Diverses Die drei Grundirrtümer im deutschen Fußball-Geschäft

Millionen deutscher Fußball-Fans blicken der Weltmeisterschaft mit gemischten Gefühlen entgegen: Die Vorfreude ist erheblich getrübt durch die bescheidenen Auftritte der Nationalmannschaft und die damit verbundene Sorge eines frühzeitigen Scheiterns. Zudem lässt die Performance der Bundesliga-Vereine in den europäischen Pokalwettbewerben bereits seit Jahren zu wünschen übrig. Somit stellt sich ausgerechnet im Vorfeld der WM die Frage, ob der deutsche Fußball international überhaupt noch konkurrenzfähig ist.

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Denn die Gründe für die bescheidenen Leistungen sind nicht nur zahlreich, sondern auch sehr heterogen. Es wäre allerdings schon viel gewonnen, wenn sich die Macher im Profi-Fußball endlich von drei Irrtümern verabschieden würden.

Irrtum Nummer eins: Allein der Karrieresprung in die erste Bundesliga sei höchste Motivation und Traum von Millionen junger Kicker. Zusätzlicher Anreiz oder Druck sei überflüssig, zudem kontraproduktiv. Die Fakten sehen anders aus. Dass die Spieler längst nicht immer voll bei der Sache sind, zeigt ein Blick in die Statistik zum Beispiel der Spielernoten. Klar ist auch, dass lange Vertragslaufzeiten einen negativen Einfluss auf die Leistungsbereitschaft haben. Das ist durch empirische Untersuchungen belegt.

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Die Vereine aber geben selbst mittelmäßigen Spielern Dreijahresverträge, in denen zudem das garantierte Grundgehalt die leistungsabhängigen Gehaltsbestandteile erheblich übersteigt. Und dann wundern sie sich, dass die Kicker erst im letzten Jahr der Laufzeit ihres Vertrags die erwartete Motivation an den Tag legen. Kein mittelständischer Unternehmer würde Verträge mit wichtigen Mitarbeitern so gestalten. Fußball-Manager sollten deshalb auf Mehrjahreskontrakte verzichten. Kurzfristverträge, etwa auf drei oder sechs Monate, mit leistungsabhängigen Entgeltbestandteilen und Verlängerungsoption, würden für deutlich mehr Ansporn sorgen. Auch bei jungen deutschen Fußballern.

Man kann mit Blick auf die Nationalmannschaft die Rekrutierungspolitik der Vereine beklagen und eine „wettbewerbsfreie Zone“ für Nachwuchsspieler einrichten, indem man die Zahl der von jedem Club einsetzbaren Ausländer begrenzt. Ob die deutschen Fußballer dann erfolgreicher wären, ist mehr als fraglich: Wer sich unter Konkurrenzbedingungen nicht durchsetzen kann, wird auch in einem wettbewerbsfreien Umfeld nicht zu einem Spitzenfußballer heranreifen können.

Irrtum Nummer zwei: Geld schieße keine Tore. Das Gegenteil ist richtig, die statistischen Befunde sind eindeutig. So liegen über zehn Jahre gesehen die Spielergehälter des jeweiligen deutschen Meisters um 75 Prozent über dem Durchschnitt aller Vereine. Dagegen zahlen die drei Absteiger 34 Prozent unter Durchschnitt. Was Unternehmer längst praktizieren, gilt abgewandelt auch für den Profi-Fußball: Höhere Ausgaben für bessere Kicker bringen sportlichen Erfolg – mit Beteiligung der Spieler an den Erträgen.

Irrtum Nummer drei: Die gleichmäßige Verteilung der Fernsehgelder an die Vereine garantiere Leistung und Wirtschaftlichkeit auf etwa gleich hohem Niveau. Die Auswertung der Abschlusstabellen aus zwölf europäischen Top-Ligen belegt indes: Gleichverteilung nutzt niemandem, schadet aber letztlich allen. So sind offenkundig die hier zu Lande gezahlten Gehälter nicht hoch genug, um die wirklichen Stars der Szene anlocken zu können. Eben weil etwa Bayern München und Werder Bremen die Mittel aus dem Verkauf der Fernsehübertragungsrechte nahezu vollständig mit den anderen Erst-Ligisten teilen müssen. Dass ausgerechnet die Fußball-Bundesliga mittlerweile als der letzte Hort des Sozialismus in Deutschland gelten muss, ist wahrlich skurril.

Professor Bernd Frick ist Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft an der ersten privaten Universität in Witten/Herdecke. Seine Arbeitsgebiete sind die Personal- und Organisations- sowie die Kultur- und Sportökonomie.

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