Diverses Der Abend der Mutmacher

Freudentränen, strahlende Gesichter - es war ein Abend der Emotionen, als die "Mutmacher der Nation" am 21. November in Berlin gekürt worden. In der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom wohnten über 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft der feierlichen Gala bei.

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Die Preisverleihung war so inszeniert wie die Oscar-Vergabe in Hollywood – die 16 nominierten Kandidaten wussten bis zum Schluss nicht, wer es auf das Treppchen schafft. Es war ein Wimpernschlag-Finale. Allen Viertplazierten fehlte nur ein Hauch zur Preisträgerschaft. Deswegen sollen ihre mutmachenden Aktionen hier noch einmal dokumentiert werden.

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Hamburg

Mit Manon Garcia können die Hamburger rechnen

Manon Garcia ist Unternehmerin durch und durch, deswegen ließ sie sich auch durch die Insolvenz ihres Internet-Shops nicht bremsen. Obwohl sie nach der Pleite starken finanziellen Beschränkungen unterlag, schaffte sie es, sich mit einer neuen pfiffigen Idee wieder selbstständig zu machen. „ich rechne – Mathematik Nachhilfe + Weiterbildung“ heißt ihr Unternehmen, dass inzwischen 20 Beschäftigten Arbeit gibt und mehr als 100 Schüler von der vierten Klasse bis zur Oberstufe in die Geheimnisse der Mathematik einweiht. Von den ersten Nachhilfestunden in der Privatwohnung über das inzwischen gegründete eigene Schulungsbüro führt sie der Weg immer weiter nach oben: Nach einer ersten Filiale in Hamburg wird sie in 2007 eine zweite Dependance in Frankfurt eröffnen.

Schleswig-Holstein

100 Jahre Familientradition gerettet

Knackige Brötchen, duftende Brote und verführerische Kuchen – wenn die Öfen glühen, ist Sabine Riemann aus Marne in Schleswig-Holstein in ihrem Element. Schließlich stammt die 38-Jährige aus einer Bäckerfamilie mit mehr als 100 Jahren Tradition. Die stand Ende 2003 allerdings kurz vor dem Aus: Zehn von 20 Filialen von „Mien Kalle-Bäcker“ waren unrentabel, Banken gaben keinen Kredit mehr. Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden, fast 90 Arbeitsplätze waren in Gefahr. Doch Sabine Riemann kämpfte für die Familientradition. Sie analysierte Stärken und Schwächen, reduzierte das Filialnetz, setzte auf zusätzliche Verkaufswagen und ging 2005 wieder an den Start. „Wir konzentrieren uns auf regionale Spezialitäten und Events rund ums Brot.“ Mit Erfolg: Heute beschäftigt das Unternehmen 60 Mitarbeiter, Tendenz steigend.

Saarland

Postwendend in die Selbstständigkeit

Mit 43 Jahren schon zu alt für eine Festanstellung? Arbeitslosigkeit, erfolglose Job-Suche, Scheidung und verweigerte Unterhaltszahlungen konnten Anne Glauben nicht unterkriegen. Sie musste nicht nur arbeiten, vor allem wollte sie es auch. Deswegen baute die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau aus Bous im Saarland kurzerhand ihr eigenes Unternehmen auf. Seit Mai 2005 bietet „flexiOffice“ Bürodienstleistungen, Projektmanagement und einen ganz besonderen Postservice an: „mail2go“. Per Weiterleitungsauftrag landen Briefe und Postkarten bei „flexiOffice“. Anne Glauben scannt alle Sendungen. Per Email schickt sie die Dateien dann an ihre Kunden, wenn die auf Reisen sind. „So gehen keine wichtigen Briefe unter.“ Das alles realisierte sie ohne fremde Hilfe, ohne Kredit. Aber mit Risikobereitschaft und Ideenreichtum.

Niedersachsen:

Von der Straße in die Praxis

Von heute auf morgen stand Andrea Endelmann 1998 auf der Straße. Nach dem plötzlichen Tod des Chefs der Physiotherapie-Praxis, in der die heute 34-Jährige arbeitete, ermunterten Patienten sie zur Gründung einer eigenen Praxis. „Ich wusste nicht einmal, wo der Einschaltknopf des Computers war“, erinnert sich die Wilhemshavenerin, „geschweige denn hatte ich Ahnung von Praxisleitung, Büroarbeit oder Personal.“ Aber sie war motiviert, engagiert und zielstrebig setzte als Eigenkapital ihr Auto ein, eröffnete gegen den Rat der Banken ihre Physiotherapie-Praxis. Und zahlte Lehrgeld. Die Krankenkassen verschleppten Zahlungen, in ihrer Gutgläubigkeit ließ sich Andrea Edelmann von ersten Mitarbeitern und dubiosen Werbefirmen übers Ohr hauen. Aber sie kämpfte und hatte Erfolg. Inzwischen beschäftigt sie sechs weitere Mitarbeiter anstellen, darunter drei Vollzeittherapeuten.

