Diverses Die Geografie des Erfolgs

Gedanken strukturieren, Konzepte entwickeln - Mind-Mapping-Software soll helfen, aus einer Fülle von Ideen ein Geschäft zu machen. Kollegen können auf Plattformen online zusammenarbeiten. Wer aber allein ist, kommt auch mit Papier und Stift zurecht.

Auf den ersten Blick wirken sie wie Zeichnungen von Kinderhand. Doch in den bunten Baumdiagrammen stecken oft kluge Konzepte, millionenteure Investitionen oder – wer weiß – vielleicht sogar Killerapplikationen für den Mobilfunkmarkt. Spontane Ideen, vage Gedanken, alles was einem Unternehmer einfällt, aber noch unausgegoren ist, kann er ordnen. Mit der passenden Software. Mind-Mapping-Programme bieten Hilfe beim strukturierten Brainstorming.

„Ich verwende Mind Maps vor allem, um meine Gedanken zu sortieren“, sagt Annette Rogalla, die als freiberufliche Kommunikationsberaterin in Berlin arbeitet. Seit 1995 hilft ihr dabei das Mind-Mapping-Programm Mind Manager vom Marktführer Mindjet. Besonders gut gefällt der PR-Beraterin dabei, dass man mit dem Programm hinter einzelnen Gedanken auch längere Word-Dokumente ablegen kann. Rogalla nutzt das Programm bei Präsentationen und Kundenbesuchen als Ordnungs- und Kreativitätsinstrument: „Wenn ein Kunde nicht genau weiß, was er will, dann können wir damit am Laptop zusammen ein Konzept entwickeln.“

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Entwickelt wurde die Methode bereits 1974 von dem Briten Tony Buzan. Seine Idee: Der Nutzer zeichnet eine Landkarte für seinen Kopf. Ein Oberbegriff steht dabei immer in der Mitte, dazu kommen weitere Unterüberschriften in Form von Ästen. Jeder dieser Äste verzweigt sich dann wieder in neue Unterpunkte. Dabei spielen Bilder und Farben eine wichtige Rolle.

Brainstorming im Web 2.0

„Mind-Mapping beruht auf hirnbiologischen Erkenntnissen. Sie strukturiert das eigene Denken so, wie die beiden Gehirnhälften es brauchen – logisch und kreativ zugleich“, sagt Maria Beyer, die seit vielen Jahren als Mind-Mapping-Trainerin arbeitet. Die linke Hälfte, für Fakten, Zahlen und Sprache zuständig, werde durch die Methode ebenso angesprochen wie die rechte, die Gefühle, Farben und Bilder verarbeitet.

Auch wenn Mitarbeiter aus einem oder verschiedenen Unternehmen zusammenarbeiten und aus unterschiedlichen Ideen und Beiträgen ein Produkt werden soll, hilft Mind-Mapping-Software. Denn aus den Programmen sind inzwischen Web 2.0-Werkzeuge geworden: Via Internet können die Teilnehmer gemeinsam zeichnen. „Collaboration“ heißt das Stichwort. Die Hersteller solcher Plattformen werben damit, dass die gemeinsame Online-Arbeit effizienter läuft und Kosten spart. In harte Zahlen wollen sie die Ersparnis allerdings nicht fassen.

Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten der virtuellen Zusammenarbeit, angefangen beim Gedankenaustausch am Telefon, via E-Mail, mit Instant Messaging über Postings bis hin zu Blogs, Team-Workspaces, Wikis sowie Web-, Audio- und Videokonferenzen. Anbieter wie Mindjet empfehlen allerdings die neue Verbindung ihres Mind-Mapping-Programms mit einer umfangreichen Collaboration-Plattform – als Service auf Mindjet-Servern oder angebunden an Microsoft Sharepoint.

Hierüber könnten alle Teammitglieder ihre Ideen und Informationen visuell strukturieren, miteinander diskutieren und gemeinsam weiterentwickeln. „1,8 Millionen Anwender haben wir derzeit“, sagt Mindjet-Manager Jörg Steiss. „80 Prozent der Fortune-500-Unternehmen nutzen unsere Software. Es ist ein visuelles Dashboard, wenn es um Übersicht, Zusammenhänge und Kommunikation geht.“

Intuitives arbeiten

Pfizer, Boeing, Siemens, Cisco, BMW, Microsoft, HP – fast alle großen Unternehmen setzen die Methode des Mind Mapping ein, um Aufgaben in den Griff zu bekommen. Von der Idee bis zur Umsetzung können so Projekte geplant und organisiert werden. Da die Methode sehr intuitiv ist, braucht es nicht allzu viel Aufwand, um damit zu arbeiten.

Auch bei anderen Mind-Mapping-Programmen wie etwa Comapping, Mapul, Mindomo, Mindmeister oder Wisemapping arbeiten die Teilnehmer inzwischen über räumliche und Firmengrenzen hinweg am Computer zusammen. Für Steiss von Mindjet sind die meisten anderen Wettbewerber allerdings „reine Zeichenprogramme“. „Bei uns geht es immer auch darum, wie man die Maps in weiteren Prozessen automatisieren und verarbeiten kann, wie man also eine Mind Map in ein Word-Dokument oder eine Power-Point-Präsentation verwandeln – oder Daten einlesen kann.“

Man müsse für Mind Maps nicht zwingend Software nutzen, sagt Trainerin Beyer. Sie selbst arbeitet am liebsten nur mit Papier und Stift. „Sie benötigen keinen Computer, sondern können Mindmaps überall zeichnen, auf kleinen Zetteln, Bierfilze oder Speisekarten.“ Grundsätzlich ist sie skeptisch: Dass Mind-Mapping-Software automatisch zu strukturiertem Denken führe, sei „ein Irrglaube.“ Und es gäbe Menschen, die sowieso schon sehr strukturiert arbeiten und die keinen Bedarf haben, sich noch weiter zu verbessern. Oft bilde die Software eben nur ab, was im Kopf ist: „Wenn das Denken kraus ist, dann ist meist auch die Abbildung kraus.“

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