Diverses Deutschlands beste Ausbilder

Engagiert, innovativ oder auch besonders traditionell - ganz egal. Hauptsache außergewöhnlich und erfolgreich. Wer 2007 den Titel "Ausbildungsass" bekam und warum - impulse gibt einen Überblick.

Platz eins in der Kategorie „Industrie, Handel und Dienstleistung“ geht an die Walter Söhner GmbH in Schwaigern. Die Jury würdigt damit das außerordentliche und besonders kreative Engagement des Unternehmens für seine 38 Lehrlinge – darunter Industriekaufleute, Feinmechaniker, Verfahrensmechaniker und Mechatroniker.

Was die Jury besonders angesprochen hat, war die Idee des Unternehmens, Schauspielunterricht zum festen Bestandteil der Ausbildung zu machen. Die Auszubildenden sollen so lernen, ihre Angst vor Neuem und Ungewohnten zu überwinden, frei zu sprechen und Verantwortung zu übernehmen.

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„Nach anfänglichen Widerstand“, so heißt es in der Bewerbung, „entdeckte die Gruppe Spaß am Theaterspielen“ und hat schließlich mit der Aufführung des Stücks „Der Club der toten Dichter“ ihr Meisterstück abgeliefert. Unter den Auszubildenden hat sich durch die gemeinsamen Proben ein starker Zusammenhalt entwickelt, unabhängig von ihrer Ausbildung haben alle das Gefühl, eine große Herausforderung exzellent gemeistert zu haben.

Platz zwei für echte Partnerschaft

Den 2. Preis in dieser Kategorie hat die Jury der Auto-Scholz-AVS GmbH & Co. KG in Sulza-Jena verliehen. Für die Jury überzeugend waren der partnerschaftliche Umgang mit den Auszubildenden, ihre überzeugende Einbindung in das Unternehmen und ihre gezielte Förderung.

Die Firma Auto-Scholz-AVS GmbH & Co. KG beschäftigt insgesamt 343 Mitarbeiter, darunter rund 78 Auszubildende, von denen in jedem Jahr 60 bis 70 Prozent übernommen werden. Zentrales Element der Ausbildungsphilosophie der Auto-Scholz-AVS GmbH & Co. KG ist das Anspornen zu eigenverantwortlichem Handeln. So präsentieren Auszubildende ihr Unternehmen in Schulen, auf Ausbildungsmessen und bei Firmenrundgängen, werben für die Ausbildung, übernehmen die Organisation der Vorstellungsgespräche der neuen Auszubildenden und erstellen die Mitarbeiterzeitung.

Bronze für die richtige Auswahl

Der 3. Preis in der Kategorie Industrie, Handel, Dienstleistung geht an die BW Bildung und Wissen Verlag und Software GmbH in Nürnberg.

Besonders imponiert hat der Jury die Suche nach dem „gesunden Mix“ bei der Auswahl der Bewerber, bei der sich das Unternehmen auch über starre Kriterien hinwegsetzt. So zählen bei der BW Bildung und Wissen, einem mittelständischen Fachverlag, nicht ausschließlich Schulnoten, sondern der Gesamteindruck und die Begeisterungsfähigkeit eines Bewerbers. Der Verlag setzt dabei auf eine Mischung aus leistungsstarken und leistungsschwächeren Schülern, bindet auch junge Menschen mit Migrationshintergrund, Lernschwächen oder Behinderungen ein und stellt das soziale Lernen im Team in den Mittelpunkt. Mit einem umfangreichen Begleitprogramm und eigenen Azubi-Projekten werden die Jugendlichen schnell an die Übernahme von Verantwortung und an das Projektmanagement herangeführt. Besonders zu erwähnen ist dabei der „Kalender von und für Azubis“.

Vorbildfunktion für die Region

Der 1. Preis in der Kategorie Handwerk geht in diesem Jahr an die Feinbäckerei Thiele GmbH in Göttingen. Für die Jury war der Ansatz des Unternehmens überzeugend, den Fach- und Führungskräftemangel im eigenen Unternehmen durch einen strategischen Ausbau der eigenen Ausbildungstätigkeiten erfolgreich zu beheben.

So hat sich die Bäckerei Thiele gezielt als attraktiver Ausbildungsbetrieb bei Schulen, Messen und anderen Partnern ins Gespräch gebracht. Bei der Bewerbersuche ist man auch gezielt auf benachteiligte junge Menschen zugegangen. Gleichzeitig wurden neue Ausbildungsberufe im Unternehmen eingeführt. Junge Mütter werden in Kooperation mit der Volkshochschule Göttingen in Teilzeit ausgebildet. Die Bäckerei Thiele hat damit für die Region eine Vorbildfunktion- und hat anderen Unternehmen Mut zum Nachahmen gemacht.

Platz zwei für gezielte Förderung

Mit dem 2. Preis hat die Jury die Bauer Elektroanlagen GmbH Halle ausgezeichnet.

