Diverses „Der Staat korrumpiert die Menschen“

In seinem neuesten Buch wagt sich der renommierte Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger erstmals auf politisches Terrain. Erneut präsentiert er sich als Querdenker.

impulse: Herr Sprenger, Ihr Buch
heißt „Der dressierte Bürger“. Sind wir so unmündig?

Sprenger: Aus meiner Sicht ja. Aber Sie werden dazu auch erst gemacht.

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Inwiefern?

Durch einen überregulierenden Staatsapparat,
der den Menschen suggeriert, dass sie nicht selbst entscheiden können,
was für ihr Leben richtig ist. Wir
sehen uns Politikern gegenüber, die
glauben, alles im Namen des Gemeinwohls
und der Fürsorge lenken zu
müssen. Der Umgang etwa mit dem
Rauchen, dem Kinderkriegen oder der
Umwelt darf nicht in der Verantwortung
des Einzelnen liegen. Nein, er
muss durch finanzielle Anreize, Abgaben
und Steuern geregelt werden. So
werden die Menschen entmündigt und
gegängelt.

Aber jeder kann doch selbst
entscheiden, was er tut?

Genau da liegt das Problem. Uns wird
eine vermeintliche Freiheit vorgegaukelt.
Ohne die Lenkungseingriff e des Staats
würden wir aber anders handeln. Das
allerdings ist nicht erwünscht. Der Staat
will uns ja gerade durch Anreize verführen,
etwa Kinder zu kriegen, Auto zu
fahren oder in Windkraft räder zu investieren.
Er will seine volkspädagogischen
Ziele erreichen und gleichzeitig die Löcher
in den Staatskassen stopfen. Weil
die Politiker ihre Macht aber auf freundliche
Weise sichern wollen, greifen sie oft
nicht zum direkten Zwang, sondern
schaff en auf sanft e Art Vorgaben, zwischen
denen die Bürger dann wählen
sollen. Man könnte das auch Sozialismus
im demokratischen Gewand nennen.

Was schlagen Sie vor?

Ich halte eine Verfassungsänderung für
notwendig. Wir dürfen uns nicht mehr
als Sozialstaat defi nieren. Denn das ist
die Erlaubnis für den Staat, die Bürger zu
lenken und zu enteignen. Die Gesellschaft
ist über das so genannte Solidar-
System so gebaut, dass jeder mit der
Hand in der Tasche des anderen lebt.
Das Fehlverhalten anderer wird dadurch
zu meinem Problem, das ich bezahlen
muss. Also entwickelt man selber ständig
wachsende Ansprüche. Und so fehlt
letztlich das Geld für jene, die sich wirklich
nicht selber helfen können. Der
Staat korrumpiert seine Bürger.

Was heißt das konkret?

Strukturelle Maßnahmen sind unausweichlich.
Wir können und müssen den Menschen viel mehr Verantwortung für ihre Lebensführung überlassen. Konkret: Wir müssen den Staat zurückdrängen, die Bürokratie abbauen, die Lenkungsnormen aus dem Steuerrecht entfernen und die Subventionen abschaffen.

Wir müssen die kleinen Einheiten wieder beleben, das Lokale, die Nachbarschaft. Wir müssen die Selbständigkeit
erleichtern. Wir müssen den Abschluss
von Arbeitsverträgen freigeben.
Hilfen dürfen in der Regel nur noch situativ
und zeitlich befristet gewährt werden.

Der Staat konzentriert sich auf den
Schutz des Rechts und der äußeren Sicherheit.
Er ist Methode, nicht Inhalt.
Wenn wir nicht eine wirklich freiheitliche,
das heißt reduzierte Politik machen,
werden wir zum Strandgut der Globalisierung
gehören.

Weitere Meldungen aus dem Politik-Magazin können Sie in der impulse-Ausgabe 03/2005, Seite 32, nachlesen.

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