Diverses Die größten Reformblockierer

Gewerkschaften, Berufsverbande und Großunternehmen zählen für die deutsche Bevölkerung zu den Bremsern.

Die Mehrheit der Deutschen ist sich einig, wer in Deutschland die Hauptschuld am Reformstau trägt. Nach einer gemeinsamen Umfrage des Wirtschaftsmagazins impulse  und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sieht gut jeder zweite Bundesbürger (55,4 Prozent) in den Gewerkschaften mit weitem Abstand die größten Reformblockierer.

Wie das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) bei den 3.590 repräsentativ ausgewählten Deutschen für den „Reformkompass 2003“ – die bislang umfassendste Studie über die Reformbereitschaft der Deutschen – weiter ermittelte, zählen die Berufsverbände (41,6 Prozent) und die Großunternehmen (34 Prozent) ebenfalls zu den drei großen Reformverhinderern.

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Für den Kuratoriumsvorsitzenden der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Prof. Dr. Hans Tietmeyer, zeigt das Ergebnis, dass „die Bürger beginnen, die Klientelpolitik einzelner Institutionen zu durchschauen“. Die neuerlichen Diskussionen wie etwa um die Empfehlungen der Rürup-Kommission führen nach Ansicht von
Tietmeyer nur zu einer weiteren Verunsicherung des Bürgers. Es fehle die politische Entscheidungsfähigkeit. Sollen die Reformen gelingen, müssen Bundeskanzler
und Bundesregierung die politische Leadership für sich reklamieren und ein breit angelegtes Gesamtkonzept konsequent in die Tat umsetzen.

Die Chancen müssten der Umfrage zufolge dafür günstig stehen, ist doch die Rot-Grüne Bundesregierung unter der Führung von Bundeskanzler Gerhard Schröder für
fast 45 Prozent der Deutschen der größte Reformmotor. Auf Platz zwei der großen Reformantreiber setzen die Bürger mit 34,2 Prozent der Stimmen die ansonsten
viel kritisierten Expertengremien wie etwa die Hartz- oder Rürup-Kommission. Die SPD kann mit 32,3 Prozent von dieser positiven Einschätzung profitieren und
kommt auf den dritten Rang.

Die anhaltende Diskussion um die dringend notwendigen Reformen in Deutschland hat die Sinne der Bevölkerung geschärft. So steht für 63 Prozent der Befragten
fest, dass die muss und 61 Prozent sprechen sich für eine flexiblere Arbeitszeitregelung aus. Das wichtigste Element der Zukunftssicherung ist für fast zwei Drittel (65 Prozent) allerdings die steuerliche Entlastung der Arbeitnehmer.

Um den eigenen Arbeitsplatz zu sichern, sind fast drei Viertel der Deutschen (72,2 Prozent) bereit, entsprechend der Auftragslage ihres Betriebs deutlich weniger oder
deutlich mehr zu arbeiten. Knapp 71 Prozent wären dem „Reformkompass 2003“ zufolge sogar bereit, Mehrarbeit ohne Lohnausgleich zu akzeptieren. Deutlich mehr
als die Hälfte (58,1 Prozent) würde auch auf Boni wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld oder Schichtzulagen verzichten, wenn dadurch der Arbeitsplatz gesichert ist.

Für fast jeden zweiten Bundesbürger sind mehr Wettbewerb bei der Vermittlung
von Arbeitslosen und Arbeitsplätzen sowie ein geringerer Kündigungsschutz bei
festgelegter Abfindung die wichtigsten Reformen zur Belebung des Arbeitsmarktes.
Gut 45 Prozent sprechen sich gegen Flächentarifverträge aus, da sie Löhne in betrieblichen
Bündnissen vor Ort aushandeln lassen wollen.

Weitere Informationen zur Reformbereitschaft der Deutshen finden Sie in der aktuellen impulse – jetzt am Kiosk oder bestellen Sie hier.

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