Diverses Deutschland stürzt in die Rezession

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Die deutsche Wirtschaftsleistung schrumpft: Zum ersten Mal seit fünf Jahren befindet sich Deutschland in der Rezession. Ausgerechnet der sonst so starke Export schwächelt - und eine Erholung ist nicht in Sicht.

Von Juli bis September sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent zum Vorquartal zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Damit sank das Bruttoinlandsprodukt das zweite Quartal in Folge, was nach gängiger Definition als Rezession gilt. Das hatte es zuletzt 2003 gegeben.

Volkswirte zeigen sich wenig überrascht

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Ökonomen hatten die Entwicklung vorausgesehen. Sie rechnen auch mit einer Fortsetzung der Talfahrt: Der Internationale Währungsfonds sagt für 2009 eine schrumpfende Wirtschaftsleistung von 0,8 Prozent für Deutschland voraus. Der Industrie brechen massenweise Aufträge weg, und der Exportmotor stottert wegen des weltweiten Abschwungs. Auch die Produktion brach im September ein.

Da alle Indikatoren für eine Rezession sprachen, reagierten Volkswirte wenig erstaunt auf die Daten des Statistikamtes. „Wir haben es schwarz auf weiß, die Rezession ist da“, sagte Sebastian Wanke von der Deka-Bank.

Erholung erst Mitte 2009 wahrscheinlich

Wachstumsimpulse kamen im abgelaufenen Quartal lediglich von der Binnennachfrage, teilte das Statistikamt mit. Die Privathaushalte und der Staat hätten ihre Konsumausgaben leicht gesteigert. Zudem bauten die Firmen ihre Lager auf. Der Außenhandel hingegen bremste die Wirtschaftsentwicklung, da die Importe stark zulegten, die Exporte sich aber gleichzeitig abschwächten. Ausführliche Ergebnisse legt das Amt am 25. November vor.

Die meisten Experten erwarten, dass sich die Konjunktur auch in den kommenden Monaten nicht aus ihrem Tief befreien kann. Wann die Wende zum Besseren eintritt, ist noch ungewiss. Die fünf Wirtschaftssachverständigen sagen für das kommende Jahr eine Rezession voraus, aus der sich die Wirtschaft erst ab Mitte 2009 langsam lösen könne. Auch andere Ökonomen rechnen frühestens in der zweiten Jahreshälfte mit einer Erholung.

Kritik am Konkunkturpaket

Die Bundesregierung will mit einem Konjunkturpaket gegensteuern. Mehr als acht Milliarden Euro sollen Bund und Länder die Hilfe für die Wirtschaft kosten. Der Sachverständigenrat hält das für zu wenig: Die sogenannten Wirtschaftsweisen empfehlen einen Mix aus öffentlichen Investitionen und Steuersenkungen in einem Volumen von bis zu 25 Milliarden Euro.

2008 wird die Wirtschaft noch wachsen: Für das Gesamtjahr 2008 erwarten die meisten Experten wegen des starken Jahresbeginns ein Wachstum von etwa 1,7 Prozent. Im dritten Quartal lag die Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die Statistiker revidierten den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für den Jahresauftakt 2008 leicht nach oben auf 1,4 von 1,3 Prozent. Zudem schrumpfte das BIP im zweiten Quartal mit 0,4 Prozent etwas weniger als ursprünglich angenommen. Zuvor war man von minus 0,5 Prozent ausgegangen.

Weitere Informationen
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