Diverses Die neue Spaß-Klasse

Der Stuttgarter Nobelhersteller und sein Premium-Produkt im Urteil eines treuen und erfahrenen Kunden.

Eigentlich sind Vergleiche zwischen alten und neuen Modellen unfair. Meint Daniel Terberger. Warum? „Der technische Fortschritt lässt das Vormodell immer alt aussehen“, kommentiert der Chef der Katag AG in Bielefeld, Europas größtem Einkaufsverbund für Textilien.

Und dies selbst dann, wenn er seine Aufgabe objektiv gesehen immer noch hervorragend verrichtet. Wie Terbergers aktueller Firmenwagen, die bis 2005 verkaufte Mercedes S-Klasse der Baureihe W 220.

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Ist also auch hier der Nachfolger technisch weit überlegen? Autokenner Terberger hat einen Mercedes S 500 der neuen Baureihe 221 für impulse eine Woche lang im Alltagsbetrieb getestet. Seine Bilanz: überwiegend gelungen.

Auf der Positivliste: Design, Verarbeitung, Motorisierung sowie Fahrverhalten sind ohne Fehl und Tadel. Wäre da bloß nicht die „unnötige Kompliziertheit bei der Bedienung des Fahrzeugs“, schränkt Terberger den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck des Nobelstücks ein.

Der rührt vor allem von der überragenden Motorisierung her, die dem Zweitonner sportwagenmäßige Beschleunigungswerte verleiht. Vor allem „der kraftvolle Antritt des großen Achtzylinders“ beeindruckt den Unternehmer. Die 388 PS der 5,5 Liter großen Maschine haben mit dem schweren Luxusgefährt leichtes Spiel. „Da reicht mein aktueller Wagen nicht heran“, resümiert Terberger.

Überholvorgänge auf der Autobahn bringt der gleichzeitig noch äußerst komfortable Reisewagen jederzeit unaufgeregt hinter sich. Auf kurvenreicheren Bundes- und Landstraßen kommt die schiere Motorkraft noch besser zum Zug und verleiht dem S 500 zusammen mit dem Fahrwerk eine Behändigkeit, die sonst nur deutlich leichteren Gefährten eigen ist.

Auf der nächsten Seite lesen Sie mehr über Terbergers Eindruck von der S-Klasse.

In allen Situationen glättet das luftgefederte Fahrwerk die Unebenheiten der Straße und garantiert eine „sehr gute Straßenlage“, schwärmt Terberger. Selbst in schnell angegangenen Kurven hält sich die Seiten­neigung in Grenzen. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, erweisen sich die aktiven Seitenpolster immer mehr als hilfreiche Unterstützung, um Fahrer und Beifahrer in den kommoden Sitzen zu halten.

Zu einer gelassenen Fahrweise trägt das Automatikgetriebe 7G-Tronic mit seinen sieben Fahrstufen bei. Es bringt das satte Drehmoment von 530 Newtonmeter so gut über die Hinterachse auf die Straße, dass sich ein Eingriff des Piloten in das Getriebe per Wippschalter am Lenkrad erübrigt. Terbergers Urteil: „Perfekt.“

Vollendet in Technik und Design

Zu einer überragenden Bewertung gelangt der Vorstandschef auch beim Design für die Karosseriegestaltung und für den Innenraum. Das Cockpit mit der klaren Geschwindigkeitsanzeige und diversen anderen Instrumenten überzeugt. Zwiespältig al­­lein die analoge Uhr: Für sich genom­men kommt der Zeitmesser im Re­­­tro­­look gut an, er stört jedoch die stilistische Harmonie der Armaturen.

Technisch vollendet findet der Katag-Chef dann wieder das Navigationssystem: „Gegenüber dem alten System eine echte Verbesserung.“ Die Technik bringt seiner Meinung nach eine schnellere und bessere Zielführung als bei seinem jetzigen Fahrzeug. Ebenfalls vorbildlich: die Klangeigenschaften der Stereoanlage mit CD-Player und Radio.

Mehr Kippschalter, bitte

Anlass zu kritischeren Anmerkungen liefert indes die Bedienerfreundlichkeit. Terberger kommen Zweifel, ob er mit seinen 38 Jahren noch „modern“ genug ist für die von Daimler eingesetzte Technik. Deshalb seine Forderung „nach ein paar mehr Kippschaltern statt nur eines Displays“. Ob denn Oberklasse heutzutage bedeute, dass „der Käufer für mehr Geld auch mehr Komplexität“ bekomme? Terberger vermisst beim Einstieg in die neue S-Klasse das intuitive Verständnis für viele wichtige Funktionen. Sein Wunsch: „Ich will Auto fahren und nicht Auto spielen.“

Fazit des viel fahrenden Unternehmers: Die neue S-Klasse macht dem bekennenden Mercedes-Liebhaber umso mehr Spaß, je länger er sie fährt. Da gerät die alte Baureihe eben doch ins Hintertreffen. Sein drängendster Wunsch: Dass die Stuttgarter nicht nur mit begeisternden Fahreigenschaften aufwarten, sondern auch mit leicht handhabbaren Instrumenten.

Dabei setzt er große Hoffnungen in den neuen Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche. Ihm traut er ein Fahrzeug zu, das neben Spitzentechnik auch noch das Bedürfnis seiner Kunden nach Einfachheit berücksichtigt. Terberger: „Dann wäre der Spaß für mich perfekt.“

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Die neue S-Klasse in Bildern

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