Die Jury hat diese Entscheidung vor allem vor dem Hintergrund getroffen, dass es dem Unternehmen Bauer gelingt, bei einer hohen Ausbildungsquote von etwa 20 Prozent ihre Auszubildenden gezielt zu fördern und die Ausbildung als „Einstieg in den beruflichen Aufstieg“ zu sehen. Hinzu kommt, dass die Firma Bauer Elektroanlagen die Auszubildenden gezielt auf die Übernahme von Verantwortung und die Durchführung von Projekten vorbereitet. Hierzu dient unter anderem die virtuelle Firma „Technikhaus“.

Ausgezeichnet für den Erhalt von Traditionen

Den 3. Preis erhält die Schmiedeinnung Chemnitz für ihr Engagement zum Erhalt des klassischen Berufs „Schmied“.

Nachdem sich nach der Umstellung des Ausbildungssystems im Zuge der Wiedervereinigung abzeichnete, dass viele Handwerksbetriebe nicht weiter ausbilden würden, hat die Innung beschlossen, aus eigenen Mitteln die Kosten für die traditionelle Ausbildung zu tragen. Jedes Innungsmitglied ist durch den Innungsbeitrag an den Kosten beteiligt. Damit wurde das solidarische Handeln, das eine Innung auszeichnen sollte, vorbildlich in die Praxis umgesetzt.

Sonderpreis für Persönlichkeit

Aufgrund der knappen Jury-Entscheidung wird in dieser Kategorie außerdem eine Ehrenurkunde verliehen. Die Urkunde geht an Albrecht Bühler, Baum und Garten in Nürtingen.

Besonders überzeugt hat die Jury hier der umfassende Ansatz der Ausbildung, die nicht allein auf die Vermittlung von Fachkenntnissen abzielt, sondern die auch dazu genutzt wird, um die Auszubildenden bei der Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit zu unterstützen. In dieser Kombination gelingt es dem Unternehmen, in Berufswettbewerben erfolgreich abzuschneiden und auch junge Menschen erfolgreich zu integrieren, die in anderen Betrieben keinen Erfolg hatten.

Besondere Ausbildungsinitiative

Der erste Preis in dieser Kategorie geht an die Städtische Gesamtschule Nettetal.

Die Jury hat sich damit für ein in jeder Hinsicht herausragendes Projekt entschieden. Ohne öffentliche Zuschüsse ist es der Gesamtschule Nettetal gelungen, auf dem Schulgelände ein eigenes Gebäude zu errichten, das ausschließlich der frühen Berufsorientierung der Schüler dient.

In dem neuen Gebäude stellen sich Unternehmen und Branchen den Schülern praxisnah vor und unterstützen den Fachunterricht an der Schule. So werden Berührungsängste der Schüler abgebaut, sie erhalten einen Überblick über Berufe, die sich ohne dieses Angebot ihrem Blickfeld entziehen, und lernen früh den Praxisbezug ihres erlernten Wissens kennen. Nebenbei betreibt die Schule ein Internetportal, über das Schüler und Unternehmen Kontakt aufnehmen können.

Platz zwei für mehr Eigenverantwortung

Beim zweiten Preis hat sich die Jury für die Berufsbildenden Schulen I in Delmenhorst entschieden.

Diese führen seit zehn Jahren ein Projekt durch, bei dem Schüler für ein Jahr ein reales Unternehmen gründen und leiten. Die Spanne der Geschäftsideen reicht dabei vom Verkauf von Damenhosen, Armbanduhren und Geschenkartikeln bis hin zur Beschickung des Delmenhorster Weihnachtsmarktes. Dabei lernen die Schüler schnell eigenverantwortliches Handeln und sammeln praktische kaufmännische Erfahrungen. Der Erfolg der Initiative ist an ihrem überproportionalen Beitrag bei der Vermittlung von Ausbildungsplatzsuchenden abzulesen.

Platz drei für den Azubi-Check

Der dritte Preis in der Kategorie Initiativen geht an den Azubi-Check.

Der Azubi-Check ist ein zweitätiges Assessment-Center, das derzeit von einem gemeinnützigen Verein in Kooperation mit den Wirtschaftsjunioren an 13 Standorten in Deutschland angeboten wird. Während dieser zwei Tage werden Schulabgänger von Unternehmern auf ihre Ausbildungsreife überprüft. Dabei spielt Allgemeinbildung ebenso eine Rolle wie soziale Kompetenz. Die erfolgreichen Absolventen bekommen ein Zertifikat für ihre Bewerbermappe und damit eine Empfehlung von Unternehmern für Unternehmer, das die Tür zu den Vorstellungsgesprächen öffnet.

Wie Sie sich für den Wettbewerb im kommenden Jahr bewerben, erfahren Sie unter www.ausbildungsass.de

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