Bayern

Mit Qualität gegen Konkurrenz durchgesetzt

Im Dezember arbeitslos, im Februar sein eigener Chef – Klaus Breyer fackelte nicht lange bei seinem Schritt in die Selbstständigkeit. 1999 fiel der Startschuss für die Breyer Gebäudereinigung GmbH im bayerischen Buchenberg. Damals arbeitete Breyer noch alleine, sein Wohnzimmer war das Büro. Doch schon nach zwei Monaten kamen die ersten Mitarbeiter, heute sind es bis zu 300. Dass er ein Wagnis einging, war Klaus Breyer jederzeit bewusst: „Neue Firmen schießen wie Pilze aus dem Boden.“ Seine Erfahrung, seine guten Kontakte sowie der unbedingte Willen zur Qualität hoben ihn jedoch aus der Vielzahl der Anbieter ab. Mittlerweile sind Klaus Breyer und sein Team nicht nur in ganz Bayern, sondern auch in Baden-Württemberg und Österreich aktiv.

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Bremen

Ehemaliger Lehrling rettet Traditionsunternehmen

Der Pokal der Champions League, der UEFA-Pokal, der DFB-Pokal, die DFB-Meisterschale und der Karlspreis – diese und viele weitere Stücke exquisiter Silberschmiedekunst stammen aus Bremen. Trotz prominenter Kunden stand die traditionsreiche Korpuswerkstatt von Koch & Bergfeld 2004 kurz vor der Stilllegung – bis mit Florian Blume ein ehemaliger Lehrling die Firma rettete. Der Gold- und Silberschmiedemeister ließ sich von Finanzierungsproblemen nicht verunsichern, konzentrierte sich viel mehr auf die Modernisierung des Geschäftes. Ein neues Sortiment, Verzicht auf Unrentables, engerer Kontakt zu den Kunden, das war seine Strategie. Die zeigte Wirkung – auch weil Florian Blume das ganze Team in das Gesamtgeschäft einbezog, so dass jeder einzelne Mitarbeiter nicht nur die Möglichkeit hat, „im“ Betrieb zu arbeiten, sondern auch „am“ Betrieb. Ganz nebenbei löste er auch die Finanzprobleme des Unternehmens, gewann in diesem Sommer einen finanzstarken Geschäftpartner, der das Unternehmen in den Bereichen Betriebswirtschaft und Marketing weiter voranbringen soll. Dass er mit der Übernahme ein hohes Risiko einging, tut er mit einem Achselzucken ab: „Manchmal holt man sich eine blutige Nase, aber das muss man ignorieren.“

Brandenburg

Soziales Engagement gibt den Kunden Sicherheit

Wegrationalisiert mit 48 – vor vier Jahren stand Peter Haase aus Neuruppin in Brandenburg selbst auf der Straße. In seiner Branche hatte der Betriebsleiter eines Wachunternehmens keine Anstellungschancen mehr. Also machte er sich selbstständig. Heute gehört die „PeHa GmbH“ mit 80 Mitarbeitern zu den führenden Wachschutz- und Gebäudedienstleistern der Region. Zweites Standbein ist die Vermittlung von Arbeitskräften. Die Unterstützung, die ihm Familie, Freunde und ehemalige Geschäftspartner bei der Firmengründung gaben, gibt Haase inzwischen weiter – indem er Mitarbeiter einstellt, die für andere Arbeitgeber als schwer vermittelbar gelten. Schwerbehinderte, Arbeitnehmer über 50 sowie ehemalige Alkoholiker gehören zu seiner Belegschaft und geben dem Unternehmen Stabilität: „Diese Menschen sind enorm dankbar, wenn ihnen jemand eine Chance gibt. Zudem gibt es fast keine Fluktuation, alle stehen loyal zum Unternehmen.“

