Diverses Die Besten finden

Wer Fonds für sein Depot sucht, sollte nicht nur nach Rendite schielen. Worauf Anleger bei der Kaufentscheidung außerdem achten müssen.

Der britische Fondsmanager Graham French ist ein kontaktfreudiger Mensch: Regelmäßig diskutiert der Chefstratege des M&G Global Basics Fund mit Unternehmenslenkern aus aller Welt über Marktbewegungen,
Wachstumschancen und Rohstoffpreise. Sein deutscher Kollege Frank Lingohr sitzt lieber am PC und durchforstet Kennzahlen. „Wir sprechen nie mit dem Unternehmensmanagement „, erklärt der Verwalter des Lingohr Systematic LBB Invest, „das würde mich nur destabilisieren.“

Angesichts solch gravierender Unterschiede umso erstaunlicher: Erfolg hat Gesprächsverfechter French ebenso wie „Zahlenfresser“ Lingohr. Die weltweit anlegenden Aktienfonds der Manager gehören zu den besten Produkten ihrer Klasse. French verdoppelte das Geld seiner Investoren in den vergangenen drei Jahren, Lingohr schafft e allein im Jahr 2005 rund 20 Prozent Wertzuwachs.

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Viele Wege führen zum Ziel

Die Spitzenfonds belegen, mit welch unterschiedlichen Methoden erfolgreiche Geldanlage funktionieren kann – was Anleger vor die Frage stellt, wie sie überhaupt die besten Angebote finden sollen. „Publikumsfonds unterscheiden sich nun mal nicht nur nach Performance, sondern auch nach Investmentprozessen, Produkten im Portfolio und den Menschen, die dahinterstehen“, erklärt Christian Michel, Fondsanalyst der größten deutschen Fonds-Rating-Agentur Feri. „Wer die optimale Anlage sucht, muss im Prinzip alle diese Faktoren berücksichtigen“.

Das ist freilich für Privatanleger in einem Universum von rund 10.000 Fonds kaum möglich. Aus diesem Grund empfiehlt Feri-Analyst Michel die schrittweise Auswahl: „Der historische Wertzuwachs ist ein guter Vorfilter. Die Güte des Managements und der Strategie werden sich langfristig darin widerspiegeln.“ Ein ähnlich gutes Auswahlkriterium ist das Risiko, das Anleger bei der Geldanlage in Kauf nehmen. Auch hier hilft ein Blick in die Vergangenheit:

Haben zwei Fonds dieselbe Performance geschafft, ist derjenige vorzuziehen, dessen Kurs weniger stark geschwankt hat. „Börsen sind schließlich Märkte, an denen Risiken gehandelt werden“, bestätigt Rüdiger von Nitzsch, Leiter des Forschungsinstituts für Vermögensverwaltung an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. „Und wie in jedem anderen Markt ist es entscheidend, dass das Verhältnis zwischen Preis und Leistung stimmt.“

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Das Risiko entscheidet

Übersetzt auf die Fondswelt heißt das:
Erst die Verknüpfung von der Rendite mit dem Risiko trennt die Spreu vom Weizen. Die Fondsanalysten von Feri haben nach beiden Kriterien zehn von rund 250 weltweit anlegenden Aktienfonds am deutschen Markt herausgesucht. Aus dieser Empfehlungsliste können Investoren vergleichsweise gefahrlos eine Auswahl nach eigenen Vorlieben treffen – und nach den Kosten, die auch von den Angeboten der eigenen Bank abhängen. „In jedem Fall sind alle zehn Titel klassische Allwetterprodukte“, verspricht Analyst Michel. „nd damit eine empfehlenswerte Basis zur Aktienanlage.“ Noch schwerer als die Auswahl von Publikumsfonds fällt die Suche nach geeigneten geschlossenen Fonds.

Dort zahlen Sparer ihr Geld in einen Topf ein, der danach gedeckelt wird und in Häuser, Firmen und andere Anlageobjekte fließt. Das Kapital schütten die Fonds nach mehreren Jahren wieder aus, dazu kassieren Anleger laufende Renditen.
Die Summe der Auszahlungen bestimmt unterm Strich den Anlageerfolg – im Gegensatz zu Publikumsfonds veröffentlichen die Herausgeber aber ihre Wertentwicklung nicht laufend. Wer investiert ist, kommt zudem nur schwer wieder raus. Und der Steuerspareffekt, einst die attraktivste Renditequelle dieser Anlageklasse für Selbständige, greift nicht mehr: Der Gesetzgeber hat der Möglichkeit, anfängliche Verluste aus den Beteiligungen mit eigenen Gewinnen zu verrechnen, einen Riegel vorgeschoben.

„Bis zum vergangenen Jahr rechneten sich geschlossene Fonds oft nur durch Steuerersparnis“, weiß Vermögensverwalter Hans Ulrich Kosmack aus Hammerstein im Taunus, der seit über 25 Jahren geschlossene Beteiligungen platziert: „Heute zählt allein die unternehmerische Qualität.“ Während sich Film- und Medienfonds nicht mehr rechnen, seit ihre Verluste wertlos geworden sind, können Anlageklassen wie geschlossene Immobilienfonds oder Private-Equity- Fonds auch aus eigener Kraft ordentliche Renditen abwerfen – und eignen sich durchaus für längerfristig orientierte Anleger als Ergänzung zu Publikumsfonds.

Vermögensverwalter Kosmack empfiehlt Anlegern aber, sich noch mehr als bei Publikumsfonds mit dem Geschäftsmodell der Produkte zu befassen. „Geschlossene Fonds sind eine unternehmerische Investition. Mit allen Risiken. Und Chancen.“

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