Diverses Der Unternehmer und sein ewiger Funktionär

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Deutschland ist nicht das Land der Unternehmer. Sondern das Land der Unternehmerpräsidenten.

Verlangt ein Wirtschaftsminister aus dem Ausland nach einer Unterredung mit dem Repräsentanten der deutschen Wirtschaft, muss er sich zwischen den Präsidenten der 15 so genannten Spitzenorganisationen (darunter BDA, BDI und DIHK) oder für einen der Chefs der zehn wichtigsten Mittelstandsverbände entscheiden. Wir leisten uns 25 Fürsten, die keinen König über sich dulden. Und das kostet die Unternehmer im Lande unendlich viel mehr als die Mitgliedsbeiträge in den diversen Verbänden.

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Seit Jahren gehören die Unternehmer und Selbständigen zu den Verlierern fast jeder politischen Reform. Aktuell bürden ihnen die misslungene Unternehmensteuerreform, die drohende Erbschaftsteueränderung und der Gesundheitsfonds neue Kosten auf. Schuld daran sind nicht nur die Politiker, sondern auch die miserable Lobbyarbeit der Unternehmer. Immer dann, wenn in Berlin eigentlich die starke Stimme der Wirtschaft gefragt wäre, gehen die Anliegen der Firmenchefs in der Kakophonie der 25 Verbandsgranden unter.

Einen beträchtlichen Imageschaden verursacht diese Kleinstaaterei der Verbände auch im Ausland. Es ist eine Zumutung, dass die Bundeskanzlerin jeweils fast den kompletten Regierungsflieger mit allen möglichen Verbandsfunktionären vollpacken muss, wenn sie deutschen Unternehmern ausländische Märkte öffnen will. So gedrechselt die fremdsprachlichen Wendungen des Dolmetschers, wenn er von BDI, BDA oder DIHK spricht, auch sein mögen, verstehen tun ihn die Gastgeber nicht.

Der größte Schaden indes entsteht bei den Ränkespielen der Verbandsoberen, die sie nie auslassen, wenn es um machtvolle Posten geht. Und das Unterstützen von Mittelsmännern in den Parteien, die über ihre guten Netzwerke bis in die Präsidien der Parteien wirken könnten. Trauriger Höhepunkt dieser unappetitlichen Strategie des Stimmungskaufs ist der Fall Röttgen. Ein aktiver CDU-Abgeordneter als Hauptgeschäftsführer des BDI ist gut für den Verband. Aber nicht für die Unternehmer.

Was Unternehmer von ihren Repräsentanten in Berlin verlangen, ist nicht Mauschelei, sondern Rückgrat. Um der Politik aber aufrecht und kampfbereit gegenübertreten zu können, muss die Wirtschaft endlich mit einer Stimme sprechen. Die aktuelle Krise von BDA und BDI birgt die Chance, endlich einen einzigen Spitzenverband zu etablieren. Der ewige Funktionär Dieter Hundt und der ewige Zauderer Jürgen Thumann haben sich für diese Führungsrolle endgültig disqualifiziert.

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Klaus Schweinsberg, Chefredakteur

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