Diverses Die beste Strategie für Sie

Firmenchefs entscheiden jetzt mit ihrer Bilanz, wie hoch Gewinn und Steuern für 2006 ausfallen. impulse zeigt, wie der Jahresabschluss zum Sparmodell wird.

Peer Steinbrück im Glück. Der Bundesfinanzminister kann nach allen Hochrechnungen für 2006 rund zehn Milliarden Euro mehr Steuern als geplant aus dem Unternehmerlager abgreifen. Grund: „Der Aufschwung ist nicht nur bei den Konzernen,
sondern auch beim Mittelstand angekommen“, konstatiert Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Ob höhere
Umsätze und Gewinne aber tatsächlich die Finanzkassen füllen, entscheiden Firmenchefs und ihre steuerlichen Berater in den nächsten Wochen und Monaten mit: per Feinschliff am Jahresabschluss 2006.

Je besser die Gewinnsituation, desto kreativer sollten Unternehmer und Steuerexperten mit der Bilanz umgehen. Gemeinsam gilt es, die
Zahlen auf das für die Firma optimale Ergebnis zu trimmen. Dazu nutzen sie sämtliche Bewertungsspielräume offensiv aus. Etwa bei Maschinen und Anlagen. Oder bei Vorräten und Zubehör. Wo es 2006 mit Umsatz und
Gewinn dagegen noch nicht so rosig
ausgesehen hat, identifizieren Firmenchefs
Verlustquellen und Risiken und packen sie noch in die aktuelle Bilanz. Etwa per Sonderabschreibung oder Rückstellung. „Zwar schränkt Berlin die Gestaltungsmöglichkeiten
seit Jahren ein. Dennoch ist eine ordentliche Steuerersparnis oder -stundung immer drin“, beobachtet Karlheinz Küting, renommierter Bilanzprofessor an der Uni Saarbrücken.
impulse zeigt für das Gespräch mit dem eigenen Steuerberater, an welchen
Stellschrauben Unternehmer jetzt noch drehen können, um die Steuer zu drücken – je nach Ertragsund Finanzlage der Firma.

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Mehr abschreiben

Firmenchefs und Freiberufler, die in den Aufschwung hinein investiert haben, nutzen für die Steuerplanung ein feines Instrument: die degressive Abschreibung. Sie beträgt für 2006 und 2007 hergestellte oder angeschaffte
Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge 30 Prozent vom jeweiligen Bilanzwert. Ab 2008 nur noch 20 Prozent.

Noch eins drauf setzen kleine und mittlere Firmen (Betriebsvermögen maximal 204517 Euro) mit starken Erträgen. Sie machen zusätzlich 20 Prozent Sonderabschreibung geltend. „Im Jahr der Investition bringen Unternehmer so 50 Prozent der Kosten bei der Steuer unter“, rechnet Norbert Neu, Steuerberater bei DHPG Dr. Harzem & Partner in Bonn.

Handelsfirmen haben in der Bilanz 2006 wegen der happigen Umsatzsteuererhöhung
ein spezielles Risiko zu kalkulieren. Was zum Jahresende noch in den Regalen oder im
Lager steckte, drückt jetzt massiv auf die Rendite. Weil Großbetriebe im Januar Rabattschlachten anzettelten, hatten Mittelständler keine Chance, die höhere Umsatzsteuer an die Kunden weiterzugeben. Professor Küting: „Unternehmer sollten prüfen, ob Warenbestände abzuwerten sind.“

Firmenchefs, die stark mit Krediten von der Bank arbeiten oderauf private Geldgeber hoffen, drehen freilich nur mit Bedacht an der Steuersparschraube. Denn sie stehen besser
da, wenn sie einen ordentlichen Gewinn in der Bilanz ausweisen. Das hebt die Bonität und senkt die Finanzierungskosten. Größere mittelständische Betriebe prüfen deshalb, ob sie nicht besser gleich zwei Bilanzen aufstellen: eine fürs Finanzamt und die
andere für Kapitalgeber – Private-Equity-Investoren und Börse inklusive. Den größten Spielraum für höheres Eigenkapital bietet eine Bilanz nach internationalen Standards (IAS/
IFRS). Da dürfen Unternehmer ihre Gebäude, Maschinen und Anlagen zum aktuellen Marktwert notieren. Doch das bedeutet: extrem kompliziertes Rechnungswesen und für die Zukunft stets zwei Bilanzen. Und das kostet. Karlheinz Küting: „Wer sich kein Geld auf den Kapitalmärkten beschaffen will, kann
darauf getrost verzichten.“

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