. Und wenn der Höchstbetrag
von 200 000 Euro noch nicht erreicht
worden ist.

Gibt der Firmenchef das Geld innerhalb
von drei Jahren tatsächlich aus,
muss er den vorher steuersparend verrechneten
Abzugsbetrag wieder seinem
Gewinn draufschlagen. Das ist freilich
nur ein buchungstechnischer Vorgang,
weil er gleichzeitig 40 Prozent der Anschaffungskosten
für das neue Wirtschaftsgut
herunterrechnen darf. Von dem Restbetrag zieht er wiederum bis zu
20 Prozent Sonderabschreibung und die
normale Abnutzungsabschreibung (AfA)
ab. „Damit sind etwa bei einer EDV-Anlage
sofort bis zu 77 Prozent der Investitionssumme
steuerwirksam“, erklärt
Experte Lüdemann.

Hat der Firmenchef nicht den maximal
zulässigen Abzugsbetrag für eine Maschine
oder Anlage geltend machen können
– etwa weil sich die Preise kurz vor
der Investition erhöht haben oder weil
doch eine größere Anlage sinnvoller
war –, kann er auch nur den tatsächlichen
Betrag abziehen.

Doch sind dann
von der restlichen Summe Abschreibungen
möglich, wie das folgende Beispiel
zeigt: Ein Unternehmer will eine Maschine
für 400.000 Euro anschaffen und zieht
sofort 160.000 Euro (also 40 Prozent)
von seinem
Gewinn ab. Nach drei Jahren
entscheidet
er sich dann für das größere
Modell, das aber 500 000 Euro verschlingt.
Dann kann er von 340 000 Euro
Abschreibungen vornehmen. Es lohnt
sich: Im ersten Jahr sind das bis zu
85 000 Euro degressive Abschreibung
plus 68 000 Euro Sonder-AfA.

Bei kleineren Investitionen müssen
Unternehmer einige Sonderregeln beachten.
Plant der Chef Anschaffungen
von maximal 250 Euro, führt der 40-Prozent-
Abschlag dazu, dass der abschreibungsfähige
Betrag maximal 150 Euro
beträgt. Der Vorteil daran ist, dass die
Investition
dann nicht über mehrere Jahre
abgeschrieben werden muss, sondern
sofort auf der Kostenseite zu Buche
schlägt – und die Steuerlast drückt.

Auf der anderen Seite sollten sich Firmenchefs
genau überlegen, ob sie für
Equipment bis zu einem Preis von 1667
Euro vorab Steuern sparen wollen.
Kommt der Investitionsabzugsbetrag ins
Spiel, schrumpfen die abschreibungsfähigen
Kosten unter 1000 Euro – und die
späteren Anschaffungskosten müssen
dann zwingend als Sammelposten in der
Bilanz fünf Jahre lang abgeschrieben
werden. Ein klarer Nachteil, wenn der
Chef doch eigentlich nur einen hochwertigen
PC anschaffen will. Den kann er auf
normalem Wege innerhalb von drei Jahren
abschreiben. „Wer den möglichen
Abzugsbetrag nicht oder nicht voll nutzen
will, kann in diesen Fällen gewinnen“,
sagt Peter Lüdemann.

Was passiert, wenn Investitionen ausbleiben?

Was ist aber, wenn ein Unternehmer
trotz diverser Abzugsbeträge in seinen
Büchern später nicht investiert? Gründe
dafür kann es viele geben – vielleicht
lässt es der Gewinn nicht zu, oder die
Bank verweigert sich einer Finanzierung.
Für die Firma heißt das: Die zurückgelegten
Beträge müssen nachversteuert
werden. Und zwar in dem Jahr, in dem
die Steuern gespart worden sind. Also
rückwirkend.

Das gilt selbst dann, wenn die Steuerbescheide
des betreffenden Zeitraums
bereits bestandskräftig geworden sind.
Obendrein verlangt das Finanzamt
Strafzinsen.
Und zwar mit Beginn des
16. Monats nach Ablauf des Jahres, in
dem der Investitionsabzugsbetrag steuersparend
verrechnet wurde. Die Zinshöhe:
nur 0,5 Prozent für jeden Monat.
Alles in allem ein günstiger Kredit vom
Finanzamt.

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