Diverses Die besten Renten für ihre Mitarbeiter

Wer Firmenrenten anbietet, kann nicht nur Sozialabgaben sparen, sondern auch gute Mitarbeiter überzeugen. Wie Unternehmer die gesetzlichen Rentenwege nutzen.

Kompliziert, teuer und riskant. Vorbehalte gegen die betriebliche Altersvorsorge sind offenbar vielfältig und weit verbreitet: Gerade mal ein Viertel der kleinen Unternehmen mit bis zu vier Beschäftigten bieten nach aktuellen Analysen des Finanzdienstleisters Delta Lloyd eine
Firmenrente an. Selbst bei größeren Betrieben mit bis zu 20 Angestellten bleibt noch ein Drittel ohne Angebot.

„Obwohl der Staat nun seit fast sieben Jahren jedem Angestellten in Deutschland ein Recht auf Vorsorge über das Unternehmen zubilligt, sind manche Chefs ganz offensichtlich noch immer froh, wenn niemand danach fragt“, sagt Delta-Lloyd-Experte Rolf Duben. Er wundert sich: Denn die betriebliche Altersvorsorge gilt als eines der attraktivsten Steuer- und Sozialabgaben-Sparprogramme für Unternehmer wie für Mitarbeiter. „Wenn man es richtig umsetzt, profitieren beide Seiten ganz enorm“, verspricht Duben.

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Skepsis ist nicht angebracht

„Zwar kommen immer wieder Fragen auf, ob das alles nicht mehr kostet, als es bringt“, gibt Rudolf Kast zu, Personalchef der Sick AG aus Waldkirch im Breisgau. Doch er hat ein Gegenargument: Der stark wachsende Hersteller von Sensoren für Lichtschranken und Analyse­geräte ist auf hoch qualifizierte Mitarbeiter angewiesen – und da hilft das Vorsorgepaket, gegen größere Konzerne zu bestehen: „Für unser Unternehmen hat sich längst erwiesen: Eine flexible und variable Betriebsrente ist keine Last, sondern ein Wettbewerbsvorteil.“ Kast nutzt die Altersversorgung zur Personalwerbung genauso wie zur Bindung der bestehenden Belegschaft.

Die betriebliche Altersversorgung kann also für alle Beteiligten attraktiv sein – wenn man sie denn richtig angeht. Schließlich unterstützt der Staat die Vorsorge per Firma auch noch massiv, und zwar durch die sogenannte nachgelagerte Besteuerung. Bis zu 2544 Euro pro Jahr gehen ohne Abzug von Steuern oder Sozialabgaben in den Betriebsrententopf. Erst wenn die Rente später zurückfließt, halten Steuerbehörden und Krankenkasse die Hand auf. Das heißt: Rund 20 Prozent Prämien für Krankenkasse, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung entfallen bei der Buchung von Gehaltsbestandteilen aufs Altersgeldkonto.

Und dazu sparen die Angestellten auch noch Steuern. Durchschnittsverdienern mit 30 Prozent Steuersatz gibt der Staat so unterm Strich die Hälfte dazu – ist die Steuerlast höher, steigt die Prämie sogar noch. Auch Chefs sparen die So­zialabgaben und möglicherweise auch noch Steuern: „Schon kleine Betriebe haben dadurch schnell ein paar tausend Euro zusammen“, überschlägt Bernd Katzenstein, Sprecher des Instituts für Altersvorsorge: „Wer das nicht nutzt, verschenkt Geld.“

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Dass trotzdem erst so wenige Kleinunternehmer darauf setzen, könnte an der praktischen Umsetzung liegen – denn die ist äußerst variantenreich und verwirrend. Der Gesetzgeber lässt Chefs die Wahl zwischen gleich fünf sogenannten Durchführungswegen: Direktzusage, Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds und Unterstützungskasse. Der Steuerbonus gilt für alle Varianten. Davon abgesehen unterscheiden sich die Produkte teilweise aber auffällig: Experten können stundenlang über Bilanz­wirkungen, Verwaltungsaufwand, Dotierungsrahmen und rechtliche Verbindlichkeit philosophieren. „Wer die perfekte Rentenformel für den Betrieb sucht, muss theoretisch Gesellschafterverhältnisse, Rechtsform, Mitarbeiterzahl, Fluktuation und Tarife bedenken“, bestätigt Experte Katzenstein.

Sick-Personaler Kast will Skeptiker ermutigen – denn so kompliziert, wie es klingt, sei das System gar nicht, jedenfalls heute nicht mehr: „Vor zehn Jahren sind wir noch von Finanzamt zu Finanzamt getingelt, um für die Mitarbeiter an allen Betriebsstätten das Brutto-Sparen durchzuboxen“, erinnert sich der Pionier. Seit der Reform des Betriebsrentenrechts im Jahr 2002, der Geburt des Alters­einkünftegesetzes 2005, der Verlängerung der So­zialabgabenfreiheit im Herbst 2007 und Dutzender detaillierter Urteile sind die wichtigsten Fragen nun geklärt. „Das System muss heute niemanden mehr erschrecken“, sagt Kast. „In der Praxis funktioniert es reibungslos.“

Werner Porath, Unternehmensberater aus Heufeldmühle bei Rosenheim mit Schwerpunkt betriebliche Versorgungssysteme, rät zu Pragmatismus: „Für kleinere Betriebe gibt es da eine gute Lösung.“ Sein Vorschlag: „Direktversicherungen für einfache Angestellte. Und dazu Pensionszusagen für die Führungsebene. Der erste Weg macht so gut wie keine Arbeit. Und der zweite lässt breite Gestaltungsmöglichkeiten.“

Als Alternative leistet eine Kombina­tion aus Pensionskasse und Unterstützungskasse ähnlich Gutes. Vom Pensionsfonds rät der Experte dagegen ab: „Für Unternehmer sind die Risiken hier besonders hoch, weil sie am Ende für mögliche Verluste einstehen müssen.“ Und Mitarbeiter haben später kein Wahlrecht: Sie müssen eine lebenslange Rente beziehen. Bei den anderen Formen können sie das Kapital auch auf einen Schlag kassieren.

