Diverses Der deformierte Manager

Deutsche Führungskräfte legen Wert auf Tugenden wie Ehrlichkeit und Gerechtigkeit, besagt eine aktuelle Studie. Doch während der Arbeitszeit dürfen sie dieses ehrbare Verhalten nicht ausleben.

Für die Mehrheit der deutschen Manager sind Tugenden wie Entschlossenheit, Fleiß, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Gemütsruhe und Gerechtigkeit das Ideal. Doch dies im Arbeitsalltag umzusetzen, überfordert die Führungskräfte meist. Das hat jetzt eine Studie der Personalberatung Boyden und der Wiesbadener European Business School ergeben, an der sich 30 Vorstände, Geschäftsführer und Manager von deutschen Familienunternehmen und Dax-Konzernen beteiligt haben.

Demnach behaupten zwar 57 Prozent der Führungskräfte, nicht zwischen privater und beruflicher Ehrbarkeit zu unterscheiden. Doch geben sie auch an, in ihrem Beruf oft wenig Rücksicht auf die Einhaltung der Tugenden des „Ehrbaren Kaufmannes“ nehmen zu können. „Diese Werte stehen oftmals im Konflikt mit einem leistungs- und erfolgsorientierten Handeln sowie kurzfristig gesetzten Zielen“, sagt Boyden-Betriebswirtin Karin Peschl. „Manager arbeiten für Unternehmen, die betriebswirtschaftlichen Spielregeln unterliegen, und können deshalb ihrem Einzelinteresse, nämlich ehrbar zu handeln, oft nicht nachgehen.“

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Laut Studie haben 65 Prozent der Manager Elemente von ehrbarem Verhalten in ihrer Firma verankert. „Allerdings sind die Tugenden eher passiv in Leitbildern, Verhaltenskodizes und Führungsgrundsätzen definiert und spielen in den Unternehmensprozessen eine untergeordnete Rolle“, sagt Peschl. Gefragter sind etwa Fachwissen, Ordnung und strategisches Denken.

Die Grundlagen für ehrbares Verhalten werden in der Gesellschaft indes früh gelegt. Der Umfrage zufolge haben Eltern und Familie den größten Einfluss auf die Ausprägung der Tugenden. Schulen und Universitäten spielen eine untergeordnete Rolle, stehen für 70 Prozent der Manager aber besonders in der Verantwortung, ehrbares Verhalten zu fördern.

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