Diverses Deutsche Firmen agieren zu umständlich und zu teuer

Franz Fehrenbach, der Autor des Schlusspunktes in impulse 04/2005, ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH in Stuttgart. Der weltgrößte Automobilzulieferer beschäftigt 242.500 Menschen, da von 110.700 allein in Deutschland, Tendenz steigend.

Der Standort Deutschland ist
mit Kritik allein nicht fit zu
machen. Zwar sind die Forderungen
nach besseren Rahmenbedingungen
hier zu Lande berechtigt. Aber von
anderen die Erfüllung ihrer Aufgaben
einzuklagen, ohne die eigenen in
der Wirtschaft wirklich gelöst zu haben
– davon halte ich nichts. Zuerst
einmal müssen Unternehmer ihre
Firmen für den internationalen Wettbewerb
fit machen.

Deutschland hat zwar klare Stärken:
qualifizierte Arbeitskräfte, ein
hohes Qualitätsbewusstsein und eine
große Innovationskraft. Aber das allein
reicht nicht mehr aus. Was wir
darüber hinaus brauchen, sind neue
Ideen, Ansichten und Einsichten,
wenn es um unsere Prozesse geht. Ob
Entwicklung, Beschaffung, Produktion
oder Vertrieb – auf allen Stufen
der Wertschöpfungskette sind unsere
Abläufe häufig zu komplex und aufwendig.
Wir agieren zu umständlich
und damit zu teuer.

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Dabei stecken in den Prozessen große Reserven und damit enorme Chancen.
Dass es auch schnell und einfach gehen kann, zeigen uns insbesondere erfolgreiche japanische Unternehmen. Von dort kommen Begriffe wie Lean-Production und Kaizen, die
längst auch in Deutschland in aller
Munde sind. Nicht überall allerdings
werden die Prinzipien konsequent
und durchgängig für die ganze Unternehmensorganisation
beherzigt.

Oft mals sind es nur schöne „Vorzeigelösungen“. Der Grundgedanke
lautet: Prozesse vereinfachen, Überflüssiges herausnehmen. Genau hier schlummert in
Deutschland ein riesiges Potenzial.
Um es ausschöpfen zu können, muss
man völlig umdenken, sich von
manch traditioneller Vorgehensweise
verabschieden, sich ständig erneuern
und anpassen. Wir arbeiten oft
mit einem zu hohen Kapitaleinsatz.
Außerdem meint so mancher, die
Lösung einzig in Produktionsverlagerungen
suchen zu müssen. Doch wenn wir unsere Prozesse nicht verbessern,
werden wir letztlich überall
auf der Welt Probleme haben.

Die eigenen Hausaufgaben anzugehen,
muss immer der erste Schritt sein.
Die Kraft der innovativen und effizienten Prozesse gilt nicht nur für die Produktion. Man muss schon in der Entwicklung ansetzen. Die Erfolgschancen eines Produkts lassen sich
nicht mehr nur an außergewöhnlichen
Eigenschaften messen.

Viel zu oft erfreuen
wir uns an technischen Raffinessen, ohne zuvor ihren wahren Kundennutzen
geprüft zu haben. Aus einem
falschen Selbstverständnis heraus
neigen wir zu Over-Engineering.
Dabei müssen wir uns in Zukunft
noch verstärkt um Produkte mit einem
vernünftigen Preis-Leistungs-
Verhältnis kümmern – nur so können
wir die künftigen Wachstumsgebiete
optimal bedienen.

Es gilt das Motto:
Technik allein ist noch kein Verkaufsargument.
Wir brauchen außerdem
in Deutschland häufig mehr Dynamik
und Fantasie, um die Vorteile von
neuen Produkten klar zu kommunizieren
und diese bestmöglich unseren
Kunden und den Verbrauchern zu
verdeutlichen.

Ineffiziente Abläufe sind die
größten Feinde der Wettbewerbsfähigkeit.
Es sind Gegner, die nur
wir selbst bekämpfen können. Wir
müssen als Unternehmer Verantwortung
übernehmen und tatkräftig
anpacken. Doch das reicht nicht aus,
um den Standort Deutschland wieder
weit nach vorne zu bringen. Allein
können es die Unternehmen
nicht stemmen.

Dazu müssen sich zusätzlich
wichtige Rahmenbedingungen in
Deutschland ändern, und zwar weit
über die bisherigen Reformansätze
hinaus. Ziel aller Reformanstrengungen
muss letztendlich sein, Leistungsfähigkeit
und Leistungsbereitschaft
auf breiter Front zu fördern
und zu fordern.

Darauf hinzuweisen
ist das Recht und die Pflicht gerade
jener Unternehmer, die ihre eigenen
Prob leme beherzt angehen.
Wenn wir aber unsere Hausaufgaben
machen, dann haben wir auch
das Recht, deutlich zu machen, was
sich an den Rahmenbedingungen
hier zu Lande zur Verbesserung der
internationalen Wettbewerbsfähigkeit
ändern muss.

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