Thüringen

Von heute auf morgen die Belegschaft verdoppelt

Extreme finanzielle Belastungen durch die Folgekosten einer Bürgschaft, der Verlust eines Großauftrages – 2003 musste Heide Aurisch um das Überleben ihres „PriMail Brief und Paket Service“ bangen. Offenes Krisenmanagement war die Antwort der 43-Jährigen auf die scheinbar erdrückenden Probleme. Statt aufzugeben suchte sie weitere Betätigungsfelder, nahm zu ihrem Paketdienst noch einen lizensierten Briefdienst hinzu. „Das hat mir das unternehmerische Überleben gesichert“, ist sie heute sicher. Inzwischen stellt sie die Post für Privatleute, Kommune
n und Unternehmen aus Thüringen, Hessen und Niedersachsen zu, darunter auch für den Großkonzern Bosch. Mittlerweile beschäftigt sie 12 Mitarbeiter. Zögern ist nicht ihre Sache: Als ihr ein neuer Großauftrag winkte, verdoppelte sie kurzer Hand ihr Team von heute auf morgen. Und der Expansionskurs geht weiter: Seit September bildet sie nun auch einen Lehrling aus und plant zwei weitere Neueinstellungen. Krisenbeständigkeit und Kampfgeist zahlen sich eben aus, meint Heide Aurisch.

Hessen

„Gut drauf“ – Unternehmer motiviert Jugendliche

Geeignete Auszubildende zu finden war für Franz-Josef Fischer jahrelang mit viel Frust verbunden. „Viele Jugendliche hatten einfach eine schlechte Schulbildung, waren unmotiviert und unzuverlässig.“ Mit solchen Azubis konnte der Geschäftsführer der „Jäger Direkt GmbH & Co. KG“ aus dem hessischen Reichelsheim nichts anfangen. Doch statt zu klagen, wurde Fischer aktiv: Mit seiner Ausbildungsinitiative „gut drauf“ weckt er bei Jugendlichen die Begeisterung für den Beruf. Der Schlüssel zum Erfolg: Bei Franz-Josef Fischer wird jeder Azubi gefordert und gefördert. Klare Leistungsvorgaben, jede denkbare Unterstützung und vor allem Anerkennung sind bei Jäger-Direkt der Schlüssel zu einer gelungenen Ausbildung. Das kommt an: Mittlerweile hat das Unternehmen 116 Mitarbeiter, davon sind 28 Auszubildende. 1999 war es gerade einmal einer. Insgesamt bildet „Jäger Direkt“ in neun Berufen aus. Bisher wurden alle Absolventen übernommen.

Sachsen-Anhalt

Gutes Gefühl erspart Millionen-Pleite

„Der Kuchen ist längst aufgeteilt.“ Immer wieder bekam Annett Rabe diesen Satz von Krankenkassen und Ärzten zu hören, als sich die 34-Jährige mit einem Pflegedienst in Gröbzig in Sachsen-Anhalt selbstständig machen wollte. Dennoch wurde Annett Rabe Unternehmerin – und das mit durchschlagendem Erfolg: Im Dezember 2005 eröffnete sie ihr „Pflegezentrum Fuhneaue“ – obwohl sie durch falsche Berater beinahe eine Millionen Euro in den Sand gesetzt hätte. Annett Rabe vertraute in letzter Minute auf ihr Gefühl. Statt wie empfohlen für 3,8 Millionen Euro eine Einrichtung für 24 Patienten zu bauen, erarbeitete sie ein neues Konzept. Und auf einmal kosteten fast doppelt so viele Pflegeplätze „nur“ noch 2,7 Millionen Euro. Auch für die Finanzierung fand sie endlich den richtigen Weg: Die Mittelstands-Experten der Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt gaben ihr die bis dahin fehlende Sicherheit für Bankkredite. Längst ist Annett Rabe froh, dass sie ihrem guten Gefühl und nicht dem schlechten Berater vertraut hat. Denn so konnte sie 38 Arbeitsplätze geschaffen, überwiegend examinierte Fachkräfte.

Rheinland-Pfalz

Wie die Hefe für den Kuchen

Zweifelsfrei gibt es einfachere Branchen für den Schritt in die Selbstständigkeit als ausgerechnet die Chemische Industrie. Doch Dr. Volker Schäfer, Gründer der Schäfer-Additivsysteme GmbH in Ludwigshafen, ließ sich durch Chemikaliengesetze, Regelungen zur Arbeitshygiene und zum Umweltschutz sowie viele weitere schier unüberwindliche Hürden nicht abschrecken. Schließlich war er als Chemiker von seiner Idee, Zusatzstoffe für die Kunststoffproduktion zu entwickeln, felsenfest überzeugt. Er wälzte dicke Gesetzesbände, diskutierte mit Behörden, bewältigte so das Problem der zunächst endlosen Auflagen. Als sich keine Bank für die Finanzierung der notwendigen Rohstoffe fand, zögerte Schäfer nicht lange: „Ich nahm eine Bürgschaft auf mein Haus auf und mit viel Erspartem ging es los.“ Heute hat das Unternehmen fünf Mitarbeiter, eine weitere Stelle wird derzeit ausgeschrieben. Die Stoffe der Schäfer-Additivsysteme GmbH sind mittlerweile weltweit gefragt.

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