Diverses Die Neustarts der Woche

In den Kinos laufen unter anderem die Filme "Carlos - Der Schakal", "Orly", "Buried - Lebend begraben" und "Machete" an. impulse.de war für Sie im Kino.

 

Carlos – Der Schakal

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Einmal findet Ilich Ramírez Sánchez ganz kurz zur Ruhe. Nach einer seiner Taten der Dusche entstiegen, schreitet er durch eine leere Pariser Wohnung, liebkost seinen jungen, nackten Körper und greift sich zwischen die Beine.

In dieser emblematischen Verknüpfung von Eitelkeit und Potenz sieht Olivier Assayas seine Titelfigur ganz bei sich. Der französische Regisseur präsentiert uns den unter dem Kampfnamen Carlos bekannten internationale tätigen Terroristen als getriebenen Entrepreneur des Schreckens und strategischen Netzwerker, der sich wissend um seinen medialen Marktwert mit immer neuen Gewaltaktionen auf Augenhöhe mit den Mächtigen katapultieren will.

Klug geht Assayas allen psychologischen Fallen eines Biopics aus dem Weg. Akribisch recherchierte Fakten und fiktive Setzungen verbindet er zu einer Ästhetik, die die antreibende Logik reinen Handelns auf Schnitt- und Musikrhythmus überträgt. Der Aufstieg und Fall des Carlos ist nur eine Geschichte aus dem Kalten Krieg. Aber als Zeitbild eines globalisierten Terrorismus ganz gegenwärtig.

Von Ole Schnoor

Carlos – Der Schakal
FRA/GER 2010
Länge: 187 Min.
Regie: Olivier Assayas
Darsteller: Édgar Ramírez, Nora von Waldstätten, Alexander Scheer, Christoph Bach, Julia Hummer, Jule Böwe
Bewertung: 5 von 5 Punkten

Orly

Mit „Terminal“, Steven Spielbergs gelungener Airport-Fabel um Heimatlosigkeit und Verlorensein, hat Angela Schanelecs Episodenfilm „Orly“ sehr wenig zu tun. Vor allem ist er nicht annähernd so unterhaltsam. Nur für die sieben Reisenden auf dem Pariser Flughafen scheint die Wartezeit, die der Film beschreibt, stillzustehen. Zwei Stunden, die sie zum Innehalten zwingen und zur Auseinandersetzung mit den ganz privaten Lebenslügen. Die der jungen Frau etwa, die zuerst die Jacke und dann ihr Herz an einen Fremden verliert, und die der Witwe, die erst auf dem Weg zur Beerdigung erfährt, dass ihr Sohn schwul ist. Warum das alles, bleibt für die Zuschauer ein Geheimnis. Daran ändert auch das Teleobjektiv nichts, mit dem die Kamera penetrant Nähe suggeriert. Schade um das Potenzial dieses Films, das Charakterdarstellern wie Maren Eggert und Bruno Todeschini kaum Aktionsspielraum lässt. Verglichen mit „Orly“ vergeht selbst „Warten auf Godot“ wie im Flug.

Von Katrin Kothes

Orly
Deutschland 2009
Länge: 84 Min.
Regie: Angela Schanelec
Darsteller: Natacha Régnier, Maren Eggert
Bewertung: 2 von 5 Punkten

Buried – Lebend begraben

Menschen mit Platzangst sollten sich gut überlegen, ob sie sich dieses Leinwandexperiment antun wollen. Das spannungsgeladene Drama „Buried – Lebend begraben“ des spanischen Filmemachers Rodrigo Cortés kommt mit nur einem einzigen Drehort aus: einem Sarg. Für viele ist es das grauenhafteste Horrorszenario überhaupt, lebendig begraben zu werden. Das passiert im Film einem Entführungsopfer im Irak – Paul Conroy (Ryan Reynolds) findet sich nach einem Angriff auf seinen Konvoi bei vollem Bewusstsein unter der Erde wieder. Er hat nur wenig Luft, ein Feuerzeug, eine Uhr. Sein Schicksal scheint besiegelt. Doch dann findet er zu seinen Füßen ein Handy, das seine Entführer ihm mit in den Sarg gelegt haben. Der Akku ist zu drei Vierteln geladen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Cortés gelingt mit „Buried“ viel mehr als nur ein Psychotrip: Ein starker Antikriegsfilm, der den Zuschauer immer neue Beklemmungszustände durchleben lässt.

Von Franziska Bossy, dpa

Buried – Lebend begraben
ESP/USA/FRA 2010
Länge: 95 Min.
Regie: Rodrigo Cortés
Darsteller: Ryan Reynolds
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Machete

Gleich in der Anfangssequenz wird klar: Der Mexikaner Machete (Danny Trejo) hat vor nichts und niemandem Angst. Er allein nimmt es gleich mit einer ganzen Bande hartgesottener Entführer auf und metzelt einen nach dem anderen mit seiner Machete nieder. Doch das hilft dem Mexikaner in diesem Fall wenig – denn er wird reingelegt und findet sich einige Jahre später als Illegaler in den USA wieder.

Die Regisseure Rodriguez und Maniquis erzählen eine herrlich überdrehte Geschichte über mexikanische Einwanderer, die in den USA aufs Übelste schikaniert werden. Allen voran vom rassistischen Senator McLaughlin (Robert De Niro). Irgendwann beginnen die Mexikaner den bewaffneten Aufstand – zu einem realistischen Sozialdrama wird „Machete“ dadurch aber noch lang nicht, dafür überspitzt Rodriguez zu gern. Zahlreiche Gastauftritte, bluttriefende Splatterszenen und ein dröhnend-cooler Soundtrack machen „Machete“ zu einem durchaus amüsanten Kinoerlebnis.

Von Aliki Nassoufis, dpa

Machete
USA 2010
Länge: 105 Min.
Regie: Ethan Maniquis, Robert Rodriguez
Darsteller: Danny Trejo, Robert De Niro
Bewertung: 4 von 5 Punkten

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