Diverses Der rasende Rapper

Smudo ist mit seiner Band "Die Fantastischen Vier" nicht nur einer der bekanntesten deutschen Musiker, sondern auch erfolgreicher Unternehmer. Seine Leidenschaft gilt dem Motorsport. Und damit ist er unter Deutschlands Firmenchefs nicht der Einzige.

Sonnentage sind am Nürburgring so rar wie Regen in der Sahara – auch jetzt im Mai. Vor dem Start des 24-Stunden-Rennens hat es tagelang geschüttet. Plötzlich – kurz vor Beginn der Einführungsrunde – helle Streifen am Horizont: Smudo riskiert alles und wechselt auf so genannte Intermediates, Allroundreifen, die etwas Nässe wegstecken. Verzockt! Langsamere Regenreifen wären die bessere Wahl gewesen, denn noch in der Einführungsrunde zwingt ein Wolkenbruch den deutschen Rap-Star an die Box. Die Ampel springt auf Rot, Smudo flucht: Jetzt muss er als Letzter starten.

Das erfolgsverwöhnte Bandmitglied der „Fantastischen Vier“ ging somit als 217. ins Rennen. So viele Teams waren in diesem Jahr beim 33. ADAC-Zürich-24-Stunden-Rennen durch die „grüne Hölle“, wie der Nürburgring auch respektvoll genannt wird, dabei: Profi-Fahrer, Semi-Professionals und Rennsportfreaks – vom Bäckermeister über den Börsenmakler bis zum Stahlhändler. Und mittendrin Smudo (bürgerlich Michael Schmidt) als Crew-Mitglied des Four-Motors-PR-Rennstalls. Im Cockpit: Eigentümer Thomas von Löwis of Menar (Der fliegende Baron) und die Profis Rudi Seher und Thorsten Stadler.

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Maximal vier Fahrer dürfen pro Team über die 25,378 Kilometer lange Nordschleife inklusiv Grand-Prix-Strecke preschen. Nach spätestens zweieinhalb Stunden und bei jedem Boxenstopp ist Fahrerwechsel. Smudo, der sich mit Krafttraining und Joggen fit hält, lässt sich von seinem Physiotherapeuten durchkneten. Was er nicht mag, sind die Nachtfahrten. Dann müssen die Teamkollegen ran.

„Ich liebe die frühen Morgenstunden, wenn der Ring aufwacht, die Schnapsleichen an die Leitplanken heranrollen und die Rauchschwaden der Grillfeuer über die Strecke ziehen.“ Was Smudo beschreibt, ist das woodstock­ähnliche Flair des Rennens, das er inzwischen zum vierten Mal erlebt: Für die etwa 200 000 angereisten Fans ist das Spektakel eine „Vier-Tage-Motorsport-Party“ mit Zelt, Kumpels und reichlich Alkohol.

Auch für Smudo steht keine Vier-Sterne-Herberge zur Verfügung. Er kampiert mit seiner Crew im sieben Kilometer entfernten „Gasthaus Weber“, einer mit Devotionalien des Rennsports vollgestopften Pension. Um 22 Uhr geht er ins Bett, schläft bis 4.30 Uhr und geht um fünf Uhr an den Start. Neben seiner Lieblingsausfahrt am Morgen absolviert er – aus PR-Gründen – grundsätzlich auch immer Start und Finale.

Darauf achten natürlich seine Sponsoren: Spielekonsolenhersteller Playstation 2, Reifenproduzent Kumho Tires sowie UFOP. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die Union zur Förderung von Öl und Proteinpflanzen, denn Smudo jagt mit einem rapsölbetriebenen, blau-gelben VW-Beetle über die Rennstrecke. Für den 37-jährigen Hamburger ein ganz besonderer Reiz. „Mein Ansporn liegt darin, das Beste aus dieser ungewöhnlichen Kombination von Technologie und Flowerpower heraus­zuholen“, sagt er.

Sein 200 PS starker Bio-Käfer stinkt bei laufendem Motor wie eine vollgeräucherte Frittenbude. Doch die meisten Spötter sind inzwischen verstummt. Denn das Beetle-Team erfuhr sich bei den letzten Rennen beachtliche Platzierungen. Seine Entscheidung für die Langstrecke hat Smudo nie bereut: „Da habe ich gute Chancen, weil dort Taktik und Psychologie eine große Rolle spielen.“ Er mag keine Sprintstrecken, wo gleich am Anfang die Entscheidung fällt. „Ich liebe es, jedes Mal noch ein paar Zentimeter später zu bremsen und zu merken, wie das Auto reagiert.“

Auch außerhalb der Piste gilt Smudo nicht als ein Hauruck-Hallodri. Seine 1996 mit Bandkollegen gegründete Four Music GmbH gilt inzwischen als das erfolgreichste unabhängige deutsche Plattenlabel. Smudo sitzt nicht nur als Hip-Hop-Star, sondern auch als Unternehmer längst in der Pole-Position. Neben der kompletten Vermarktung der „Fantastischen Vier“ betreibt sein Berliner Entertainment-Unternehmen das gesamte Business für etwa 25 andere Bands und Künstler: Plattenproduk­tion, Musikverlag und Tournee­management.

So ungewöhnlich wie Smudos unternehmerischer Weg im Musikgeschäft ist auch sein Werdegang zum Motorsport­ler. Den ersten Kick holt er sich als begeisterter Video­spielzocker an Fahr­simulatoren. „Auf original kopierten Rennstrecken habe ich meine Reflexe geschult“, erklärt der Entertainer. Durch Daddeln daheim wird er nicht nur an seiner Spielekonsole schneller, sondern verbessert seine Zeiten auch auf der Kartstrecke. Für Aufsehen sorgt er bei einem Promi-Rennen in der Köln­arena, wo er alle Konkurrenten an die Wand fährt. So angestachelt, erwirbt Smudo 1999 bei der Zakspeed-Rennfahrerschule am Nürburgring die Interna­tionale C-Lizenz.

Smudos Herausforderungen in der nächsten Zeit liegen wieder auf der Rennstrecke in der Eifel. Die Langstreckenserie sieht dort noch weitere acht Rennen vor. Sein Wunsch nach besserem Wetter ist nach dem verregneten Start im Mai verständlich – hat aber auch noch einen anderen Hintergrund: Smudo hat gerade ein Pilotenbrevet erworben und ist Besitzer einer viersitzigen Beech Bonanza, mit der er zum nächsten Rennen gerne einschweben möchte.

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