Diverses Deutsche Aktienwerte fallen weiter

Die dramatische Verschärfung der US-Finanzkrise reißt die Börsen weltweit in die Tiefe. Vor allem Titel der Kreditinstitute und Versicherer verlieren kräftig. Der Dax fiel zwischenzeitlich auf ein Zwei-Jahres-Tief. Besonders betroffen von der Lehman-Pleite: Privatanleger.

Panik an den Börsen: Nach den dramatischen Ereignisse in der US-Bankenbranche hat der Dax seine Talfahrt weiter beschleunigt – der Index fiel am Nachmittag um über 3,1 Prozent auf 5874 Punkte und notierte damit auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren. „Es sieht so aus, als breite sich jetzt Panik aus“, sagte ein Händler.

Einen drastischen Rückgang verzeichnete die Commerzbank, die 16 Prozent nachgab. Die Aktie kostete nur mehr 13 Euro, Anfang August lag der Preis noch bei rund 22 Euro. Aber auch andere Papiere verloren stark: Allianz minus 11 Prozent, Deutsche Postbank mit 10 Prozent, HypoRealEstate minus 9 Prozent und Deutsche Bank gaben 7 Prozent nach. Auch der MDAX verlor 1,94 Prozent, der TecDAX gab 2,73 Prozent nach.

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Das schlimmste überstanden?

Nach Ansicht vieler Experten allerdings haben deutsche Titel das Schlimmste wohl überstanden. Zwar sei auch bei den hiesigen Instituten noch mit weiteren Abschreibungen zu rechnen, sagte etwa der Bochumer Professor für Finanzierung und Kreditwirtschaft, Stephan Paul. Doch diese würden nicht mehr wesentlich höher ausfallen als die bisherigen. Und auch Wirtschaftsminister Michael Glos geht davon aus, dass es deutsche Kreditinstitute nicht so hart trifft. „Die Nachrichten aus den USA sind nicht gut. Unsere Banken sind aber besser aufgestellt“, sagte er. „Vor allen Dingen ist es auch so, dass unsere Wirtschaft inzwischen besser finanziert ist als in der Vergangenheit.“ Glos räumte jedoch ein, dass Deutschland unter einer nachlassenden globalen Nachfrage leiden könnte.

Zudem hoffen Marktteilnehmer auf leichte Entspannung von der US-Notenbank Fed: Diese will nach Handelsschluss in Europa über eine Zinssenkung entscheiden. Das Ergebnis der Sitzung wird um 20.15 Uhr deutscher Zeit erwartet. Bis zum Wochenende war die überwiegende Mehrheit an den Märkten der Überzeugung, dass sich daran in diesem Jahr nichts mehr ändern wird. Seit der Pleite von Lehman und dem Notverkauf von Merrill Lynch am Wochenende sind sich viele Börsianer aber nicht mehr sicher.

Lehman-Pleite: Privatanleger gehen leer aus

In Deutschland schauen nach der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers wohl vor allem Privatanleger in die Röhre. Denn während die Geschäftskunden der deutschen Lehman-Tochter auf eine Entschädigung für anvertraute Gelder hoffen können, sind Zertifikate der US-Bank, wie sie viele Privatanleger gekauft haben, nicht von Sicherungsfonds geschützt. „Unserer Schätzung nach haben Zehntausende Anleger in den letzten Monaten Lehman-Zertifikate gekauft. Sie könnten zum Schluss mit leeren Händen dastehen“, sagte Volker Pietsch vom Deutschen Institut für Anlegerschutz (DIAS).

Offenbarungseid des US-Finanzsystems

Mit Lehman Brothers hatte am Montag die viertgrößte Investmentbank an der Wall Street Gläubigerschutz beantragt. Zudem schluckte die Bank of America die US-Investmentbank Merrill Lynch. Daneben bat der einst weltgrößte Versicherer American International Group (AIG) Medienberichten zufolge die US-Notenbank Fed um kurzfristige Finanzhilfen in Milliardenhöhe.

„Das US-Finanzsystem hat den Offenbarungseid geleistet“, sagte Helaba-Aktienstratege Mirko Pillep. Markteilnehmer sprechen von einem schwarzen Tag für die Börse. Händlern zufolge flüchten die Investoren aus Finanzwerten und schichten in den Rentenmarkt um.
Weltweit fielen die wichtigsten Aktienindizes.

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