Diverses Die letzte Runde

Tarifkonflikt kurios: Firmenchefs und ihre Mitarbeiter gehen in Opposition zu ihren eigenen Verhandlungsführern.

Sie ziehen grimmige Mienen, sie drohen einander mit drastischen Worten, und sie präsentieren sich vor laufenden Kameras in wil­der Entschlossenheit: IG-Metall-Chef Jür­gen Peters und der Gesamtmetall-Vorsitzende Martin Kannegiesser treiben ihre Truppen auf einen Streik zu, wenn Ende März die Friedenspflicht im Tarifkonflikt der Metallbranche ausläuft.

„Das sind Rituale wie bei
Naturvölkern“, ärgert sich Gerhard Koch, Geschäftsführer des Verbands der Holz- und Kunststoffindustrie in Rheinland-Pfalz und einer der we­nigen selbstkritischen Arbeitgeber-Funktionäre.

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Höhepunkt dieser Rituale ist die ebenso öffentliche Versöhnung. Erschöpft, aber lächelnd, werden sich beide Kontrahenten zu Siegern der Tarifrunde 2006 erklären. Nur eines wird diese Szene unterscheiden von den vielen vorangegangenen Gruppenbildern zum Abschluss eines neuen Tarifvertrags und ihr vielleicht sogar historischen Charakter verleihen: Es wird womöglich das letzte Mal sein, dass Gewerkschaftsfunktionäre und Verbandsunternehmer ihren in Jahrzehnten einstudierten Verhandlungsritus inszenieren.

Verhandeln ohne Auftrag

Denn bringt auch diese Tarifrunde nichts anderes als eine Lohnerhöhung, die sich die vor allem mittelständische Firmen nicht leisten können, dann wird die schon vor Jahren begonnene Flucht von Arbeitnehmern und Firmenchefs aus den Tariforganisationen neuen Schub bekommen. Den Funktionären beider Lager wird es dann bald schlicht an der Legitimation fehlen, neue Verträge zu Lasten ihrer Klientel abschließen zu können.

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 03/2006, Seite 35, nachlesen.

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