Diverses Die alte Dame und die Heuschrecke

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse© Rudolf Wichert

Familienunternehmerin gegen Private Equity-Gesellschaft - das klingt nach einem ungleichen Wettbewerb. Der Einstieg der Tchibo-Eignerin Ingeburg Herz und Permiras Investment bei Hugo Boss aber offenbaren auch Ähnlichkeiten, findet impulse-Redakteur Alexander Mayerhöfer. Sein Kommentar zeigt: Siegchancen haben beide Mannschaften - in der Modebranche genauso wie heute Abend im EM-Halbfinale.

Es ist die Mutter aller Spiele: Das ganze Land fiebert der Halbfinal-Begegnung heute Abend gegen die Türkei entgegen. Doch im Schatten der Fußballparty bahnt sich ein Wettkampf an, der es nicht auf die Titelseiten der Zeitungen mit den großen Buchstaben schafft. Aber dennoch ungeheuer spannend ist. Da zieht eine 85-jährige Hamburger Familienunternehmerin aus, um einer weltweit agierenden Private Equity-Gesellschaft (volkstümlich Heuschrecke genannt) zu zeigen, dass sie das Spiel immer noch besser beherrscht als die smarten Sanierer aus London oder New York.

Natürlich: Wenn Kaffeekönigin Ingeburg Herz, die neben Tchibo auch den Kosmetikkonzern Beiersdorf ihr Eigen nennt, jetzt beim Modehaus Escada einsteigt, ist das erst einmal nur ein Investment. Anstatt es sich ihrem Alter entsprechend in ihrer Villa an Hamburgs Außenalster bequem zu machen, rettet sie gemeinsam mit ihren Söhnen ein traditionelles Familienunternehmen, das in den vergangenen Jahren stark verloren hat – an Umsatz und Glanz. Nur 200 Kilometer vom Münchener Firmensitz entfernt, versucht sich derweil Permira, eine Milliarden schwere Beteiligungsgesellschaft, an einer anderen deutschen Stil-Ikone: Hugo Boss. Und das, wenn man den Berichten glauben darf, eher schlecht als recht.

Anzeige

Die Marken Hugo Boss und Escada sind sicherlich nur bedingt vergleichbar, man stelle sich bloß den Herrenanzug mit voluminösen Goldknöpfen vor. Aber die Ausgangslage für beide Unternehmen ist ähnlich – trist. Es wird spannend, wer in einem Jahr die Nase vorn hat: der Familienclan aus Hamburg oder die Beteiligungsmanager? Einen ersten Erfolg kann Ingeburg Herz schon für sich verbuchen: Neuer Chef bei Escada wird Bruno Sälzer, der zuvor an anderer Stelle erfolgreich war. Bei Hugo Boss.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...