Diverses Der Fiesling ist immer der Riesling

Geht's noch? Theatrale Weinführung? Was soll das bedeuten? Hat da ein geschäftstüchtiger Theaterunternehmer einen neuen Weg gefunden, sein Publikum an körperreicher Bühnenkunst zu berauschen?

Irgendwie klingt das Ganze ziemlich verrückt: Das Deutsche Weininstitut preist ein Theaterstück mit dem mehr sprudelnden als perlenden Titel „Es gärt!“ an und schickt deshalb einen ganzen Thespiskarren voller (sic!) Bacchusjünger auf Deutschlandtour. In mehrjähriger Zusammenarbeit mit Berliner Schauspielern sei es gelungen – so erklären die hoffentlich nicht allzu alkoholisierten Veranstalter – „die Charaktereigenschaften von Wein auf Menschen zu übertragen“.

Gut – das ist neu: Früher galt Wein in weiten Teilen Europas als eine Art Goldreserve. Mit ihm wurde jede Menge Handel betrieben, wurden ganze Ländereien gekauft und blutrünstige Kriege finanziert. Wein war eine politische Reliquie, stand im Mittelpunkt unterschiedlichster sozialer Gruppierungen und ihren Ritualen. Wein war aber auch Arbeitergesöff und versprach sogar das Sprengen aller Ketten.

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Blumig? Elegant? Rassig? Oder doch nur saure Plörre?

Ein verheißungsvolles Konzept – auf das man sich bei dieser geheimnisvollen Performance anscheinend gut vorbereiten muss: Genau so wie es Menschen gibt, die – bevor sie ins Theater gehen – zuerst das Stück lesen, scheint es hier angeraten, zur Einstimmung an dem einen oder anderen Glas Wein zu nippen. Auch dafür haben die Initiatoren an sämtlichen Veranstaltungsorten – so ist zu hören – Vorsorge getroffen. Unser allseits verehrter Ex-Wirtschaftsminister Brüderle erklärte das Weintheater sogar zum „Meilenstein für eine neue Entwicklung!“

Blumig? Elegant? Rassig? Oder doch nur saure Plörre? Wie kann man die Aromen, den Körper, den Charakter eines Weins beschreiben? Die Organisatoren lassen die Hauptrollen von personifizierten Rebsorten spielen. Die gären, destillieren und dürfen dann „rauschend über das Überflüssige philosophieren“. Wenn das mal gut geht! Keine profane Komödie oder Säuferrevue im herkömmlichen Sinne wird versprochen, sondern modernes „Stimmulations“-Theater. Der Riesling als Fiesling?

Das „Theaterstück sei begehbar“ heißt es in der Ankündigung. Obwohl das fast so klingt, als habe ein gehöriges Maß Rebensaft dem Schöpfer dieser blumigen Formulierung erst das Gehirn vernebelt und dann die Hand geführt, erfährt man nach genauerer Recherche was gemeint ist. Die Zuschauer folgen den Schauspielern durch Säle und Keller der jeweiligen Spielstätte. Das sind meistens Kloster, Rathäuser, Schlösser oder andere historische Bauwerke.

Als Wochenendspaß während der warmen Jahreszeit ein elegantes Ausflugsvergnügen, das Theater und Kulturgeschichte aufs Angenehmste mit der Möglichkeit zur Verkostung edler Tropfen verbindet. Also – ich wünsche Ihnen einen samtigen und körperreichen Abgang!

www.weinkoerper.de

www.deutscheweine.de

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