Diverses Der neue BDI-Präsident – ganz allein in Berlin

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur© Michael Dannenmann

Eigentlich ist Peter Keitel perfekt für den Job als BDI-Chef: Der designierte Thumann-Nachfolger gilt als guter Analyst, erfahrener Krisenmanager und Mann der offenen Worte. Trotzdem wird er an der Spitze des mächtigen Wirtschaftsverbandes scheitern, glaubt Gerd Kühlhorn, stellvertretender impulse-Chefredakteur. Warum? Weil es in Berlin niemanden zum Verhandeln gibt.

Ein Wirtschaftslobbyist ist Ansprechpartner. Wenn aber im Parlament kaum mehr Politiker sitzen, die verstehen, wie Unternehmer denken und was sie brauchen, dann hat der Lobbyist ein Problem: Ihm fehlen Gesprächspartner, ihm fehlt der Resonanzboden für seine Arbeit. Das hat der scheidende BDI-Präsident Jürgen Thumann erfahren müssen, und das wird auch der neue BDI-Präsident erleben. Der frühere Chef des Baukonzerns Hochtief, Peter Keitel, wird trotz seiner hochgelobten Sachkenntnis und seiner rhethorischen Fertigeiten einen schweren Stand haben. Keitel hat gute Drähte zu den wichtigen Politikern in Berlin und sein Wort hat bei Ihnen großes Gewicht. Selbst die Kanzlerin schätzt den Rat des klugen Analysten, der klare Worte nicht scheut.

Kurz – der Mann hat etwas zu sagen, und was er sagt, zeigt Wirkung. Dennoch wird Keitel es schwerer haben als alle seine Vorgänger. Denn er trifft in Berlin derzeit auf eine Situation, wie es sie so wohl noch nicht gab in der jüngeren Parlamentsgeschichte. Als hätten sie sich miteinander verabredet, haben sich die wichtigsten Wirtschaftspolitiker von Union, SPD und Grünen aus der Politik zurückgezogen oder bereiten den Rückzug vor. Friedrich Merz, Matthias Wissmann, Hildegard Müller oder demnächst auch Reinhard Göhner von der Union und jüngst kommt der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD, Rainer Wend, hinzu, dessen Weggang sogar die Union beklagt. Und auch fast die gesamte Riege der Wirtschaftspolitiker der Grünen um Metzger und Co, die sich fraktionsübergreifend eine hohes Renommee erarbeitet hatten, haben dem Parlament den Rücken gekehrt. Das ist nicht nur schlecht für den neuen Cheflobbyisten der Wirtschaft. Das ist schlecht für die Wirtschaft.

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