Diverses Die L’Oréal-Erbin, der jüngere Freund und der Minister

Der am 1. Juli beginnende Prozess um das Vermögen der französischen Milliardärin Liliane Bettencourt bietet Stoff für einen ganzen Roman: einen erbitterten Streit zwischen Mutter und Tochter, einen schillernden Lebemann und einen Politiker im Zwielicht.

Der Fotograf und Schriftsteller François-Marie Banier sitzt ab dem 1. Juli in Nanterre bei Paris auf der Anklagebank, denn er soll die L’Oréal-Erbin Bettencourt um fast 1 Milliarden Euro erleichtert haben. Auf diese Summe wird der Wert der Geschenke geschätzt, die die heute 87-jährige Bettencourt über einen Zeitraum von zehn Jahren ihrem 25 Jahre jüngeren Freund Banier gemacht haben soll. Für sie sei das kein besonders großer Betrag, erklärte die laut „Forbes“-Liste reichste Frau Europas 2007 in einem Interview mit der Zeitung „Le Journal du Dimanche“. Ihr Vermögen bezifferte das Magazin in diesem Jahr auf 20 Milliarden Dollar.

Die großzügigen Gaben an Banier erzürnten indes Bettencourts einzige Tochter und Erbin. Françoise Meyers-Bettencourt wirft dem Fotografen vor, er habe ihre altersschwache Mutter ausgenommen, deshalb erstattete sie vor zwei Jahren Anzeige gegen ihn. Allerdings hatte noch im September ein Staatsanwalt erste Ermittlungen in dem Fall eingestellt und erklärt, Madame Bettencourt sei im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte. Eine von dem Gericht in Nanterre für Anfang dieses Jahres angeordnete Untersuchung der Milliardärin lehnte die alte Dame ab. Allein der Hartnäckigkeit eines Untersuchungsrichters ist es zu verdanken, dass es jetzt zur Verhandlung gegen Banier kommt.

Anzeige

Teil des Vermögens in Steueroasen geparkt

Um das Gericht zu überzeugen, dass ihre Mutter unzurechnungsfähig sei, ließ Meyers-Bettencourt diese offenbar abhören. Und damit wurde das Familiendrama auch noch politisch: Aus den unter anderem vom Online-Dienst Mediapart veröffentlichten Mitschnitten geht hervor, dass die 87-Jährige einen Teil ihres Vermögens in Steueroasen geparkt und möglicherweise vor dem französischen Fiskus verheimlicht hatte.

Das Peinliche daran: Bettencourts Vermögen wird von einer Firma verwaltet, bei der in den vergangenen drei Jahren die Frau eines französischen Ministers arbeitete. Es handelt sich dabei ausgerechnet um Éric Woerth, der bis zu seinem Wechsel ins Arbeitsministerium vor einem Jahr Finanzminister war.

Obwohl Woerths Frau Florence jetzt ihren Job bei der für Bettencourt tätigen Vermögensverwaltung Clymène aufgegeben hat, steht Woerth weiter unter massivem Druck. Als Finanzminister hatte er Steueroasen den Kampf angesagt, nun fragt sich die
Öffentlichkeit, ob er vor der Nutzung derselben durch Bettencourt die Augen verschlossen hat. Genährt wird dieser Verdacht nicht nur durch die Tätigkeit seiner Frau bei Clymène, sondern auch durch Spenden Bettencourts an die Regierungspartei UMP.

Der Anwalt des Angeklagten Banier will die neuen Enthüllungen nutzen, um Aufschub für seinen Mandanten zu erwirken: Beim Prozessauftakt will er beantragen, dass das Gericht vor einer Verhandlung der Vorwürfe gegen Banier zunächst die Mitschnitte der Telefongespräche Bettencourts überprüft. „Madame Woerth hat ihren Arbeitsplatz aufgegeben, und Madame Bettencourt holt ihr Geld nach Frankreich zurück. Irgendetwas muss an der Sache also dran sein“, sagte er süffisant.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...