Diverses Der Fiesling ist immer der Riesling

Fruchtig oder sauer? Schon beim Weingenuss fällt es manchem schwer, den Geschmack zu beschreiben. Das Kloster Eberbach bietet nun theatrale Weinführungen an - bei der Aromen und Charakteristika des Weins von Schauspielern verkörpert werden.

Das klingt ziemlich verrückt: Im malerisch gelegenen Kloster Eberbach bei Eltville im Rheingau wird am Samstag nicht nur ein Theaterstück zur Kulturgeschichte des Weins aufgeführt: In mehrjähriger Zusammenarbeit mit Berliner Schauspielern sei es gelungen – so behaupten die Veranstalter – „die Charaktereigenschaften von Weinen auf Menschen zu übertragen“

Blumig? Elegant? Rassig? Oder doch nur saure Plörre? Wie kann man die Aromen, den Körper, den Charakter eines Weins beschreiben? Die Organisatoren lassen die Hauptrollen von personifizierten Rebsorten spielen. Die sollen gären, destillieren etc. und dann auch noch „rauschend über das Überflüssige philosophieren“. Wenn das mal gut geht! Keine profane Komödie oder Weinrevue im herkömmlichen Sinne wird versprochen, sondern modernes „Stimmulations“-Theater. Der Riesling als Fiesling?

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Zuschauer folgen den Schauspielern durch das Kloster

Das klingt verheißungsvoll – und ist wohl dann am bekömmlichsten, wenn man sich gut vorbereitet. Genau so wie es Menschen geben soll, die – bevor sie ins Theater gehen – zuerst einmal das Stück lesen, scheint es hier angeraten zu sein, zur Einstimmung an dem einen oder anderen Glas Wein zu nippen. Auch dafür hat man im Kloster Eberbach – so ist zu hören – Vorsorge getroffen.

Das „Theaterstück sei begehbar“ heißt es in der Ankündigung. Obwohl das fast so klingt, als habe ein gehöriges Maß Rebensaft dem Schöpfer dieser blumigen Formulierung die Hand geführt, erfährt man nach genauerer Recherche was gemeint ist. Die Zuschauer folgen den Schauspielern durch die Säle und Keller des Klosters.

Das Thema hat jede Menge Facetten. Wein galt im Rheinland als eine Art Goldreserve. Mit ihm wurde Handel betrieben, wurden Ländereien gekauft und Kriege finanziert. Wein war politische Reliquie, stand im Mittelpunkt von Gemeinschaften und ihren Ritualen. Wein war Arbeitergesöff und versprach das Sprengen aller Ketten.

Als Wochenendspaß im Spätherbst ein kultiviertes Ausflugsvergnügen, das Theater und Kulturgeschichte aufs Angenehmste mit der Möglichkeit zur Verkostung edler Tropfen verbindet.

10. Oktober, 18:00 Uhr: Weinkörper, Theater als Wein – „Im Namen des Weins“
Stiftung Kloster Eberbach, 65346 Eltville, www.klostereberbach.de

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