Diverses Deutsche auf der Flucht

Deutsche auf der Flucht

Ein Volk ist auf der Flucht vor seinem eigenen Staat. Erstmals seit 1998 steigt die Zahl der Auswanderer, und zwar gleich um acht Prozent auf 118000, die meisten davon gut ausgebildete junge Menschen.

Denn eine ganze Generation von künftigen Leistungsträgern sieht in Deutschland keine Perspektiven. Wer das Land nicht verlassen will oder kann, bringt zumindest sein Geld vor dem Staat in Sicherheit. Fünf Milliarden Euro fließen jährlich auf schwarze Auslandskonten, 300 Milliarden deponieren die Deutschen dort derzeit – aus Furcht vor einem Staat, dessen Steuerforderungen sie als nicht mehr gerecht empfinden.

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Noch viel mehr Menschen in diesem Land flüchten in eine Art innere Emigration, um sich aus den Fesseln des deutschen Sozialstaats zu befreien: Pro Jahr wechseln über 200000 zumeist Gutverdiener von der gesetzlichen in die private Krankenkasse, weil sie das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Staatskasse verloren haben. Parteien, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände – über Jahrzehnte Stütze und Korsett von Gesellschaft und Wirtschaft – beklagen einen dramatischen und nicht zu stoppenden Mitgliederschwund.

Und schließlich: Millionen von Menschen – Arbeitnehmer, Arbeitslose wie Selbständige – entziehen sich ganz oder teilweise jeglicher staatlichen Reglementierung, indem sie in die Schwarzarbeit abtauchen, inzwischen die größte Branche der deutschen Wirtschaft sowie die einzige, die Wachstum verzeichnet, und zwar kräftiges. Das ist das Ergebnis von mindestens zwei Jahrzehnten verschleppter Reformpolitik, gleich welche Regierung an der Macht war: Die Deutschen sind es schlicht leid, weiter darauf zu warten, dass sich in diesem Land irgendetwas bewegt.

Deshalb bewegen sie sich selbst, still und heimlich, mal in den Grauzonen des Gesetzes, mal jenseits des Gesetzes. Deshalb wächst von Tag zu Tag die Zahl derjenigen, die diesem Staat davonlaufen.

Die Reformpläne der Bundesregierung unter dem aktionistischen Titel »Agenda 2010« sind ein allzu zaghafter Versuch, diese Absetzbewegung aufhalten zu wollen. Das wichtigste Vorhaben der Agenda, die Steuerreform, gibt zwar den Menschen, was sich viele derzeit am meisten wünschen – etwas mehr Geld im Portemonnaie. Aber die Agenda verweigert ihnen, was sie am meisten brauchen – eine grundlegende Reform der überteuerten, verkrusteten und überkommenen Sozialsysteme.

Ein Wort in eigener Sache: impulse ist der große Gewinner der Allensbacher Werbeträger-Analyse 2003, der Bestseller-Liste, die einmal im Jahr die Reichweiten aller Zeitschriften erfasst. Ab sofort begrüßen wir 40000 neue Leser. Mit einer Gesamtreichweite von 330000 Lesern verzeichnet impulse einen Zuwachs von 14 Prozent – so viel wie kein anderes Wirtschaftsmagazin.

Thomas Voigt, Chefredakteur chefredaktion@impulse.de

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