Diverses Die 22 erfolgreichsten Werbe-Ideen

Von Michael Jansen und Wilfried Katterbach Teure Werbe-Feldzüge garantieren keine Umsatzerfolge. Wie kleine und mittlere Firmen mit intelligenten und günstigen Marketingaktionen ihren Absatz erhöhen.

Selbst der Terminator konnte Strom­versorger Eon nicht retten. Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger schüttelte im TV-Spot tapfer einen Kühlschrank und grinste „Mix it, baby“ in die Kamera. Wochenlang ließen Werbestrategen Zeitungsseiten Eon-rot einfärben, Vorzeige-Kunden schworen: „Ich bin on.“ Branchenkenner taxieren die Kampagne auf 40 Millionen Euro pro Jahr. Alles vergebens: Gerade mal rund 1000 Abonnenten sollen sich am Ende für den Marken-Strom „Mix Power“ entschieden haben.

„Ein dickes Budget allein macht noch keinen Erfolg“, sagt Peter Littmann, ehemaliger Chef von Hugo Boss und heute Inhaber der Marketingagentur Brandinsider in Hamburg. „Bei Eon mangelte es an Konzepten.“

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Schlagkräftiges Marketing ist keine Frage der Kassenlage, sondern des Köpfchens. Karen Heumann (Foto), Strategie-Chefin der Hamburger Werbe­agentur Jung von Matt, betont, dass Werbung am Ende für mehr Absatz sorgen muss – und dabei zählt die richtige Idee. „Sie können sehr viel Geld mit der falschen Botschaft ausgeben“, warnt Heumann, die 2004 vom Branchenorgan „Horizont“ zur Werberin des Jahres gewählt wurde. Auch Annette Mattgey, Marketing­expertin der Fachzeitschrift „Werben & Verkaufen“ („w&v“) in München, bestätigt: „Mittelständler können mit Witz und wenig Geld erfolgreich sein. Sie sind direkter und näher am Kunden, und sie fällen Entscheidungen viel schneller – vor allem die jüngere Generation, die oft schon sehr viel marketingorientierter ist.“

1 . Schwerelos

Atemberaubend ist der „Vertical Catwalk“ (Foto oben) – hier werden die Fassaden von Hochhäusern zum Laufsteg für Mannequins. Die Modelle stürzen sich, an Seilen hängend, scheinbar schwerelos, über den Dachrand in die Tiefe und schweben dem Boden entgegen. Dieses Event ist eine Idee der Agentur von Jochen Schweizer, Spezialist für Actionmarketing. Steht die Choreografie, geht es zu den Locations wie dem Kaufhausgebäude auf dem Marienplatz in München. „Für das 125-jährige Bestehen des Kaufhofs haben wir letztes Jahr deutschlandweit den ‚Vertical Catwalk‘ an den Fassaden der Warenhäuser präsentiert“, berichtet Schweizer stolz. Bei den Klängen von Trance- und House-Musik sammelten sich immer bis zu 3.000 Zuschauer pro 20-minütiger Vorstellung vor dem Gebäude. „Die neue Mode, die auf dem eintägigen Event vorgeführt wurde, verkaufte sich deutlich schneller“, freut sich Wolfram Struth, Kaufhof-Chef in München. Kosten: 10.000 bis 50.000 Euro – je nach Aufwand.

www.jochen-schweizer.de

2. Wasser sprühendes Plakat

Es hätte auch eine gelungene Idee für die Fernsehsendung „Verstehen Sie Spaß“ sein können: In Dortmund installierte die Werbeagentur Contrast AG für den Ulmer Gartengeräte-Hersteller Gardena ein riesiges Plakat, auf dem ein kleiner Junge einen Sprühkopf über dem Kopf seines Vaters schwenkte. Der Clou: Die überdimensionale Dusche auf diesem Plakat war echt. Und: Jeder Passant konnte den Befehl „Wasser marsch“ geben, sobald er eine SMS an eine Telefonnummer schickte, die auf dem Plakat vermerkt war. Auch per Internet ließ sich der Wasserspeier auslösen. Mit dieser in Deutschland bisher einzigartigen Aktion gelang den Werbern ein spektakulärer Erfolg: Rund 480.000-mal wurde die Brause ausgelöst, im Schnitt etwa alle fünf Minuten. Der Spaß brachte Gardena neue Spitzenwerte bei den Besucherzahlen ihrer Homepage. Außerdem gab’s reichlich und sehr positive PR in der regionalen und überregionalen Presse. Der Preis für diesen außergewöhnlichen Gag: etwa 150.000 Euro.

www.gardena.de

3. Mit dem Truck zum Mittelstand

Der Walldorfer Software-Hersteller SAP tat sich anfangs schwer damit, mittelständische Firmenchefs von den Vorzügen seiner Unternehmenssoftware zu überzeugen. Nicht weil die kein Interesse an der Software hatten. Sondern weil die Locations der Verkaufsveranstaltungen in sündhaft teuren Luxushotels vielen Kunden nicht angemessen schienen. Das änderte sich, als SAP nicht mehr die Firmenchefs zu sich bat, sondern zu ihnen hinfuhr – mit einem riesigen gelben Truck, dessen Anhänger in wenigen Stunden zu einem komfortablen Veranstaltungsraum ausgebaut werden konnte. Der SAP-Truck tourte mit einem Promotion-Team durch die 17 größten Städte Deutschlands. Mittelständische Anwender aus der Region berichteten von ihren Erfahrungen mit der Software. Experten ergänzten die Informationsveranstaltung. Nach dem offiziellen Teil gab’s Smalltalk und Fingerfood. Dieses Entgegenkommen kam in der Zielgruppe Mittelstand gut an. Ergebnis: Die Teilnehmerzahlen im Vergleich zu vorangegangenen Veranstaltungen stiegen erheblich. Im Schnitt kamen 1000 Firmenchefs zu den Events.

www.sap.com

Den vollständigen Artikel und alle Werbe-Ideen im Überblick können Sie in der impulse-Ausgabe 06/2005, Seite 14, nachlesen.

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