Diverses Der neue Deal

Wenn Unternehmerfamilien Vermögen richtig disponieren, muss das Finanzamt private Schulden mitbezahlen.

Wer Betriebsvermögen oder Immobilien in der Familie zügig
weiterreicht, spart doppelt. Zunächst Schenkung- und
Erbschaftsteuer. Neuerdings ist zusätzlich eine kräftige
Ersparnis bei der Einkommensteuer drin. Dafür sorgt ein Erlass
aus dem Bundesfinanzministerium (Aktenzeichen IV C 2 – S
2230 – 46/06). „Damit zieht Berlin endlich die Konsequenzen
aus Bundesfinanzhof-Urteilen zugunsten der Steuerzahler“,
sagt Michael Fromm, Steueranwalt und Nachfolgeexperte aus
Koblenz.

Davon profitieren überwiegend Unternehmerkinder, die von
ihren Eltern im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge
gleich mehrfach bedacht werden. Und die dafür entweder die
Geschwister auszahlen oder Schulden der Eltern übernehmen.

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Kosten sortieren

Klassischer Fall: Der Vater schenkt dem Sohn die Firma und
Grundvermögen („Gemischte Schenkung“). Zum Ausgleich
überweist der Juniorchef seiner Schwester eine ordentliche
Abfindung. Solche Ausgleichszahlungen gelten steuertechnisch
als Anschaffungskosten, die das beschenkte Kind für die
einzelnen Vermögensteile aufwendet. Genau das Gleiche gilt für
die übernommenen Schulden der Eltern. Und diese
Anschaffungskosten lassen sich bei der Einkommensteuer jetzt
besser absetzen als in der Vergangenheit. Nicht auf einen
Schlag, wie man sich das meist wünschen würde. Sondern wie
bisher über mehrere Jahre verteilt. Aber: In welcher Höhe und
wie zügig die Kosten absetzbar sind, hat die
Unternehmerfamilie jetzt weitgehend selbst in der Hand. Denn
sie kann frei bestimmen, welche Vermögensteile das
beschenkte Kind „bezahlt“ hat, wo also neue
Anschaffungskosten entstanden sind. Und die sind zu den­
selben Abschreibungskonditionen absetzbar wie die
ursprünglichen Anschaffungskosten der Eltern. Experte Fromm:
„Das eröffnet neue Gestaltungsmöglichkeiten.“

Vermögenstransfers nach dem Strickmuster der gemischten
Schenkung behandelten die Finanzämter bisher nach Schema
F. Dazu summierten die Beamten zunächst auf, was das
Unternehmerkind tatsächlich bekommen hat. Und zwar zu den
marktüblichen Preisen (Verkehrswert). Anschließend verteilten
sie Ausgleichszahlungen oder Schulden im Verhältnis der
Verkehrswerte auf die einzelnen Vermögensteile. Beispiel: Die
Eltern übertrugen dem Sohn insgesamt 1,5 Millionen Euro
Vermögen. Und zwar die Firma mit einer Million Euro
Verkehrswert (zwei Drittel) und das Einfamilienhaus mit
500.000 Euro Verkehrswert (ein Drittel). Im Gegenzug
übernahm der Junior 600.000 Euro Schulden der Eltern. Davon
sortierte das Finanzamt 400. 000 Euro (zwei Drittel) als neue
Anschaffungskosten der Firma zu, 200.000 Euro (ein Drittel)
dem Einfamilienhaus. Fatale Folge: Auf diese Weise waren
200.000 Euro bei der Steuer für immer verloren. Weil es sich
um neue Anschaffungskosten für das Einfamilienhaus handelt –
und die sind generell nicht absetzbar.

Genau so gehen die Finanzämter auch heute und demnächst
vor. Es sei denn, Eltern und Kinder legen fest, wo sie
Ausgleichszahlungen oder Schulden zuordnen wollen: dort, wo
sie komplett und möglichst schnell absetzbar sind. „Wenn das
im Schenkungsvertrag steht, sind die Vorteile sicher“, erklärt
der Düsseldorfer Steuerberater Stefan Kuck von Hemmelrath &
Partner.

Das bietet ungeahnte Spar-Chancen. Wenn etwa der Vater das
rundum modernisierte und hoch verschuldete Eigenheim
zusammen mit einem Mietshaus überträgt und die Tochter die
Bankdarlehen übernimmt. Macht die Familie aus dem
Modernisierungskredit neue Anschaffungskosten für das
Mietshaus, sind die über 50 Jahre verteilt absetzbar. Anwalt
Fromm: „So bezahlt das Finanzamt sogar private Schulden
mit.“

Dieser Dreh funktioniert oft noch besser, wenn neben privaten
Immobilien und Schulden die Firma auf Sohn oder Tochter
übergeht. Dann schlägt man die Verbindlichkeiten am besten
voll der Firma zu. Konsequenz: Die privaten Schulden erhöhen
als neue Anschaffungskosten die einzelnen Positionen auf der
Aktivseite der Firmenbilanz. Die aufgestockten Bilanzwerte
bedeuten höhere Abschreibungsbeträge – und zwar für die
kurze Restnutzungs­dauer etwa von Maschinen, Anlagen oder
Fahrzeugen. Und damit lassen sich Gewinn und Steuern der
nächsten Jahre trefflich drücken.

Verteilt der Seniorchef Betriebsvermögen, sollte er freilich bis
zum 56. Lebensjahr warten. Dann zahlt er für stille Reserven
(Veräußerungsgewinne) nur etwas mehr als den halben
Steuersatz (bis zu 25,2 Prozent). Berater Kuck: „Dann rechnet
sich der neue Deal richtig.“

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