Besonders simpel: Direktversicherungen

Hinter der Direktversicherung steht letztlich eine ganz normale Rentenpolice. Einziger Unterschied zur privaten Vorsorge: Die Beiträge kommen nicht vom Versicherten, sondern fließen aus der Firmenkasse. „Das ist der simpelste Weg, um die gesetzliche Pflicht abzuwickeln“, sagt Porath. Pensionskassen, die in manchen Branchen üblich, teilweise auch im Tarifrecht vorgesehen sind, funktionieren ähnlich. Hier ist beim Vertragsabschluss lediglich ein Versorgungswerk zwischengeschaltet.

Wie sich die Vorsorgevarianten im Firmenalltag schlagen, lässt sich bei der Sick AG studieren: Das Sensortechnik-Unternehmen beschäftigt in Deutschland rund 3000 Mitarbeiter, die meisten sind per Metall-Tarifvertrag angestellt. Für sie hat Personalchef Kast die Pensionskasse der Metallrente gewählt. Kollegen wie IT-Fachkraft Stephanie Mössner können laufendes Gehalt einzahlen, Weihnachtsgeld oder auch Überstunden umbuchen. Mössner muss lediglich zweimal pro Jahr festlegen, wie viel sie sparen will – mehr hat sie nicht zu tun. Angestellten wie Stefan Birkle, der schon vor der Betriebsrentenreform im Jahr 2002 Gehalt fürs Alter zurückgelegt hatte, geht es ganz ähnlich. Einziger Unterschied zur Kollegin: Er zahlt statt in die Pensionskasse in eine Direktversicherung ein, damals der übliche Weg bei Sick.

Für Betriebsrenten der gut 300 Kollegen, die wie Finanzabteilungsleiter Jochen Becker in leitenden Positionen ohne Tarifvertrag arbeiten, hat Sick noch eine dritte Rentenvariante parat: die Direktzusage. Hier übernimmt der Arbeitgeber je nach Gehaltsstufe sogar die vollen Beiträge. „Wir stellen bis zu fünf Prozent vom Jahresgrundgehalt exklusiv für die Vorsorge der Mitarbeiter zur Verfügung“, erklärt Personalchef Kast. Weil bei den Chefs in der Regel mehr als 2544 Euro pro Jahr für die Rente zusammenkommen, sind Pensionskasse und Direktversicherung ungeeignet – denn dort ist der Beitrag beschränkt. „Nur Direktzusage und Unterstützungskasse erlauben unbegrenzte Einzahlungen“, erklärt Rentenexperte Porath. „Zahlt der Arbeitgeber die Beiträge, sind sie oft sogar völlig steuer- und sozialabgabenfrei.“

Zwei Wege für höhere Beiträge

Welche der beiden Varianten für die Besserverdienenden im Sinne der Unternehmer die günstigste ist, hängt letztlich von der Firmenstruktur ab. Und von der Risikolust des Chefs: Direktzusagen können Betriebe nämlich komplett über ihre eigene Bilanz abwickeln. Sie bilden dazu Pensionsrückstellungen. Das Geld für die späteren Rentenzahlungen können sie zwischenzeitlich nach eigenem Ermessen anlegen. Es kann zum Beispiel in Immobilien oder Aktien fließen oder sogar zur Finanzierung des Unternehmenswachstums herhalten – auch dort sollte sich die Investition schließlich rentieren. Das Risiko: Geht die Spekulation nicht auf, schrumpft die Firma, werden Mit­arbeiter früh krank oder sehr alt, dann fehlt möglicherweise Geld für die Versorgung – und es droht die bilanzielle Überschuldung.

Wer eine Unterstützungskasse für die Versorgung der Besserverdienenden dazwischenschaltet, geht dieser Gefahr aus dem Weg. Der Preis dafür: Der Einfluss auf die Anlageentscheidungen schwindet – gerade für kleinere Firmen, die sich per Gruppenvertrag einer großen Kasse anschließen. Was bei der Geldanlage herauskommt, gehört dagegen auch beim Umweg über die Unterstützungskasse der Firma. Und lässt sich dort gut zu Finanzierungszwecken nutzen. „So wird die Betriebsrente zum hochwertigen Wirtschaftsgut“, schwärmt Porath.

Wobei der Rentenexperte Unternehmern, die sich für Pensionszusagen oder Unterstützungskassen entscheiden, eine Warnung nicht ersparen kann: „Der erste Rechtsanspruch aufs Altersgeld liegt immer im Betrieb.“ Und damit das gesamte Rentenrisiko. Das bedeutet: Egal, wie lange die Mitarbeiter leben, ob der Betrieb in Schwierigkeiten ist oder die Kasse sich verspekuliert – der Chef muss in jedem Fall zahlen.

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