Diverses Der Luxus der Langsamkeit

Das Chefauto in dieser Ausgabe ist eine Kutsche - mit mechanischen Antrieb und im Original-Design von vor hundert Jahren. Die Aagland'sche Kutschhalterei bietet Liebhabern von gemächlichem Reisen Landpartien durch die Fränkische Schweiz an.
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Die topographischen Verhältnisse der Fränkischen Schweiz mit vielen, auch extremen Steigungen und die hohen Anforderungen zum Führen und Beherrschen eines Pferdegespannes haben zur Idee einer mechanisch angetriebenen Kutsche geführt. In der ältesten Karosserie der Welt müssen Sie dennoch nicht auf wichtige technische Annehmlichkeiten der heutigen Automobiltechnologie verzichten. So gibt es beispielsweise eine moderne Navigationshilfe, damit Sie auf den kleinen Nebenstraßen und verschlungenen Feld- und Waldwegen nicht die Orientierung verlieren.

Anstatt mit einem Lenkrad wird der Aaglander mit zwei starren Leinen geführt. Mit diesem ganz eigenständigen Lenksystem wird ein unverwechselbares Fahrgefühl geschaffen, das ein besonders bequemes Führen des Aaglanders bietet. Dabei kann der Fahrer das erhabene Gefühl genießen, als ob er ein herrschaftliches Pferdegespann führt.

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Die Kutsche wird von einem robusten Dieselmotor mit 14,9 kW (20 PS) angetrieben. Durch die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf unter 20 km/h und dem großen Durchmesser der vollgummibereiften hinteren Antriebsräder von 110 Zentimetern wurde eine spezielle Getriebekonstruktion erforderlich. Mit einer Gesamtuntersetzung von etwa 1:70 besitzt der Aaglander deshalb ein gewaltiges Drehmoment, so dass auch große Steigungen problemlos bewältigt werden können.

Der kleine und wendige Aaglander-Duc hat eine relativ offene Bauweise mit zwei Sitzplätzen, die man durch den breiten Einstieg bequem erreicht. Seine elegante Form und Bauweise ist angelehnt an das klassische Vorbild des leichten Sommerwagens, der als „Capriolet à la Domont“ sehr beliebt war und als Vorläufer des Cabriolets gilt.

Der Aaglander-Mylord hat vier Sitzplätze und den „Strapontin“, der als Notsitz oder Fußauflage genutzt werden kann. Auch das historische Vorbild des Mylord wurde vor allem von den Damen der Gesellschaft wegen seiner offenen Bauform sehr geschätzt – war doch die feine Garderobe für jedermann sichtbar.

In knapp einem Jahr aufwendiger Entwicklungsarbeit ist es dem Team der Aagland Manufaktur Schloss Kühlenfels gelungen, die Idee von der Motorkutsche technisch erfolgreich umzusetzen. Ein Schwerpunkt bei der Entwicklung war neben der Erarbeitung von technischen Lösungen wie beispielsweise Antrieb, Bremsen, Lenkung sowie der gesamten Elektrik vor allem die Integration von moderner Technik in die Formensprache einer klassischen Kutsche.

Bei aller Begeisterung für das historische Erscheinungsbild einer Kutsche gab es bei der Entwicklung des Aaglanders in Sachen Sicherheit keine Kompromisse. Nicht zuletzt deshalb erfolgte am Ende die Zulassung zum Fahren im öffentlichen Straßenverkehr.

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