Diverses Der Präsident und das Monster

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse© Rudolf Wichert

Was treibt Bundespräsident Horst Köhler um? Die Finanzmärkte bezeichnet er im "Stern"-Interview als "Monster, das in die Schranken gewiesen werden muss." Und die hohen Vergütungen für einzelne Finanzmanager seien bizarr. Will Köhler damit nur in der SPD punkten, fragt Alexander Mayerhöfer, Ressortleiter Management.

Es gibt schlaue Menschen, die sind davon überzeugt, dass es im Leben keine Zufälle gibt. Wenn das stimmt, hat Bundespräsident Horst Köhler seinem Amt und Ruf gerade einen Bärendienst erwiesen. Kaum startet die SPD die Komödie „Gesine Schwan – Reloaded“ und droht mit einer eigenen Kandidatin bei der Präsidenten-Wahl in einem Jahr, schon schwenkt das Staatsoberhaupt auf SPD-Positionen ein, die vielleicht Stimmen bringen – fragt sich nur wo. Zufall?

Dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier von der SPD den Dalai Lama in diesen Tagen nicht treffen will, ist schon fast keine Überraschung mehr. Dass aber Köhler als oberster Repräsentant unseres Staates, als mutiger Kritiker der Politik wegen angeblicher Terminschwierigkeiten ebenfalls ein Treffen ablehnt? Die CDU-Kanzlerin hat hier mehr Rückgrat bewiesen. Zufall?

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Und jetzt Köhlers frontaler Angriff auf das deutsche Bankensystem, den er im „Stern“-Interview startet? Er vermisse „ein klar vernehmbares mea culpa der Banker“, die Branche habe „kaum noch Bezug zur Realwirtschaft.“ Die Finanzwelt habe sich „mächtig blamiert“, und außerdem sei klar, dass sich „die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss.“ Gerade aus dem Mund eines weltgewandten früheren Direktors des Internationalen Währungsfonds klingt das nach populistischen Giftpfeilen, die bislang nur das linke SPD-Lager und die Lafontaine-Truppen abfeuern. Zufall?

Sicherlich kein Zufall ist es, dass sich acht von zehn Deutschen Horst Köhler auch in den kommenden Jahren als unseren Bundespräsidenten wünschen, darunter sehr viele Unternehmer. Weil er die Dinge beim Namen nennt und dennoch sachlich ist, weil er über den Parteien schwebt und dabei stets auf dem Boden geblieben ist – bislang jedenfalls.

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