Diverses Die Firma geht vor

Die Firma geht vor

Die Firma geht vor

Professor Rudolf Wimmer über seine Langzeitstudie zu den Erfolgsfaktoren alteingesessener Familienbetriebe.

impulse: Herr Professor Wimmer,
ist das Prädikat ›Familienunternehmen‹
für eine Firma
Vorteil oder Hypothek?

Wimmer: Beides. Welche Seite im Einzelfall
überwiegt, hängt vor allem davon
ab, wie alt das Unternehmen ist.

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Was bedeutet das konkret?

In den ersten Jahren ist der Aggregatzustand
der Familienfirma geradezu
ideal: Schließlich finden Gründer nirgendwo
so preiswerte Arbeitskräfte
wie zu Hause. Wenn indes die Nachfolge
ansteht, können Familienbande
zur schweren Belastung werden. Nur
jede achte Firma überlebt den Sprung
in die vierte Generation.

Also ist die Familienfirma doch
ein Auslaufmodell?

Nein, ich würde eher sagen: ein vorübergehender
Zustand. Die anderen
sieben Firmen gehen ja nicht alle Pleite,
sondern werden meist verkauft.
Und, auch das haben unsere Untersuchungen
ergeben: Ist die vierte Generation
erst einmal am Ruder, erweisen
sich die Unternehmen im Vergleich
zu Publikumsgesellschaften als besonders
langlebig und erfolgreich.

Wie halten diese Dynastien ihre
Firmen zusammen?

Der zentrale Punkt ist: Sie verhindern,
dass sich einzelne Gesellschafterstämme,
also die Nachfahren möglicherweise
rivalisierender Geschwister, gegenseitig
blockieren können.

Und wie ist das gelungen?

Indem die Gesellschafter, als sie noch
einstimmige Entscheidungen zu Wege
brachten, eine Verfassung beschlossen
haben, die alle Folgegenerationen binden.
Wichtigstes Ziel: das Überleben
des Unternehmens zu sichern. Nehmen
Sie beispielsweise Merck mit seinen
heute 146 Gesellschaftern. Deren
oberste Instanz ist ein Familiengremium,
in das nur hineingewählt wird,
wer auch Stimmen anderer Stämme
erhält. Typisch sind auch Firmenbeiräte
mit familienfremden Mitgliedern,
ohne deren Zustimmung kein Mitglied
der Familie in die Geschäftsleitung
aufrücken kann. Wer seine Anteile
verkaufen will, muss diese üblicherweise
zunächst in der Familie anbieten,
und zwar oft unter Wert.

Dies allein schützt die Firma
doch nicht vor Familienkrisen.

Nein, derlei Konsenszwänge sind aber
ein wichtiger Schritt. Die zweite Komponente
ist eine Familienkultur, die die
gemeinsame Verantwortung für das
Unternehmen hochhält und ein ausgeprägtes
Wir-Gefühl pflegt: Man ist
stolz, Teil dieser Dynastie zu sein.

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