Diverses Die Neustarts der Woche

In den Kinos laufen unter anderem die Filme "South", "Somewhere", "Plug & Pray" und "Der letzte schöne Herbsttag" an. impulse.de war für Sie im Kino und präsentiert die Trailer.

 

South

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Zwölf Jahre hat es nach Aussage der Regisseure Gerhard Fillei und Joachim Krenn gedauert, ihr Filmdebüt „South“ fertigzustellen. Mit einer durchschnittlichen Nachtruhe von drei Stunden. Der Film erzählt das Leben des angeschossenen Bankräubers Bruce McGray (Matthew Mark Meyer). Auf der Flucht vor den FBI-Workaholics Delaney (Tim Kirkpatrick) und Nelson (Billy Crosby) und einer namenlosen Rollkommando-Schönheit (Mercedes Echerer) verliert sich Bruce immer wieder in Tagträumen über seine traumatische Vergangenheit. Vorbilder wie David Lynch und Jim Jarmusch haben bei dem Langzeitprojekt Pate gestanden. Das entschuldigt die Macher aber nicht für die schwer zugängliche Story. Zeitweise gleitet die Geschichte ins Actiongenre ab. „Wer lange nachdenkt, wählt nicht immer das Beste“, schreibt Goethe. Zwölf Jahre sind eindeutig zu lang. Und drei Stunden Schlaf pro Nacht über einen solchen Zeitraum ganz offensichtlich zu wenig.

Von Thorsten Schneider

South
USA/AUT 2010
Länge: 105 Min.
Regie: Gerhard Fillei, Joachim Krenn
Darsteller: Bryan Hanna, Sal Giorno
Bewertung: 2 von 5 Punkten

Somewhere

Kein anderer Hollywood-Regisseur beschreibt das Unglück der Schönen und Reichen authentischer als Sofia Coppola. Und keiner setzt ihr Elend so konsequent hinter der Tür einer Luxussuite in Szene. Brüche in der Fassade sind die Spezialität der Oscarpreisträgerin – ob sie nun ins moderne Tokio („Lost in Translation“) oder an den Hof von Versailles („Marie Antoinette“) verlegt werden. Mit ihrer vierten Regiearbeit „Somewhere“ wagt sich Coppola nah an die Orte ihrer eigenen Kindheit. In der preisgekrönten Vater-Tochter-Geschichte um einen ausgebrannten Filmstar verarbeitet sie mutiger als bisher die eigene Biografie: Die elfjährige Heldin Cleo sieht ihren depressiven Vater Johnny nur sporadisch. Dessen Übergangsbleibe im Nobelhotel Chateau Marmont steht leitmotivisch für die Leere, die der Schauspieler mit rastlosen Ferrari-Touren und One-Night-Stands zu füllen sucht. Während weniger Tage, die Johnnys hilflose Annäherung an seine Tochter schildern, überwindet er seine Lebenskrise. Dass Cleo nicht merkt, welche Rolle sie dabei spielt, macht den melancholischen Zauber dieses glänzend besetzten und liebevoll inszenierten Kammerspiels aus.

Von Katrin Kothes

Somewhere
USA 2010
Länge: 98 Min.
Regie: Sofia Coppola
Darsteller: Stephen Dorff, Elle Fanning, Chris Pontius, Michelle Monaghan
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Plug & Pray

„High-Speed Electronic Computing: Man steckt es rein und es funktioniert – oder manchmal auch nicht“, sinniert Joseph Weizenbaum, Jahrgang 1923, in seiner Berliner Altbauwohnung. Er genießt klassische Musik, die er auf seinem Laptop abspielt. Der Informatiker war während der 60er-Jahre in den USA einer der großen Pioniere der künstlichen Intelligenz und bildete brillante Hightech-Cracks aus. Vor Beendigung der Dreharbeiten, im Jahr 2008, starb Weizenbaum 85-jährig. Obwohl von Plug and play fasziniert, war der Wissenschaftler – was die Entwicklung der Gesellschaft betraf – von tiefer Skepsis geleitet. Das zeigt Jens Schanzes Dokumentarfilm „Plug & Pray“, der für mehr Besinnung wirbt. Wie Balsam wirken die Szenen mit Weizenbaum, dem die Beschaulichkeit einer Bootsfahrt, das Seelische und auch die Endlichkeit des Lebens lieber waren als der Traum von Unsterblichkeit und die Vision eines künstlichen Menschen.

Von Elke Eich

Plug & Pray
Deutschland 2010
Länge: 91 Min.
Regie: Jens Schanze
Dokumentarfilm
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Der letzte schöne Herbsttag

In seinem furiosen Debüt „Shoppen“ beobachtete Regisseur Ralf Westhoff die Paarbildung beim Speed-Dating. Jetzt nimmt er ein einzelnes Pärchen unter die Lupe. Trotz ihrer leicht affektierten und an einen ganz anderen Film erinnernden Namen sind Leo und Claire ziemlich normale und sympathische Typen. Claire trägt ihr Herz auf der Zunge, will irgendwie alles konkret benennen und ausdiskutieren, ist praktischer und direkter. Leo erfreut sich an unkomplizierter Zweisamkeit und möchte zum Beispiel einfach den letzten schönen Herbsttag genießen. Direkt in die Kamera erzählen beide von ihrer zweijährigen Beziehung – spontan, witzig, tragikomisch – ziehen so den Zuschauer ins Vertrauen. Erst in der Gegenwart und bei der unvermeidlich scheinenden Trennung angekommen, verliert Westhoffs Stadtneurotiker-Story etwas Dynamik. Absolut gelungen ist ihm aber seine höchst erfrischende Reflexion des ewigen Themas – dank der Leistung zweier begeisternder Schauspieler.

Von Elke von Berkholz

Der letzte schöne Herbsttag
Deutschland 2010
Länge: 85 Min.
Regie: Ralf Westhoff
Darsteller: Julia Koschitz, Felix Hellmann
Bewertung: 4 von 5 Punkten

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