Diverses Die Kunst von Wind und Wetter

Edvard Munch ist einer der ganz großen Maler der Moderne. Die Werke des norwegischen Künstlers sind geprägt von menschlichen Tragödien zwischen Liebe und Tod, Glück und Unglück, Lachen und Weinen. Dieter Buchhart hat jetzt unter dem Titel "Edvard Munch. Pionier der Moderne" einen Bildband mit zahlreichen farbigen Abbildungen der Werke herausgegeben.

Thematisch steht dabei vor allem die Eigenwilligkeit von Munchs Bildern im Mittelpunkt. So integrierte er die so genannte Rosskur in seine Arbeit. Das Prinzip: Während des Schaffungsprozesses werden die Werke Wind und Wetter ausgesetzt. Der Künstler überlässt es dem Zufall der Witterung, ob und wie die Farbe verläuft oder seine Bilder gar beschädigt werden.

Damit war Munch jedoch nicht immer glücklich: „Das verfluchte Bild geht mir auf die Nerven. Jetzt hat es eine Rosskur nach der anderen durchgemacht und wird nur immer schlechter. Bitte, seien Sie so gut und tragen es auf den Boden hinauf, werfen Sie es nur hinein, so weit wie möglich“, sagte er einmal zu Schriftsteller Rolf Stenersen.

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Die Eigenart des Norwegers, die Gattungsgrenzen zwischen Malerei und Druckgrafik zu überschreiten und das Prozessuale zu betonen, sowie seine Arbeiten mit Fotografie und Film eröffneten bereits zur Jahrhundertwende den Ausblick auf die Entwicklung der Kunst im 20. Jahrhundert.

Zu Beginn des Bildbandes findet sich das Werk „Selbstporträt“, das Munch im Jahr 1886 schuf. Dabei trug Edvard Munch zunächst mehrere Schichten Farbe auf die Leinwand auf, nur um wenig später die Oberfläche anschließend wieder aufzureißen; vereinzelt schabte er sogar ganze Bildbereiche mit Hilfe eines Messers ab. Das Ergebnis: Eine Farbstruktur, die nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar ist.

„Melancholie“ aus den Jahren 1894 und 1895, zählt zu den bekanntesten Werken des Norwegers. Waren seine frühen Bilder noch vom französischen Impressionismus und Postimpressionismus sowie deren wohl berühmtesten Vertretern Gaugin und van Gogh beeinflusst, löste sich Munch alsbald von den Ideen seiner Kollegen. Kurz vor der Jahrhundertwende begann er in seinen Werken existenzielle Gefühle wie Schmerz, Einsamkeit und Angst zu thematisieren.

Im Laufe seines Lebens begeisterte sich Munch zunehmend für die vielfältigen Möglichkeiten der Fotografie. Elemente wie den fotografischen Effekt der Doppelbelichtung fanden immer wieder einen Weg in seine Werke. Dass ihn außerdem der junge Film begeisterte, lässt sich auf dem Gemälde „Arbeiter auf dem Heimweg“ erkennen. Aufgrund seines Aufbaues erweckt das Bild bei Betrachtern den Eindruck, die dargestellten Personen liefen an einer Standkamera vorbei.

Auf seinem Anwesen Ekely in der Nähe der norwegischen Stadt Kristiania, wo sich Munch von 1916 bis zu seinem Tode aufhielt, setzte sich der Künstler vorwiegend mit seiner Umgebung und deren künstlerischer Umsetzung in Landschafts- und Gartenbilder auseinander. Ein Ergebnis dessen ist das Gemälde „Der Kuss am Strand“ aus dem Jahr 1921. Die Gesichter des Liebespaares verbindet Munch zu einer einzigen, sich im Geäst eines Baumes wieder zu findenden Form.

Der Bildband „Edvard Munch. Zeichen er Moderne“ enthält 258 farbige Abbildungen. Er ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 49,80 Euro.

www.hatjecantz.de

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