Diverses Der Franchisegeber des Jahres

Bereits zum 20. Mal verleiht impulse den deutschen Franchise-Geber-Preis. Der Gewinner ist Vom-Fass-Gründer Johannes Kiderlen. Mit schwäbischem Eigensinn und Disziplin überwand er Krisen und expandiert inzwischen international.

Es ist zwei Uhr nachts, als Johannes Kiderlen sich daranmacht, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Er setzt sich in seinen Lastwagen, fährt zur Autobahn, A96, Richtung Regensburg. Geladen hat er jede Menge Holzregale und eine Kasse. Sein Ziel ist ein kleiner Laden, 60 Quadratmeter, Maximilianstraße, Haus Nummer sechs. Von dort aus will er die Welt erobern.

Kaum einer versteht in diesem März vor 16 Jahren so richtig, warum Johannes Kiderlen noch einmal neu beginnen will. Er hat eine Frau, zwei Kinder und einen Getränkehandel mit 25 Filialen. Marktführer im Umkreis, solider Mittelstand. Ihm geht es gut. Doch Kiderlen hat Bedenken. Er ist damals 44 Jahre alt und ahnt, dass es mit dem Getränkebusiness nicht ewig so weiterlaufen wird. „Es gibt ja immer mehr Singlehaushalte“, sagt er. „Und die gehen nicht in den Getränkemarkt. Die kaufen sich ihre Flasche Wasser im Supermarkt.“ Er überlegt, dass er sich spezialisieren muss, um gegen Aldi, Rewe oder Edeka eine Chance zu haben. Und er hat auch schon eine Idee.

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Manchmal geht er mit seinen Kindern zu McDonald’s, Hamburger essen. „Wenn die mit ihren blöden Pappdeckelbroten Erfolg haben“, so sagt er sich, „dann müsste doch meine Idee dreimal so erfolgreich sein.“

Feine Öle für die Küche – und die Haare

Kiderlen will hochwertige Weine, Liköre, Essige und Öle verkaufen. Und zwar direkt „vom Fass“, so sollen auch seine Läden heißen. Erst der in der Maximilianstraße, dann einer in Aalen, dann ein Shop in Landshut und irgendwann, so sein Traum, wird es auf der ganzen Welt Vom-Fass-Geschäfte geben. Damit er nicht alles selbst machen muss, entscheidet er sich für ein Franchisesystem. Offene Qualitätsweine oder -öle zu verkaufen, so überlegt er damals, erfordert nicht nur Wissen über die Produkte, sondern auch viel Engagement. Und die Motivation ist nun mal bei einem Ladenbesitzer, der gerade 60.000 bis 70.000 D-Mark in sein Geschäft investiert hat, viel größer als bei einem angestellten Filialleiter, davon ist er überzeugt. Kiderlen guckt, wo es McDonald’s-Restaurants gibt. Überall da will er auch ein Vom-Fass-Geschäft aufmachen.

Das, was Johannes Kiderlen seit 1994 geschaffen hat, beeindruckte die Jury des impulse-Preises Franchisegebr des Jahres“, der dieses Jahr bereits zum 20mal verliehen wird. „In der Schule hätte Herr Kiderlen eine Eins plus mit Sternchen bekommen“, sagt etwa Jurymitglied Holger Schwabe von der KfW-Bank. Bei dem Wettbewerb zählen unter anderem Kriterien wie die Zufriedenheit der Franchisenehmer, die Expansionskraft und der wirtschaftliche Erfolg. Mittlerweile liegt der Umsatz der Vom Fass AG bei 22 Millionen Euro. Und neben den 50 Mitarbeitern im Allgäu – dort wird produziert – leben auch über 240 Franchisenehmer und ihre Angestellten von der Vom-Fass-Idee. „Mich hat aber vor allem überzeugt, wie er sich mit Disziplin wieder aus der Krise gekämpft hat“, sagt Jurymitglied Jutta Kollberg vom Bundeswirtschaftsministerium.

„Die Krise“ erwischte das Unternehmen Anfang dieses Jahrtausends. „Wir sind da unseren eigenen Prinzipien untreu geworden“, so sieht es Johannes Kiderlen heute. „Wir haben damals viele Franchisenehmer akzeptiert, die nicht zu uns gepasst haben.“ Wenn man erfolgreich sei, sagt er, dann kämen eben auch Leute, die einfach nur Geld kassieren wollen. Kiderlen schließt einige Standorte, Vom Fass muss sich konsolidieren.

Expansion ins Ausland

Mittlerweile gibt es Vom-Fass-Läden in Taiwan, Mailand, New Orleans, insgesamt sind es rund 100 Geschäfte außerhalb Deutschlands. „Expansion ins Ausland, das klingt leicht“, sagt Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbands. „Aber man kann nicht einfach ein deutsches Konzept eins zu eins ins Ausland übertragen.“

Auch Kiderlen musste feststellen, dass das internationale Geschäft manchmal unberechenbar ist. Als seine Leute einen Laden in Singapur eröffnen, wollen sie den Kunden erklären, wie man aus Olivenöl Dressing macht. Doch die sagen: „Das kann man nicht essen. Das ist doch für den Kopf.“

Kiderlen, ganz Pragmatiker, stellt sich einfach auf solche Eigenheiten ein: „Da schmeißen sie alle Werbemittel weg und verkaufen denen das für die Haare.“

Mehr über den erfolgreichen Franchise-Geber erfahren Sie in der nächsten impulse-Ausgabe 6/2010 (ab 27. Juni im Zeitschriftenhandel)

Franchisegeber des Jahres
Bereits zum 20. Mal verleiht impulse den wichtigsten Preis der Branche und kürt das beste Franchisesystem 2010. Die Bewertung basiert auf einer Befragung der Franchisegeber sowie Einschätzungen von Experten. Die Jury achtet auf die Nachhaltigkeit der Konzepte (Erfahrung, Zahl der Partner, Umsatz), auf deren Zukunftsfähigkeit (Idee, Wettbewerbsdichte, Attraktivität, Verdienstchancen) und auf die Dynamik (Wachstum, Expansionschancen für Partner). Wichtig ist auch die Zufriedenheit der Franchisenehmer.
Jury
Acht Mitglieder bewerteten die Bewerbungen: Martin Ahlert, Geschäftsführer des Internationalen Centrums für Franchising & Cooperation (F&C) an der Uni Münster, Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise Verbands (DFV), Dieter Fröhlich, DFV-Präsident, Antonia Götsch für impulse, Marco Hero, Franchisefachanwalt, Friederike von Kempis, Leiterin des Referats, IIA2- Handel und Werbewirtschaft im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Stefan Mecking von Mobilcom-Debitel und Holger Schwabe, KfW Bankengruppe.

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